Wenn die Sucht nach Sex das Leben bestimmt

Claudia Galler

von
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© Aquir_iStock© Aquir_iStockGerade beim Thema Sex ist es nicht leicht, ein „normales Verhalten“ zu beschreiben oder vorzuschreiben. Ab wann man von einem gestörten, suchtartigen Sexualverhalten spricht, erklärt dieser jameda Gesundheitstipp.

Das Sexualverlangen verselbstständigt sich
Sexsucht zählt zu den stoffungebundenen Süchten wie die Internetsucht, Kaufsucht oder Spielsucht. Die Sucht zeigt sich in einem gestörten Sexualverlangen, das vom Betroffenen nicht mehr kontrolliert werden kann, sie tritt bei Männern und Frauen auf. In der medizinischen Fachwelt werden „Sexsucht“ und „Hypersexualität“ als Begriffe für das Krankheitsbild verwendet. Die Bezeichnungen werden jedoch auch kritisch gesehen, wie auch eine exakte Definition dieser Sucht schwierig ist. Sexsucht/Hypersexualität ist keine eigene medizinische Diagnose. Im ICD-1-Katalog wird Sexsucht unter dem Kapitel „Psychische und Verhaltensstörungen“ eingeordnet, und hier z. B. unter „gesteigertem sexuellem Verlangen“.

Zur Sexsucht gehören Phantasiewelten, Masturbation und Pornographie
Betroffene fühlen ein unstillbares Verlangen, sich mit dem Thema Sex zu beschäftigen. Dazu entwickeln sie Phantasiewelten, in denen sie ihre sexuellen Träume ausleben. Sie konsumieren pornografisches Material, nutzen Telefon- und Cybersexangebote und masturbieren exzessiv. Viele haben häufig wechselnde Sexualkontakte, z. B. über Prostituierte.

Ohne Sex treten Entzugserscheinungen auf
Sexsüchtige verlieren zunehmend die Kontrolle über ihr Verhalten. Obwohl sie erkennen, dass sie sich selbst schaden, müssen sie ihren Lebensstil fortsetzen. Folgen wie finanzielle Schwierigkeiten, gesundheitliche Risiken wie Wundsein oder Geschlechtskrankheiten und den Verlust von sozialen Kontakten nehmen sie in Kauf. Sind Süchtige von der Droge Sex abgeschnitten, leiden sie unter Entzugssymptomen: Sie werden unruhig und gereizt, Schweißausbrüche und Herzrasen können auftreten.

Warum kann Sex zur Sucht werden?
Vergleicht man Sex ohne Suchtcharakter mit dem Sexualverhalten eines Süchtigen, wird ein Unterschied deutlich: Während eine reale Beziehung auch beim Sex Nähe, Zeit, Engagement und Offenheit braucht, erlebt ein Sexsüchtiger eher eine „Pseudosexualität“. Sexuelle Handlungen können hier ohne Intimität ablaufen, sie sind sogar ohne jeglichen Kontakt zu Menschen möglich und führen zu keinerlei Verpflichtungen. Die Ursachen für die Sucht sind vielfältig, dazu gehören Einsamkeit, Bindungsangst, Traumata in der Kindheit, erlebte sexuelle Gewalt. Auch ungelöste Konflikte, Trauer, Verlust oder Überforderung können einen Menschen dazu führen, in der Sexsucht eine Welt der guten und glücklichen Gefühle zu suchen.

Wege aus der Sucht: Psychotherapie und Selbsthilfegruppen
Durch eine psychotherapeutische Behandlung können Betroffene es schaffen, sich von dem Suchtstoff Sex zu lösen. Dabei kommen z. B. Gesprächs- und Verhaltenstherapie, Körper- und Kreativtherapie sowie Entspannungsmethoden zum Einsatz. Süchtige lernen, ihre Gedanken zu „entsexualisieren“, Zuwendung von Sex zu trennen und echte Beziehungen einzugehen. Sie tauschen die Phantasiewelt gegen die reale Welt ein und finden angemessene Wege Konflikte zu lösen. In Selbsthilfegruppen können sie sich mit anderen Betroffenen austauchen, finden Vertrauen und Offenheit und können ihre Erfahrungen an andere weitergeben.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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