Verhüten ohne Hormone – Aktuelles zum Thema Frühlingsgefühle

Dr. Struck

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© Gina Sanders - Fotolia.com© Gina Sanders - Fotolia.comDie Vögel zwitschern, es wird morgens früher hell und mit der erwachenden Natur kommt so manche neue Liebe. Damit stellt sich die Frage nach der Verhütung. Natürlich sollten am Anfang Kondome selbstverständlich sein, Schutz vor Infektionen muss sein. Aber wenn die Liebe länger bleibt, wünschen sich die meisten Paare nicht gleich ein Kind, sondern eine andere Lösung für die Frage nach der richtigen Kontrazeption. Viele Frauen sind glücklich mit einer Pille zu verhüten und genießen auch die Vorteile, die diese Methode mit sich bringt, etwa einen sehr regelmäßigen Zyklus, weniger Menstruationsbeschwerden, bessere Haut. Andere wünschen sich eine natürliche Verhütung weil sie keine Hormone nehmen möchten oder unter Nebenwirkungen der Pille gelitten haben, die sich auch mit mehrfachem Wechsel der Präparate nicht abstellen ließen.

Es gibt drei Gruppen von Verhütungsmethoden ohne Hormone. Die klassische natürliche Verhütung, dass heißt die Wahl der unfruchtbaren Tage erlebt gerade eine Renaissance, allerdings nicht immer der sichersten und besten Qualität. Zahlreiche Apps für Smartphones bieten heute Menstruationskalender mit der Anzeige der fruchtbaren Tage an. Leider wissen die wenigsten Frauen, dass das Rechenmodell, welches in fast allen Fällen hinter dem Programm steht, die Standard-Days-Methode ist. Das ist ein sehr vereinfachter Algorhythmus zur Verringerung der Kinderzahl, der für Entwicklungsländer entwickelt wurde.

Richtig angewendete natürliche Verhütung bedeutet regelmäßige Messung der Morgentemperatur und die Beobachtung des Körpers, die als natürliche Familienplanung (NFP / Sensiplan) eine individuelle und sehr sichere Verhütung ermöglicht. Stiftung Warentest hat vor einigen Jahren nicht umsonst festgestellt, dass eine gut informierte Frau, die regelmäßig Ihre Basaltemperatur mit einem Thermometer misst, ihren Muttermundsschleim beobachtet und die NFP-Regeln konsequent einhält, jeden Verhütungscomputer in Sachen Sicherheit um Längen schlägt.

Sind im Bereich der Zyklus-Apps abgesehen von sehr wenigen guten Ausnahmen kaum Neuerungen zur natürlichen Verhütung dazugekommen, so sieht es in der Gruppe zwei, den Barrieremethoden schon besser aus. Mit dem Caya ist ein neues Diaphragma aus antiallergischem Silikon auf dem Markt erschienen, das sehr leicht einzuführen und wieder zu entfernen ist. Theoretisch als Einheitsgröße für alle Frauen konzipiert, passt es all denen, die beim klassischen Diaphragma die mittleren Größen von 65 bis 85 mm benötigen.

Ursprünglich war es so konzipiert, dass es Frauen unabhängig von einer Anpassung beim Frauenarzt verwenden können. In Studien hat sich aber gezeigt, dass unter fachkundiger Anleitung die Probandinnen zu 98% im ersten Versuch das neue Diaphragma richtig über dem Muttermund platzieren konnten, während es ohne Anleitung nur ca. 80% waren. Die Femcap ist ein weiteres Barrieremittel für die Frau, das in den letzten Jahren neu bei uns erschienen ist. Im Vergleich zum Diaphragma und Caya bietet es den Vorteil, dass die Femcap über 48 Stunden an Ort und Stelle bleiben kann und explizit für mehrfachen Verkehr in diesem Zeitraum zugelassen ist. Alle drei Barrieremethoden sind nach dem Einsetzen für die Frau nicht zu spüren, das Diaphragma und Caya werden vom männlichen Partner ebenfalls nur sehr selten bemerkt, die Rückholschlaufe der Femcap wird aber gelegentlich erfühlt. Alle drei Pessare sind nur bei gleichzeitiger Verwendung von spermienhemmendem Gel zuverlässig wirksam. Da es mittlerweile wirksame biologische Gele auf Basis von Milchsäure gibt, brauchen Frauen keine Angst mehr vor häufigen Vaginalpilzinfektionen zu haben, wie es mit den Nonoxinol-9-haltigen Gelen in den 80er und 90er Jahren oft der Fall war.

In der dritten Gruppe, der intrauterinen Verhütung haben es Neuerungen, die in anderen europäischen Ländern schon länger verfügbar waren, endlich auch bei uns geschafft, sich zu etablieren. Das Gynefix, eine Kupferkette, die auch als rahmenlose Spirale bezeichnet wird, ist in Belgien Mitte der 90er Jahre entwickelt worden, als Alternative zu herkömmlichen IUP (Intrauterinpessaren = Spiralen) für Frauen mit einer zierlichen, schmalen oder krummen Gebärmutter, bei denen konventionelle Spiralen starke Blutungen und Menskrämpfe verursachen, da sie an der Gebärmutterwand drücken. Auch IUP mit einer Liegezeit von bis zu 10 Jahren sind mittlerweile verfügbar. Gerade für Frauen über 40, die keine Sterilisation wünschen, aber eine sichere Verhütung, an die sie bis zur Wechselzeit nicht mehr denken müssen sind sie ideal.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


16.03.2014 - 02:09 Uhr

Gut zu wissen, vielen Dank für die Recherche und...

von Manuela

... die Informationen!

Dr. Struck

Antwort vom Autor am 05.04.2016
Dr. med. Dorothee Struck

Gerne! Mittlerweile ist das angekündigte Buch "Verhüten ohne Hormone" auch erschienen. Lieben Gruß Dr. Dorothee Struck

11.03.2014 - 05:41 Uhr

Das fand ich ja mal interessant mit der App, ich...

von Manuela

... hab mich auch schon gefragt, ob das funktioniert und wie zuverlässig das ist. Ich habe seit Jahren nen Zykluscomputer mit dem ich sehr zufrieden bin, aber der funktioniert auch symptothermal, also wie klassische NFP und ich dachte, so ne App scheint ja einfacher zu sein - aber das war ja eigentlich klar, dass es zu schön klang, um wahr zu sein. Da bleibe ich lieber bei meinem guten, alten Zykluscomupter- der hat mich seit 2 Jahren noch nicht im Stich gelassen!

Dr. Struck

Antwort vom Autor am 12.03.2014
Dr. med. Dorothee Struck

Moin, die einzigen beiden zuverlaessigen Apps, die ich bei meinen Recherchen (fuer ein Buch ueber hormofreie Verhuetung) gefunden habe und die auf den klassischen NFP-Regeln beruhen, sind: iNFP und die App von Symptotherm, aus der Schweiz. Alle anderen beruhen mehr oder weniger auf der Standard-Days-Methode oder sind monosymptomal und damit weniger sicher. Lieben Gruss Dorothee Struck


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