Zuckertest in der Schwangerschaft: Was bedeuten meine Werte?

Claudia Galler

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©Subbotina Anna-fotoliaDie Folgen einer Schwangerschaftsdiabetes können enorm sein! Ein Test für Gewissheit ist daher um so wichtiger (©Subbotina Anna-fotolia)Werdende Mütter können im Rahmen der Vorsorge an einem Diabetes-Screening teilnehmen, bei dem in einem zweistufigen Test der Blutzuckerspiegel der Schwangeren überprüft wird.

Etwa 5% der Schwangeren entwickeln einen Gestationsdiabetes

Erhöhte Blutzuckerwerte während der Schwangerschaft können einen Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes) anzeigen. Dabei handelt es sich um eine Verwertungsstörung von Glukose ähnlich dem Typ-2-Diabetes. Die Zellen können die Glukose trotz vorhandenem Insulin nicht vollständig aufnehmen, so dass der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht ist. Zu viel Blut im Zucker schädigt die Gefäße und Organe.

In der Schwangerschaft steigt dadurch die Gefahr für Harnwegsinfekte, Schwangerschaftshochdruck, vorzeitige Wehen, Früh- und Fehlgeburt. Die Kinder nehmen im Mutterleib rasch zu, als Erwachsene haben sie dann ein erhöhtes Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Welche Patientinnen tragen ein besonderes Risiko?

Die Veranlagung für einen Schwangerschaftsdiabetes wird vererbt. Zu den begünstigenden Faktoren für die Erkrankung gehören Verwandte ersten Grades, die Diabetiker sind,

Schwangerschaftsdiabetes während vorangegangener Schwangerschaften, Kinder mit hohem Geburtsgewicht von 4000g und mehr, eine erlebte Totgeburt, Alter über 30 und Übergewicht. Bei betroffenen Risikopatientinnen sollte der Zuckertest schon im ersten Drittel der Schwangerschaft erfolgen, um die Gesundheit von Mutter und Kind zu bewahren.

So läuft der Zuckertest in der Schwangerschaft

Für den Vortest in der 24.-28. Schwangerschaftswoche braucht die Patientin nicht nüchtern sein, da der Test unabhängig von der letzten Mahlzeit durchgeführt wird. Dazu trinkt die Patientin in der Praxis eine Zuckerlösung aus 50g Glukose und 200ml Wasser, nach einer Stunde wird der Blutzucker gemessen. Beträgt der Wert 7,5 mmol/l (135 mg/dl) oder mehr, wird ein zweiter Test, der orale Glukosetoleranztest (OGTT) gemacht.

Hierzu erscheint die Patientin nüchtern, d. h. sie hat mindestens acht Stunden nichts gegessen. Die Patientin darf zum Zeitpunkt des Tests außerdem weder Fieber noch eine Entzündung haben, keine Diät machen und keine Medikamente wie Kortison oder wehenhemmende Mittel einnehmen. Für den Test wird zunächst der Nüchternblutzucker gemessen.

Danach trinkt die Patientin innerhalb von 3-5 Minuten 300ml einer Zuckerlösung, die 75g Glukose enthält. Der Blutzucker wird nochmals nach 60 und 120 Minuten gemessen. Die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes erfolgt, wenn ein oder mehrere Grenzwerte erreicht oder überschritten werden:

Nüchternwert: 5,1mmol/l (92mg/dl)

Nach 60 Minuten: 10mmol/l (180mg/dl)

Nach 120 Minuten: 8,5mmol/l (153mg/dl)

Diagnose Schwangerschaftsdiabetes

Patientinnen mit Schwangerschaftsdiabetes sollten engmaschig von einer diabetologischen Praxis betreut werden. Sie lernen, ihren Blutzucker selbst zu messen, müssen ihre Ernährung auf eine ausgewogene, ballaststoffreiche Kost umstellen und den Insulin-Glukose-Stoffwechsel über ausreichend Bewegung günstig beeinflussen. Bringen diese Maßnahmen keine Besserung, spritzen sich die Patientinnen zusätzlich Insulin.

Nach der Schwangerschaft normalisieren sich die Blutzuckerwerte meistens wieder. Das Risiko, später an Typ-2-Diabetes zu erkranken, bleibt jedoch erhöht.

Wer zahlt den Zuckertest in der Schwangerschaft?

Die Krankenkassen übernehmen seit 2012 den zweistufigen Test auf Schwangerschaftsdiabetes. Ob dabei die Glukoselösung von der Praxis hergestellt, ausgegeben und bezahlt wird oder die Glukose oder ein fertiger OGTT-Saft von der Patientin in der Apotheke gekauft wird, hängt von der Organisation der Arztpraxis ab.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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