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10 Jahre Volumentomographie in der Zahnmedizin

Dr. Jochum

von
verfasst am

© Jochum© JochumEin Erfahrungsbericht aus der Praxis
In der chirurgischen Zahnmedizin sind bildgebende Verfahren von entscheidender Wichtigkeit für Behandlungsplanung, -durchführung und -erfolg. Grund hierfür ist die äußerst individuelle Beschaffenheit der gesamten Kieferregion. Knochenform, -dicke und -dichte variieren bei jedem einzelnen Patienten.

Kenntnis über den Verlauf von Nerven und Blutgefäßen sowie die Lage der Kieferhöhle sind wichtig für jeden operativen Eingriff.

Als Standardverfahren galt bislang das Orthopantomogramm – eine Röntgenübersichtsaufnahme, auf der beide Kiefer und alle Zähne dargestellt sind. Der grundsätzliche Nachteil dieser Aufnahme ist die Wiedergabe eines nur zweidimensionalen Abbildes einer dreidimensionalen Realität. Überlagerungen von anatomischen Strukturen lassen diese herkömmliche Bildgebung oft an ihre Grenze stoßen.

Auf Basis der herkömmlichen Computertomographie hat sich in den letzten Jahren eine speziell in der Zahnmedizin nutzbare Gerätegeneration entwickelt: die Digitale Volumentomographie (DVT).

 

Aufbau und Technik des Digitalen Volumentomographen
Der digitale Volumentomograph verfügt über eine drehbar gelagerte Röntgenröhre und einem dieser gegenüberliegenden flächigen Bilddetektor. Diese Sender-Detektor-Einheit rotiert nur einmal um den Patientenkopf, wobei im Abstand von je einem Grad eine Röntgenaufnahme angefertigt wird. Eine moderne Belichtungsautomatik ermöglicht hier Aufnahmen mit geringst möglicher Strahlenbelastung.
Im angeschlossenen Computer liegen nach einem Umlauf 360 zweidimensionale Einzelprojektionen vor. Aus diesen wird ein dreidimensionaler Datensatz errechnet, welcher wiederum digital zu weiteren, beliebigen 2D- und 3D-Ansichten verändert werden kann.

Ein DVT ist hilfreich zur:

  • Implantatplanung durch Darstellung von Kieferform, Knochendicke und –dichte, Verlauf des Nervkanals und von Blutgefäßen, Ausdehnungen der Kieferhöhle, Einziehungen am Innenrand des Unterkiefers
  • eindeutigen Lagebestimmung von verlagerten Zähne
  • Beurteilung pathologischer Knochenstrukturen (z. B. Zysten, entzündliche oder tumorbedingte Veränderungen) in Bezug zu relevanten anatomischen Nachbarstrukturen
  • Beurteilung von Veränderungen der Zahnwurzeln (Wurzelresorptionen)
  • Diagnostik von Fehlbildungen des Gesichts, Kiefer - und Gelenkasymmetrien, Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten
  • Darstellung des zahnumgebenden Knochenangebotes zur prognostischen Bewertung geplanter Zahnbewegungen im Rahmen einer kieferorthopädischen Behandlung

Vorteile der Digitalen Volumentomographie

  • durch die für die Implantologie entwickelte Spezialsoftware, kann der chirurgische Eingriff ideal geplant werden. Die äußerst exakte, dreidimensionale, frei rotierbare Darstellung des Patientenschädels, insbesondere der Kieferregion zeigt anschaulich und überlagerungsfrei die anatomischen Verhältnisse. Chirurgisch relevante Informationen wie Kieferform, Knochendicke und -dichte, der Verlauf von Arterie und Nervkanal, die Lage der Kieferhöhle, Einziehungen im Unterkiefer sind im Voraus bekannt. Komplikationen, die aus der Unkenntnis der anatomischen Gegebenheiten resultieren, können somit vermieden werden! Studien belegen eine Verminderung von OP-Risiken bei Implantationen um 50-60%.
     
  • der Behandler kann sich virtuell durch den Knochen bewegen und Implantatform, -länge und -breite sowie die ideale Implantatposition und -neigung vor der Operation festlegen. Damit wird das Risiko von Fehlbelastung, Lockerung und Verlust der Implantate deutlich veringert. Die ideale Implantatposition ist zudem maßgeblich für die Ästhetik des späteren Zahnersatzes.
     
  • die Bewertung der Knochenqualität und die Prognose der anfänglichen Implantatstabilität können mit dem DVT erheblich zuverlässiger vorgenommen werden, als mit konventioneller Röntgentechnik. Dies ergab eine aktuelle Studie der Universität Seoul 2009.
     
  • durch die chirugische Umsetzung der aus dem DVT gewonnenen Informationen reduzieren sich in den meisten Fällen das Ausmaß und die Dauer des Eingriffs. Die Operation kann gezielter und schonender durchgeführt werden. Dadurch tritt eine schnellere Heilung ein und das Risiko von Wundinfektionen ist deutlich vermindert.
     
  • deutlich verringerte Strahlenexposition im Vergleich zu Aufnahmen mit einem herkömmlichen Computertomographen – die gesamte Dauer der Aufnahme beträgt nur gut 1 Minute

 

Fazit:
Die digitale Volumentomographie hat sich in den letzten Jahren zu einem unverzichtbaren Werkzeug in der Zahnmedizin für bestimmte Fragestellungen insbesondere aus dem Bereich der zahnärztlichen Implantologie entwickelt.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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