All-on-4: an einem Tag zu festen Zähnen ohne Knochenaufbau

© Dr. med. dent. Sebastian von Mohrenschildt

Stellen Sie sich vor, Sie haben eine (schlecht sitzende) Prothese oder bereits viele von fortgeschrittener Parodontitis betroffene Zähne, und es gibt ein langjährig Verfahren, an nur einem Tag wieder zu festen Zähnen zu kommen – geht das?

Ein Abbau des Kieferknochens und eine schlechte Knochenqualität bei langjähriger Zahnlosigkeit oder fortgeschrittenem Knochenabbau stellen den Zahnarzt oft vor Probleme. Dem Wunsch nach festsitzendem Zahnersatz kann dann in vielen Fällen erst nach umfangreichen vorbereitenden Maßnahmen und aufwendigem Knochenaufbau entsprochen werden.

Das "All-on-4"-Konzept wurde durch Dr. Paulo Málo eingeführt, um Patienten mit einem zahnlosen Kiefer eine effiziente und komfortable Versorgung zu ermöglichen. Hierbei kommen meist vier Implantate zum Einsatz, wobei die endständigen Implantate den individuellen anatomischen Gegebenheiten entsprechend, mit einem Winkel von 30-45° Grad schräg in den Kieferknochen inseriert werden. Es stellt somit eine gut dokumentierte Alternative zum Sinus-Lift, Auflagerungsosteoplastiken und anderen augmentativen Behandlungsverfahren dar.

Durch schräge Insertion der beiden hinteren Implantate können längere Implantate eingesetzt werden, auch wenn nur ein geringes Knochenvolumen vorhanden ist. Längere Implantate ermöglichen eine vergrößerte Kontaktfläche vom Implantat zum Knochen, wodurch ein weiterer Knochenaufbau häufig vermieden werden kann. Bei den schräg gesetzten Implantaten im hinteren Bereich des Kieferkamms ragt die Implantatspitze in den oftmals qualitativ hochwertigeren (festeren) Knochen der Frontzahnregion. Dadurch wird eine höhere Stabilität für den späteren Zahnersatz erreicht.

Auf den inserierten Implantaten wird anschließend bereits wenige Stunden nach der Implantation ein festsitzendes Provisorium auf die Implantate verschraubt, was die Implantate in der Einheilzeit zusätzlich stabilisiert. Bei der herkömmlichen Implantation ist bis zur Eingliederung des Zahnersatzes mit einer Einheilzeit von mehreren Monaten zu rechnen.

Nach vollständiger Einheilung der Implantate einige Monate später wird ein definitiver Zahnersatz angefertigt. Bei der Herstellung des definitiven Zahnersatzes stehen verschiedene festsitzende oder herausnehmbare Lösungen zur Auswahl, die nach den individuellen Wünschen des Patienten gefertigt werden können.

Durch die kurze Behandlungsdauer, reduzierte Anzahl an Implantaten und dadurch einen effizienten Behandlungsablauf, sorgt das All-on-4 Behandlungskonzept für eine ausgesprochen hohe Patientenzufriedenheit.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (6)

Patricia, 15.09.2014 - 11:17 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. von Möhrenschildt, ich habe mir letzte Woche als Parodontose-Kandidatin einen Schneidezahn so angeschlagen, dass er erst wackelte, sich zu erholen schien und nun wohl ausfallen wird. Zahnersatz habe ich noch nicht, aber der Nachbarschneidezahn wackelt auch schon seit einiger Zeit minimal. Mein Zahnfleisch ist weit zurückgegangen, so dass mir das Lachen schon lange vergangen ist. Haben Sie eine Idee aus der Ferne? Für eine Antwort wäre ich Ihnen dankbar.

Antwort von Dr. med. dent. Sebastian von Mohrenschildt, verfasst am 16.09.2014

Sehr geehrte Patricia, bitte haben Sie Verständnis, dass in diesem Fall ohne klinische und röntgenologische Untersuchung keine Aussage zu möglichen Therapieoptionen zu treffen ist. MfG Dr. S.v.Mohrenschildt

Gerda, 11.11.2013 - 11:37 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. von Mohrenschildt Meine Frontzähne sind in Ordnung, aber rechts- und linksseitig müssen im Oberkiefer 3 Backenzähne implantiert werden. Nachdem zu wenig Kieferknochen für die Implantate vorhanden ist, müsste der Knochen erst aufgebaut werden, deshalb meine Frage: gibt es die Möglichkeit einer Schräginsertion von Implantaten nur im Backenzahnbereich? Mit besten Grüßen Gerda

Antwort von Dr. med. dent. Sebastian von Mohrenschildt, verfasst am 11.11.2013

Sehr geehrte Gerda, die Verwendung schräg inserierter Implantate mit Sofortbelastung ist grundsätzlich auch im Oberkiefer-Seitenzahnbereich möglich, wobei meist eine dreigliedrige Brücke auf zwei Implantaten verschraubt wird (während der ersten Monate jedoch ohne antagonistischen Kontakt). Ob eine schräge Insertion der Implantate im Oberkieferseitenzahnbereich möglich ist, hängt jedoch vom vorhandenen Restknochenangebot in diesem Bereich und der Ausdehnung der Kieferhöhle ab, die diesem Verfahren oft im Wege steht.

Frieder, 01.11.2013 - 10:23 Uhr

Ich habe eine Rückfrage: Ich stehe genau an dem Punkt, an dem mir mein Zahnarzt folgendes (und in dieser Reihenfolge....) empfiehlt, nachdem ich mit dem klaren wunsch auftrat, in erster Linie über Implantate nachzudenken: 1.) Vorhandene Parodontitis nach Extraktion aller betroffenen Zähne (6-7) über einige Wochen behandeln/heilen! 2.) Danach Entscheidung, ob eine Implantation überhaupt möglich ist! 3.) Wenn, dann einheilzeit von 4 Monaten..! Hinzufügen muss ich, dass ich vorher schon seit vielen Jahren 2 Prothesen habe (eine = alle Schneidezähne Oberkiefer), bei der ein Ankerzahn auch extrahiert werden muss! Das würde zu im Moment (also vor der Entscheidung "Implantation möglich") keine Lösung! Herzlichen Dank für eine Antwort! MfG Frieder

Antwort von Dr. med. dent. Sebastian von Mohrenschildt, verfasst am 02.11.2013

Sehr geehrter Frieder, die von Ihrem Zahnarztes erläuterte Zeitabfolge entspricht der üblichen Vorgehensweise bei der konventionellen Implantation. Das All-on4-Behandlungskonzept reduziert die Behandlungsdauer erheblich, da in einem Zuge die Implantate gesetzt diese und wenige Stunden später mit festsitzendem Zahnersatz versorgt werden. Hierbei handelt es sich jedoch um ein techniksensitives Verfahren, dem eine aufwendigere präimplantologische Planung (3D-Diagnostik, Modellanalyse, Herstellung des Zahnersatzes) vorangeht und welches nur von erfahrenen Implantologen durchgeführt werden sollte. Durch die Verwendung eines speziellen Implantat-Typs (Nobel Active), die schräge Insertion längerer Implantate im hinteren Bereich und die Verblockung aller Implantate durch den festsitzenden Zahnersatz ist eine Sofortversorgung und -Belastung möglich. Die Alternative stellt wie bereits erwähnt die herkömmliche Vorgehensweise mit einer Behandlungsdauer von mehreren Monaten dar, also Extraktion > Ausheilung > Implantation > Einheilung > Zahnersatz, über deren Behandlungszeitraum eine Prothese getragen werden muss. Ich hoffe meine Antwort hilft Ihnen weiter und verbleibe mit freundlichen Grüßen, Dr. v. Mohrenschildt

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