Wurzelbehandlung bei tiefer Karies? Die Überkappung des Zahnmarks ist eine Alternative!

Dr. Makuch

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© istock - Bigmouse108Karies kann bis ins Zahnmark im Inneren des Zahnes (Pulpa) vordringen (© istock - Bigmouse108)Wer seine Vorsorge-Untersuchungen beim Zahnarzt regelmäßig wahrnimmt, hat den Grundstein für ein gesundes, strahlendes Gebiss gelegt und ist in den meisten Fällen vor „großen Löchern“ gewappnet. Aber was, wenn doch tiefe Karies entsteht? Welche Alternativen gibt es zur Wurzelbehandlung?

Wie wird oberflächliche Karies behandelt?

Wenn bei der zahnärztlichen Kontrolle erste, sichtbare Entkalkungen im Zahnschmelz entdeckt werden oder sich eine beginnende Karies auf dem Röntgenbild zeigt, muss der Zahnarzt handeln. Er sollte sorgsam und individuell entscheiden, ob Fluoridierungsmaßnahmen genügen, um den Zahnschmelz zu reparieren, oder ob bereits eine kleine Füllung gelegt werden sollte. Auf diese Weise lassen sich „große Löcher“ bereits im Anfangsstadium vorbeugen.

Bei tiefen Löchern sind aufwendigere Verfahren notwendig

Unzureichende Diagnostik, unregelmäßige Zahnarztbesuche oder eine mangelnde Mundhygiene in Verbindung mit ungesunden Ernährungsgewohnheiten führen leider immer wieder zu tiefen „Löchern“, die bis in die innere Zahnschicht reichen. Auch alte, undicht gewordene Füllungen, die nicht rechtzeitig ausgetauscht werden, können von Karies befallen werden. Da beim Austausch der defekten Füllung meist auch noch kariöse Zahnsubstanz entfernt wird, muss leider oft in direkter Nähe des Nervs gebohrt werden. Dabei wird der Nerv oft geöffnet.

Derartig tiefe „Löcher“ werden im Fachkreis als „Caries profunda“ bezeichnet. Häufig hat sie sich bereits so weit ausgedehnt, dass der Nerv durch die Bakterien infiziert ist. Oder der Nerv wird bei dem Versuch, die Karies zu entfernen, sogar großflächig geöffnet. Therapie der Wahl ist dann meistens eine Wurzelbehandlung, bei der der infizierte Nerv entfernt und der Zahn mit einer Wurzelfüllung versorgt wird.

Welche alternativen Behandlungen gibt es?

Glücklicherweise gibt es bereits seit 1930 zwei sehr erfolgreiche und mittlerweile gängige Alternativen, um den Zahnnerv zu retten und eine Wurzelbehandlung zu umgehen - die indirekte und direkte Überkappung.


Indirekte Überkappung

Bei der sogenannten CP-Therapie (Caries-profunda-Therapie) wird die Karies entfernt, sodass ein Medikament auf der tiefsten Stelle des „Lochs“ platziert werden kann. Der Nerv sollte dabei nicht geöffnet werden. Wenn jedoch die Gefahr bestehen, die Zahnmarkkammer zu öffnen, so kann laut aktueller Studien sogar in minimalem Umfang kariöses Restgewebe kurz vor der Pulpa belassen werden. Das Medikament wird dann indirekt auf das „beinahe“ offene Zahnmark platziert. Hier spricht man von der indirekten Überkappung.


© fotolia-KzenonDie Prognosen und Erfolgsaussichten sind bei jüngeren Patienten besser (© fotolia-Kzenon)Definition und Ablauf der direkten Überkappung

Die P-Therapie (Pulpa-Therapie) kommt zum Einsatz, wenn die Pulpa trotz schonender Vorgehensweise bei der Kariesentfernung maximal ein Millimeter geöffnet worden ist. Die obersten Voraussetzungen für den Erfolg dieser Therapie sind die punktförmige Öffnung des Zahnmarks und die absolute Kariesfreiheit des Zahns. Zudem spielt der Zustand der sichtbaren Pulpa, z.B. die Art der Blutung oder die Farbe des Gewebes, eine wesentliche Rolle.

Wenn das Zahnmark auf eine bereits fortgeschrittene Entzündung hindeutet, ist eine Wurzelbehandlung die einzige Option. Ist es aber gesund, wird das Medikament direkt auf die offene Pulpa aufgetragen.

Es hat die gleichen Effekte wie bei der indirekten Methode und wirkt zudem blutstillend und desinfizierend. Je jünger der Patient, desto besser ist die Heilungsfähigkeit des Gewebes und desto erfolgsversprechender ist die Heilung des Zahnes. Nichtsdestotrotz funktioniert die Methode bei allen Altersklassen.

Erfolgskriterien und Voraussetzungen der direkten und indirekten Überkappung:

  • gesunde oder maximal reversibel gereizte Pulpa
  • keine Symptome am Zahn, die insbesondere auf eine irreversible Pulpa-Entzündung deuten
  • dichter Füllungsrand mit einem bakterienundurchlässigen Füllungsmaterial (kein reopening)
  • Alter des Patienten
  • kariesfreie Umgebung bei P-Therapie; minimal kariöses Restgewebe bei CP-Therapie
  • kleinflächig eröffnetes Zahnmark bei P-Therapie; verschlossene Pulpakammer bei CP-Therapie

Fazit

Bei beiden Therapiemaßnahmen ist eine definitive, bakteriendichte Füllung unumgänglich. Das Medikament wird bei der indirekten und direkten Überkappung im Zahn belassen und nicht wieder entfernt, so dass es unter der neuen Füllung bleibt. Die Erfolgschancen der Überkappung sind sehr hoch, variieren jedoch nach Alter des Patienten, Lokalisation der Karies, Zahnart und Stadium der Zahnreizung. Wenn der behandelte Zahn innerhalb der folgenden sechs Monate symptomlos bleibt, kann man den Therapieversuch als erfolgreich betrachten.

Sollte der Zahn hingegen wieder die typischen Symptome wie z.B. pochende Schmerzen oder Hitze-Empfindlichkeit entwickeln, sollten Sie sich erneut bei Ihrem Zahnarzt vorstellen. Er leitet gegebenenfalls eine Wurzelbehandlung ein.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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