Die Hemisektion - Wie ist der Behandlungsablauf einer Wurzelamputation?

Dr. Meyer-Langenfeld

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©fotolia-BVDCDie Hemisektion ist Behandlungsalternative zum Zahnerhalt, die beinahe in Vergessenheit geraten ist (©fotolia-BVDC)„Früher war alles besser!“ - In der Zahnmedizin ist dies definitiv nicht der Fall, wenn man zurückdenkt, unter welchen Umständen den Menschen früher Zähne behandelt, entfernt und notdürftig ersetzt worden sind. Doch spätestens seit der Einführung der Implantologie in den zahnärztlichen Behandlungsalltag vor ca. 40 Jahren ist der vollständige Ersatz eines Zahnes, inklusive seiner Wurzel, nicht nur möglich, sondern hat sich in den letzten zehn Jahren als Standard etabliert.

In der Bundesrepublik Deutschland werden inzwischen jährlich bis zu eine Millionen Zahnimplantate gesetzt. Immer häufiger entscheiden sich Patienten nach der Entfernung eines Zahnes für den Ersatz durch ein Implantat, anstelle einer klassischen Brücke oder herausnehmbaren Prothese.
Leider gibt es aber auch viele Patienten, bei denen eine Implantation aus gesundheitlichen Gründen oder auch in finanzieller Hinsicht nicht möglich ist.

In welchen Fällen kommt eine sogenannte Hemisektion in Frage?

Gerade bei älteren Patienten stellt sich die Frage, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, einen Zahn, der eigentlich schon als nicht mehr erhaltungswürdig eingestuft wurde, doch noch zu erhalten. Häufig handelt es sich dabei um umfangreich behandelte Seitenzähne mit Wurzelfüllungen und Kronen- oder Brückenversorgung, die möglicherweise auch trotz einer sogenannten Wurzelspitzenresektion nicht zur Ruhe kommen und weiterhin Probleme verursachen.

Wenn solche Zähne entfernt werden, wird aber gleichzeitig auch der darauf befestigte Zahnersatz entfernt. Die Folge ist, dass eine Neuanfertigung notwendig ist, wodurch natürlich die Kosten der Behandlung steigen. Umso ärgerlicher ist es, wenn die bereits vorhandene Kronen- oder Brückenversorgung noch gar nicht so lange zurückliegt und sich somit nicht wirklich „rentiert“ hat.

Sollte die Ursache der Beschwerden an einer Wurzel des mehrwurzeligen betroffenen Zahnes liegen, bietet sich zum Zahnerhalt möglicherweise eine sogenannte „Hemisektion“, auch „Trisektion“ oder „Wurzelamputation“ genannt, an.

Bei diesem Verfahren wird die komplette betroffene Wurzel entfernt, ohne dass der darauf befestigte Zahnersatz beschädigt wird. Es wird also nicht der ganze Zahn, sondern nur ein Teil von ihm entfernt. Dies ist natürlich nur möglich, wenn die verbleibende Wurzel beziehungsweise die beiden verbleibenden Wurzeln entzündungsfrei sind und den Zahn nicht instabil werden lassen.

© Meyer-LangenfeldIm Röntgenbild vor der Behandlung sind zwei Wurzeln an dem Zahn mit Zahnersatz erkennbar (© Meyer-Langenfeld)Mögliche Ursachen, die für eine Hemisektion an mehrwurzeligen Zähnen sprechen können, sind

  • eine fehlgeschlagene oder nicht durchführbare Wurzelbehandlung
  • freiliegende Zahnwurzeln infolge einer Parodontitis, die zu wiederkehrenden Zahnfleischentzündungen in den Zwischenräumen führen
  • eine fortgeschrittene Wurzelkaries
  • eine beschädigte Wurzel durch einen Stiftaufbau

Wann sollte von einer Hemisektion abgeraten werden?

Eine Hemisektion bei mehrwurzeligen Zähnen ist nicht empfehlenswert, wenn ein Zahnersatz noch nicht erfolgt ist, sondern erst nach erfolgreicher Hemisektion angefertigt werden würde. In diesem Fall spricht das Vorgehen eher dafür, dass der Zahn komplett entfernt wird und der Ersatz durch eine Brücke oder ein Implantat angefertigt wird. Hier ist der Halt langfristig sicherlich höher als auf einem im Vorhinein instabilen Zahn.

© Meyer-LangenfeldNach dem Eingriff wird der Zahn nur noch durch eine Wurzel getragen (© Meyer-Langenfeld)Im Zeitalter der Zahnimplantate ist die Hemisektion deutlich seltener geworden und somit auch bei Zahnärzten als „letzte Rettung“ etwas in Vergessenheit geraten. Da die Kosten für eine Hemisektion, anders als bei einer Wurzelspitzenresektion, in jedem Fall von allen Krankenkassen vollständig übernommen werden, ist der Gedanke, ob eine Hemisektion eine mögliche Alternative darstellt, schon allein in wirtschaftlicher Hinsicht für den Patienten sinnvoll.

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