Entzündete Zahnnerven: Alles über Symptome & Behandlungsmöglichkeiten

Ein beschädigter Zahnnerv lässt sich in der Regel gut im Röntgenbild erkennen. (© Simka)

Die Schädigung des Zahnnervs kann sich sehr unterschiedlich bemerkbar machen. Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen einer akuten und einer chronischen Entzündung.

Akute Nervenentzündung

Bei einer akuten Entzündung ist der Zahnnerv noch lebendig. Der Schmerz wird als sehr "scharf", teilweise "pulsierend" bis hin zu "unerträglich" empfunden und lässt sich nach einiger Zeit auch durch den Einsatz von Schmerzmitteln nicht mehr lindern oder beseitigen. Eine genaue Lokalisierung des betroffenen Zahnes ist für den Patienten oft nicht möglich, weil die Schmerzen in den Ober- oder Unterkiefer oder ins Ohr ausstrahlen können.

Das Ausstrahlen ins Ohr führt oft dazu, dass sich die Patienten zunächst an den Hausarzt oder einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt wenden. Bringen diese Arztbesuche keine Diagnose, sollte an eine Entzündung des Zahnnerves gedacht werden. Das Ausstrahlen der Schmerzen kann so weit gehen, dass die Patienten den Eindruck haben, der Schmerz kommt von einem Zahn im Unterkiefer, obwohl der betroffene Zahn im Oberkiefer liegt.

Zusätzlich wird der Schmerz durch Wärme (z. B. Tee, Kaffee) verstärkt und durch Kälte (z. B. Eis, kaltes Wasser) gelindert. Somit treten diese Schmerzen häufig nachts auf und an Schlaf ist nicht mehr zu denken.


Symptome, die auf eine akute Nervenentzündung hindeuten:

  • scharfer, dauerhafter, zum Teil pulsierender starker bis unerträglicher Schmerz
  • Ausstrahlen der Schmerzen in den Ober- oder Unterkiefer und/oder ins Ohr
  • Wärme verstärkt den Schmerz, Kälte lindert ihn
  • Schmerztabletten helfen nicht mehr oder nur wenig

In jedem Fall ist bei der Behandlung einer akuten Entzündung des Zahnnerven eine Lokalanästhesie notwendig.


Chronische Nervenentzündung

Bei der chronischen Entzündung ist der Nerv bereits vollständig oder teilweise abgestorben. Die dadurch entstandenen Bakterien verursachen eine Entzündung des Knochens im Bereich der Wurzelspitze. Im Röntgenbild sieht man, dort, wo die Entzündung ist, eine dunkle Stelle. Diese dunkle Stelle bedeutet, dass sich der Knochen bereits aufgelöst hat. Beißen die Patienten nun auf diesen Zahn, drücken sie ihn in diese Entzündung rein, was die Schmerzen verursacht. Man kann sich das vorstellen, wie mit einem blauen Fleck, der schmerzt, sobald man draufdrückt.


Weitere Symptome können sein:

  • ein wiederkehrender oder dauerhafter dumpfer Schmerz
  • Druckschmerz bei Fingerdruck auf das Zahnfleisch am betroffenen Zahn
  • Lockerungsgefühl des Zahnes
  • Gefühl, dass der Zahn länger geworden ist
  • eine Eiterblase am Zahnfleisch
  • Zahn verfärbt sich dunkel

Wann diese Schmerzen auftreten, ist individuell sehr unterschiedlich. Häufig merken die Patienten es nicht, dass der Zahnnerv abstirbt. Auch wenn die Entzündung im Knochen schon sehr groß geworden ist, müssen nicht immer Schmerzen auftreten. Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt und bei Verdacht auch die Anfertigung einer Röntgenaufnahme helfen, solche Entzündungen zu erkennen.

In einigen Fällen kann bei der Behandlung der chronischen Entzündung des Zahnnervs auf die Lokalanästhesie verzichtet werden, da der Nerv schon nicht mehr vital ist. Das muss individuell entschieden und mit dem Patienten besprochen werden. Im Zweifel sollte der behandelnde Zahnarzt auch bei einer chronischen Entzündung eine Lokalanästhesie vornehmen.


Wie findet der Zahnarzt heraus, ob der Zahn erhaltungswürdig ist?

Ob der Zahn erhalten werden kann, hängt in erster Linie davon ab, wie stark der Zahn bereits zerstört wurde (z. B. durch Karies oder durch einen Unfall). Das Ziel ist es, den Zahn nach der Wurzelkanalbehandlung auch wieder zum Kauen nutzen zu können. Das heißt: Kann im Anschluss an die Wurzelkanalbehandlung eine Füllung gelegt oder eine Krone auf dem Zahn befestigt werden?

Schließlich nützt die schönste Wurzelfüllung nicht, wenn der Patient den Zahn im Anschluss nicht wieder nutzen kann. In vielen Fällen kann der Zahnarzt/die Zahnärztin den Zahn jedoch mit Hilfe eines Wurzelstiftes als Anker soweit wieder aufbauen, dass auch eine Krone langfristig drauf gesetzt werden kann. Ist der Zahn hingegen bis in die Wurzel hinein gebrochen oder durch eine Karies zerstört, ist ein Erhalt nicht immer oder nur mit sehr aufwendigen Mitteln möglich. Ist die Wurzel der Länge nach gebrochen, muss der Zahn gezogen werden.


Wie läuft eine Wurzelkanalbehandlung ab?

Die Wurzelkanalbehandlung gliedert sich grundsätzlich in 4 bis 5 Schritte:

1. Beseitigen der Karies und bakteriendichter Aufbau des Zahnes

Damit es während der Behandlung des Zahnes nicht dazu kommt, dass Bakterien eindringen können, müssen die Karies beseitigt und der Zahn vorab mit Kunststoff aufgebaut werden.


2. Mechanische Aufbereitung der Wurzelkanäle

Das entzündete Gewebe wird in diesem Behandlungsschritt entfernt und die Wurzelkanäle werden ein wenig erweitert. Die Erweiterung muss bis exakt zur Wurzelspitze erfolgen, damit alle Bakterien beseitigt werden können. Dies gelingt am besten mit feinsten, flexiblen Feilen. Die Erweiterung der Wurzelkanäle dient dazu, dass die anschließende Spülung und die Wurzelfüllung erfolgen können.


3. Chemische Desinfektion mit verschiedenen Spüllösungen

Da der Zahn nicht nur 1, 2 oder 3 Kanäle, sondern viele mikroskopisch kleine Seitenkanäle hat, muss gleichzeitig eine Desinfektion der Wurzelkanäle erfolgen. Dafür kommt unter anderem eine Chlor-Lösung zum Einsatz. Damit diese nicht in den Mund des Patienten läuft, wird der Zahn nach Schritt 1 mit einem Gummituch isoliert. Die Desinfektion kann durch den Einsatz von Ultraschall noch effektiver gemacht werden.


4. Medikamenten-Einlage oder direkte Wurzelfüllung

Nach der kompletten Reinigung der Wurzelkanäle erfolgt zur weiteren Desinfektion die Einlage eines Medikamentes in die Wurzelkanäle und der dichte provisorische Verschluss des Zahnes. In einigen Fällen (z. B. wenn keine Schmerzen vorhanden waren) kann auch direkt die Wurzelfüllung in die Wurzelkanäle gelegt werden (siehe Schritt 5).


5. Wurzelfüllung und bakteriendichter Verschluss

Die Wurzelfüllung verschließt das komplette Wurzelkanalsystem und verhindert somit das erneute Wachsen von Bakterien. Dafür muss die Füllung bis zur Wurzelspitze erfolgen und schön dicht und kompakt sein. Die Wurzelfüllung besteht aus einem Zement und einer Art Kautschuk, welches in den Kanälen verdichtet wird und alle Nischen ausfüllt. Anschließend wird der Zugang zu den Wurzelkanälen bakteriendicht verschlossen.


6. Gegebenenfalls Kronenversorgung

Dieser Schritt ist optional, aber häufig notwendig, um den Zahn langfristig zu stabilisieren und vor einer Fraktur zu schätzen. Da der Zahn keinen Nerv mehr hat, kann er (unbewusst) stärker belastet werden, da der Schutz-Reflex reduziert ist. Beißen Sie z. B. auf ein kleines Steinchen im Salat, springt Ihr Mund reflexartig wieder auf, den Zahn nicht zu verletzen.

Dieser Schutzmechanismus ist bei den wurzelkanalbehandelten Zähnen geringer ausgeprägt. Zusätzlich dazu musste Zahnsubstanz entfernt werden, um die Karies zu entfernen und an die Wurzelkanäle zu gelangen. Eine Krone bietet in diesen Fällen Schutz für den Zahn.


Einsatz des OP-Mikroskopes und der elektrometrischen Längenbestimmung

Eine Behandlung der Wurzelkanäle stellt den Behandler vor die Herausforderung, dass er oft nach Gefühl arbeiten muss. Insbesondere bei Zähnen, die weit hinten liegen (z. B. Backenzähne) kann man die Wurzelkanäle in der Tiefe mit bloßem Auge kaum noch erkennen.

Der Einsatz eines OP-Mikroskopes hat dabei zwei entscheidende Vorteile. Zum einen erlaubt es eine sehr hohe Vergrößerung (bis zu 20-fach) und zum anderen eine perfekte Beleuchtung. Damit ist es möglich, selbst kleinste Strukturen zu erkennen, wie z. B. weitere kleine Kanäle oder abgebrochene Wurzelkanal-Instrumente. Das erhöht die Chancen enorm, den Zahn erfolgreich zu behandeln.

Mit der elektrometrischen Längenmessung (Endometrie) kann während der Behandlung die Länge der Kanäle exakt abgemessen werden. Dabei wird eine kleine Spannung zwischen dem Wurzelkanal und der Wange des Patienten angelegt und so der elektrische Widerstand gemessen. Das ist völlig schmerzfrei für die Patienten.

Diese Messung ist so wichtig, da es darauf ankommt, die Behandlung bis exakt zur Wurzelspitze aber nicht darüber hinaus durchzuführen. Alternativ dazu kann ein Röntgenbild (Messaufnahme) angefertigt werden. Der Vorteile der Endometrie sind, dass man in vielen Fällen auf dieses Zwischen-Röntgenbild verzichten kann und damit eine deutlich genauere Messmethode hat.


Sollte der Zahn nicht mehr erhalten werden können, bilden Zahnimplantate eine hochwertige Form des Zahnersatzes. (© Alexandr Mitiuc - fotolia)
Welche Alternativen gibt es, falls sich herausstellt, dass der Zahn nicht erhaltungswürdig ist?

Lässt sich ein Zahn nicht erhalten (z. B. aufgrund einer Längsfraktur der Wurzel) und muss gezogen werden, kann diese Lücke auf verschiedene Weisen wieder geschlossen werden. Abhängig von der Größe der Entzündung muss diese jedoch zunächst im Knochen ausheilen. Nach dieser Ausheilzeit (in der Regel sechs bis acht Wochen) kann die Lücke versorgt werden.

Wir unterscheiden dabei festsitzenden von herausnehmbaren Zahnersatz mit den folgenden Vor- bzw. Nachteilen:

Herausnehmbarer Zahnersatz:

Vorteile:

  • bei einer Lücke schnell herzustellen
  • Nachbarzähne müssen in der Regel nicht beschliffen werden


Nachteile:

  • ästhetisch nicht immer optimal
  • herausnehmbar
  • der Knochen im Bereich der Lücke schwindet, da er nicht belastet wird


Festsitzender Zahnersatz:

1. Brückenversorgung

Hierfür werden die Zähne vor und hinter der Lücke beschliffen und mit jeweils einer Krone versorgt. Zwischen diesen beiden Kronen hängt ein Zahn als Brücke und schließt somit die Lücke.


Vorteile:

  • hohe Ästhetik (insbesondere bei Anwendung von Vollkeramik)
  • in der Regel innerhalb von zwei Behandlungssitzungen durchführbar


Nachteile:

  • Die Zähne vor und hinter der Lücke müssen für die Kronen beschliffen und somit Zahnsubstanz geopfert werden.
  • Muss einer dieser beiden Zähne gezogen werden, muss die komplette Brücke mit entfernt werden
  • Der Knochen im Bereich der Lücke schwindet, da er nicht belastet wird.


2. Implantatversorgung

Ein Implantat ist eine künstliche Zahnwurzel aus Titan oder Keramik, die in den Knochen der Lücke geschraubt wird. Die Krone kann anschließend auf dem Implantat befestigt werden.


Vorteile:

  • kein Beschleifen der beiden Zähne vor und hinter der Lücke
  • Der Knochen wird erhalten, da er durch das Implantat belastet wird.
  • hohe Ästhetik


Nachteile:

  • Das Implantat muss mindestens drei Monate in den Knochen einwachsen, bevor eine Krone aufgesetzt werden kann.
  • chirurgischer Eingriff notwendig
  • mehrere Sitzungen notwendig

Diese Formen der Prothetik sollen Ihnen nur einen ersten Überblick über die Möglichkeiten der Lückenversorgung geben. Die Liste der Möglichkeiten ist noch lange nicht vollständig. Neben diesen möglichen Verfahren, eine Zahnlücke zu schließen, gibt es noch viele weitere. Sie sind allerdings auf die jeweilige, individuell vorliegende Situation zu beurteilen und zu besprechen. Bei jedem Patienten gibt es weitere Möglichkeiten des Zahnersatzes oder Ausschlusskriterien für die eine oder andere Versorgung.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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