Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD): Symptome, Ursachen & Therapie

Dr. M.Sc. Boisserée

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© Halfpoint - fotoliaCMD löst Beschwerden aus, die man nicht immer in erster Linie auf den Kiefer zurückführen würde. (© Halfpoint - fotolia)Für eine Vielzahl von Beschwerden und Schmerzen kann eine Fehlstellung der Kiefer beziehungsweise eine Störung im Kausystem verantwortlich sein.

Von der sogenannten Craniomandibulären Dysfunktion (CMD, auch: "Kraniomandibuläre Dysfunktion") sind schätzungsweise fünf bis zehn Prozent der Gesamtbevölkerung betroffen.

Eine CMD wird bei Patienten häufig erst spät diagnostiziert, da zunächst nur die jeweiligen Einzelsymptome behandelt werden. 

Was ist eine Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)?

Die Bezeichnung leitet sich von den lateinischen Worten cranium (Schädel) und mandibula (Unterkiefer) ab. CMD ist eine Fehlfunktion des Kausystems, also der Kiefergelenke und der Stellung der Zähne in Ober- und Unterkiefer zueinander sowie der Kaumuskulatur.

Das menschliche Kausystem ist komplex aufgebaut.

Die Kiefergelenke und die Kaumuskulatur sind ständigen Beanspruchungen und Belastungen ausgesetzt, sei es beim Essen, beim Reden oder beim sprichwörtlichen Zähnezusammenbeißen in stressigen Situationen.

Eine Überbelastung oder Fehlbeanspruchung des Kausystems kann zu verschiedenen Beschwerden nicht nur im Mund- und Kieferraum führen. Betroffen sind auch der Kopf, die Ohren, der Nacken, der Rücken oder andere Körperpartien.


Mögliche Ursachen für CMD

Eine Craniomandibuläre Dysfunktion kann aus verschiedenen Ursachen hervorgehen. Meist liegen mehrere Auslöser vor. Zu den Hauptursachen gehört wiederkehrender oder andauernder Stress, der zu einem nächtlichen unbewussten Aufeinanderpressen der Kiefer führt.

Weitere mögliche Gründe für CMD können sein:

Ohne eine entsprechende Behandlung können sich dauerhafte Schäden an den Zähnen und Kiefergelenken entwickeln, die bis zur Arthrose reichen.


Begleitsymptome und Beschwerden bei CMD

Im Zusammenhang mit CMD treten häufig Zähneknirschen und hörbare Knackgeräusche im Kiefer auf. Das unbewusste Aufeinanderdrücken der Kiefer ruft bei vielen Betroffenen Kiefer-, Muskel- oder Kopfschmerzen hervor. Des Weiteren können die Zähne schmerzen und sich lockern und das Zahnfleisch kann auf Dauer zurückgehen. Einige Patienten berichten auch davon, dass sie den Mund nicht weit öffnen können. 

Die Auswirkungen von CMD beschränken sich nicht ausschließlich auf den Mundbereich. Eine Kieferfehlstellung kann auch die Sauerstoffversorgung des Ohres negativ beeinflussen, die zu Ohrgeräuschen, Tinnitus und Schwindelgefühlen führen kann. Auch das Sehvermögen kann durch eine Craniomandibuläre Dysfunktion beeinflusst werden.

Zu den Symptomen zählen

  • unscharfes Sehen
  • Flimmern
  • Lichtempfindlichkeit

Auf den Nacken-, Schulter- und Rückenbereich kann sich eine CMD ebenfalls auswirken. Hierbei leiden die Betroffenen häufig unter Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Zudem können Taubheitsgefühle in den Armen und Fingern auftreten. Die Verspannung des Kiefers und die Einschränkung des Kauapparates können auch das seelische Gleichgewicht stören.

Infolgedessen kommt es eventuell zu

  • Angst
  • innerer Unruhe
  • Schlafstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • depressiven Tendenzen

© Igor Mojzes - fotoliaDa Ursachen & Symptome vielseitig sein können, ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit sehr wichtig. (© Igor Mojzes - fotolia)


Wie wird CMD diagnostiziert?

Zahnärzte und Kieferorthopäden, aber auch Neurologen sowie HNO- und Augenärzte sind die richtigen Ansprechpartner für die Diagnose einer CMD. Wenn die Patienten über die entsprechenden Symptome klagen, sollten Sie bei der Untersuchung die Möglichkeit einer CMD berücksichtigen.

Ein umfassendes Anamnesegespräch ist der Ausgangspunkt der Diagnose. Anschließend untersucht der Zahnarzt den Kieferbereich. Er nutzt er dabei moderne bildgebende Verfahren.

In der Funktionsanalyse werden am Gipsmodell oder mithilfe computergestützter Verfahren Störungen im Kausystem untersucht. Da bei einer CMD verschiedene Symptome vorliegen können, ist bei der Behandlung eine interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachärzte und Fachgebiete sehr wichtig.


Therapie bei CMD: interdisziplinäre Okklusionskorrektur

Als Okklusion wird der Kontakt der Zähne des Ober- und Unterkiefers bezeichnet. Dabei wird die Funktion der Kiefergelenke durch die Stellung der Zähne in Ober- und Unterkiefer bestimmt. Beim Kauen treten erhebliche Kräfte auf. Denn die Kaumuskulatur zählt zu den stärksten Muskeln des Körpers.

Fehlstellungen der Zähne wirken über die Kiefergelenke auf den gesamten Kopf-, Nacken- und Wirbelsäulenbereich und lösen dort die beschriebenen Symptome aus. Daher ist die Okklusion oder die okklusale Korrektur ein zentraler Aspekt bei der Therapie einer Craniomandibulären Dysfunktion.

Ein wirksames Konzept zur okklusalen Korrektur stellt die Schienen-Therapie dar. Moderne Verfahren ermöglichen es heutzutage mithilfe eines Scans von Ober- und Unterkiefer, eine digital designte Schiene anzufertigen.

Zu den Vorteilen gehört, dass die Schiene ideal passt und präzise eingestellt werden kann. Beim Tragen reduziert die Schiene die Muskelanspannung und die daraus resultierenden Schmerzen im Kiefer-, Kopf- und Nackenbereich. 

Die Therapie kann durch ein interdisziplinäres Behandlungskonzept ergänzt werden, in dem Kieferorthopäden, Physiotherapeuten und Orthopäden gezielt zusammenarbeiten.

Im Anschluss an die Schienen-Therapie wird die neu eingestellte Okklusion in eine prothetische Versorgung übernommen und bleibt dauerhaft erhalten.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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