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Schick oder scheußlich? - Das Diastema

Herr Bärenklau

von
verfasst am

© Obencem© ObencemEigentlich ist sie ein "Unfall von Mutter Natur". Leider ist sie - so sagen jene, die sie scheußlich finden - vererbbar. Erst kürzlich erreichte uns eine Mitteilung: "Ich habe seit Geburt eine Lücke zwischen meinen oberen Schneidezähnen. Sie stört mich sehr und ist auch nicht schön." Und dennoch investieren manche Zeitgenossen viel Geld und Zeit, um sich nach umfangreicher zahnmedizinischer bzw. kieferorthopädischer Behandlung, mit ihr schmücken zu können. Denn mittlerweile betrachten sie nicht nur afrikanische Naturvölker, sondern auch Prominente wie Seal, Madonna oder Vanessa Paradis als "schick" oder "hip". Die Rede ist von einer kleinen, aber entscheidenden Lücke zumeist zwischen den oberen Schneidezähnen, die der Volksmund unter der Bezeichnung "Affenlücke" kennt, die der Zahnmediziner wissenschaftlich als "echtes Diastema" bezeichnet. Liegt die Lücke in der Mitte des Zahnbogens, spricht man vom Diastema mediale. Schätzungsweise einige Hunderttausend Deutsche weisen diese Zahnfehlstellung auf.

Entscheidend ist diese Lücke, weil sie für viele Betroffene ein Schönheitsfehler ist, unter dem sie leiden müssen - siehe obige Mitteilung. Der Makel kann ihnen, vor allem in repräsentativen Berufen mit vielen Kontakten, deutliche Nachteile bringen. Vor allem die vorderen Schneidezähne prägen beim Lächeln den Gesamteindruck einer Person; wenn nun eine Lücke dort klafft, wo sie nicht hingehört, wird dies schnell als unästhetisch empfunden.

Ein "Unfall von Mutter Natur" ist das echte Diastema, weil bei Primaten und Raubtieren, aber auch den Vorfahren des Homo sapiens jene Lücke dort klaffte, wo sie Sinn macht: beidseitig zwischen den vorderen Backenzähnen und Schneidezähnen. Denn so konnten sich die beiden unteren scharfen Reißzähne beim Schließen des Mauls bequem in den Zahnbogen einfügen. Der "ästhetische Vorteil" war seinerzeit, dass die Diastemen nur bei weitem Öffnen des Mauls sichtbar waren. Noch heute tragen die Affen die Diastemen an dieser an sich günstigen Stelle; wie es dazu kam, dass sich die "Affenlücke" evolutionstechnisch in den Bereich der vorderen Schneidezähne verschob, ist nicht eindeutig geklärt.

Das sogenannte echte Diastema kann alleine oder mit weiteren Merkmalen, wie etwa einem tiefen Ansatz des Lippenbändchens oder zu schmalen seitlichen Schneidezähnen vererbt werden. Hierin liegt aber auch ein Lösungsansatz vor allem bei zahnmedizinischen Problemen - Behinderung der Zahnhygiene beispielsweise - durch ein Diastema: Ratsam ist es, das Diastema bis zum Alter von spätens acht Jahren beseitigen zu lassen. Hierbei wird der Sitz des Lippenbändchens durch plastische Operation korrigiert. Nun erfolgen die operative Entfernung des Gewebes zwischen den Zähnen und anschließende kieferorthopädische Maßnahmen zur Verkleinerung des Zahnbogens. Ist das Gebiss erst einmal ausgewachsen, können nur ästhetische Maßnahmen wie z.B. feine Keramikhaftschalen (Veneers) dauerhaft Abhilfe schaffen, allerdings nur bei nicht zu großen Zahnabständen.

Als Variante tritt das unechte Diastema auf, das viele Ursachen haben kann. Bei Kindern ist der unterschiedliche Durchbruch der vorderen Schneidezähne hierfür verantwortlich - ratsam ist es, die vollständige Zahnentwicklung zunächst abzuwarten, ehe Maßnahmen ergriffen werden. Mit Durchbruch aller Zähne korrigiert sich ein kindliches Diastema oftmals von selbst. Möglich ist das unechte Diastema aber auch durch Verkümmerung eines (Schneide-) Zahns oder aber Zahnwanderung nach Entfernen oder Verlust eines Zahns. Auch in einem solchen Fall kann beispielsweise eine Verbreiterung der vorderen Schneidezähne mittels Komposit-Material oder aber durch Veneers erfolgen. Oftmals lässt man ein unechtes Diastema, sofern es nur wenig oder gar nicht sichtbar ist, unbehandelt. In diesem Fall sollte man bei der Zahnhygiene besonders sorgfältig vorgehen - beispielsweise Speisereste täglich mit Zahnseide entfernen. Denn derlei Lücken sind, vor allem wenn sie unbeachtet bleiben, häufiger Ansatzpunkt für Kariesbakterien.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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