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Revolution in der Zahnmedizin - Digitalisierung des Zahnarztbesuchs

Priv.-Doz. Dr. Harder

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© contrastwerkstatt - fotoliaDie Digitalisierung in der Zahnmedizin kommt einer Revolution gleich (© contrastwerkstatt - fotolia)Anspruchsvolle Zahnbehandlungen wie die Anfertigung einer Krone waren bislang nicht nur unangenehm, sondern auch zeitraubend. Vom Biss in die kalte Zahnabdruckmasse bis zum Einpassen des unschönen wie instabilen Provisoriums ist eine solche Prozedur fast jedem Erwachsenen leidlich bekannt. Doch immer mehr Praxen kommen inzwischen ohne diese aufwändigen Verfahren aus. Die Digitalisierung verdrängt und ergänzt auch hier klassische Methoden immer mehr.

Digitales Röntgen: Drumherum statt nur hindurch

Bereits seit 35 Jahren werden Möglichkeiten der Digitalisierung auch in der Zahnmedizin erforscht. Vor allem die letzten 15 Jahre haben dabei einen regelrechten Schub an Innovationen gebracht.

Das fängt bereits bei der Untersuchung an. Kein anderer Facharzt muss so häufig röntgen wie der Zahnmediziner. Denn das Gebiss unterliegt aufgrund der permanenten Beanspruchung einem ständigen Veränderungsprozess. Ob versteckte Karies oder Wurzelentzündung: Die Ursache vieler Beschwerden bliebe ohne regelmäßige Röntgenuntersuchungen viel zu lange unentdeckt. Zudem fühlte sich der Patient bei der Untersuchung und Festlegung der Therapie häufig unbefriedigend informiert. Oder haben Sie auf dem winzigen Röntgenbild immer das erkannt, was nach Aussage Ihres Zahnarztes zu erkennen ist?

Neue Verfahren wie das dreidimensionale Röntgen geben sowohl dem Arzt als auch Patienten realitätsnahe Eindrücke vom erkrankten Bereich. Die „Digitale Volumentomographie“ (DVT) liefert eine kontraststarke und vollständige Sicht der Gesichtsanatomie aus beinahe jedem Blickwinkel. Es deckt vor allem auch zusammenhängende Erkrankungen auf, die auf 2D-Bildern schon aufgrund des geringen Bildausschnittes bislang verborgen blieben. Bei der DVT werden in kaum mehr als 10 Sekunden bis zu 600 Einzelaufnahmen eines erkrankten Bereichs erstellt, die der Computer zu einem dreidimensionalen Bild zusammenfügt. Positiver Nebeneffekt: Die dafür benötigte Strahlendosis liegt um bis zu 80 Prozent unterhalb der der herkömmlichen 3D-Röntgentechnik (CT). Bewährt hat sich die DVT vor allem bei der Implantologie, da die Operationsstellen exakt vermessen, die Implantate sehr präzise gesetzt und der Wundbereich extrem klein gehalten werden können. Die digitale Volumentomographie ist allerdings eine Privatleistung, die in manchen Fällen durch eine private Zusatzversicherung abgedeckt ist.

Zahnersatz aus dem Drucker

Einen ähnlich großen Sprung hat es bei der Herstellung von Zahnersatz gegeben. Hier kommt dem Patienten eine Technik zugute, die vor 30 Jahren bereits die klassische Industrie revolutionierte: CAD/CAM (Computer Aided Design / Computer Aided Manufacturing). Mithilfe spezialisierter Design- und Fertigungsmaschinen können Zahnärzte individualisierte Ersatzzähne computergestützt herstellen. Dieses Verfahren beinhaltet zwei Komponenten: Der erste Teil ist die Leseeinheit (Scanner), um zu Beginn des Produktionsprozesses zu ermitteln, wie das Gebiss beschaffen ist und wie die Krone auszusehen hat. Das bildgebende Verfahren nennt sich „Intraoralscanner“ und ist eine digitale Laserkamera, die berührungslos in den Mund geführt wird, um dort eine dreidimensionale Aufnahme des Gebisses zu erstellen. Anders als beim erwähnten digitalen Röntgen (DVT) tastet der Scanner nur die äußere Form der Zähne ab. Der Zahnersatz wird anhand der Lücke vollautomatisch berechnet und kann dann angefertigt werden. Der zweite Teil ist eine Fräs- oder Druckeinheit (ähnlich einem 3D-Drucker). Hiermit wird der Zahnersatz entweder aus einem Keramikblock in der optimalen Kroneform heraus gefräst oder aus Metall-oder Keramikpulver gedruckt. 

Das computergestützte CAD/CAM-Verfahren ist ein Segen für Angstpatienten und Menschen mit einem hohen Würgereiz. Denn es entfallen einige bislang unvermeidbarer Arbeitsschritte: z.B. der ungeliebte Biss in die Abdruckmasse.  Fehlt noch das Einsetzen und Einschleifen der Krone oder des Implantats. Was bei umfangreichen Sanierungen bislang Wochen oder gar Monate dauerte, kann heute in sehr viel kürzerer Zeit erledigt werden. Die Zeitersparnis spricht also für das Verfahren. Aber auch die Kosten bleiben überschaubar. Die Zahnersatzprodukte aus vollständiger Oxidkeramik sind inzwischen nicht nur günstiger als Edelmetalllösungen. Sie sind auch stabiler als die üblichen Kronen, bei denen Metallgerüste mit Porzellan verblendet werden. Ohne diesen gewaltigen Fortschritt in der Werkstofftechnik wäre also auch die Anwendung der CAD/CAM-Technologie undenkbar.

Reine Handarbeit: Fehleranfällig und teuer

Rechnet man die vielen Positionen der klassischen Methode gegen das moderne CAD/CAM-Verfahren auf, kosten beide etwa gleich viel. Eine einzelne Krone liegt, je nach Aufwand, zwischen 700 und 1000 EUR. Zudem kam es früher trotz der mühevollen Handarbeit immer wieder zu ärgerlichen „Dimensionsverzügen“, also Ungenauigkeiten der Abformmasse, die sich auf die gesamte Passform der Krone auswirkten. Weitreichende Nachbehandlungen bis hin zur Neuanfertigung waren die unweigerliche Folge.

Natürlich können auch beim neuen Verfahren Messungenauigkeiten auftreten. Beispielsweise wenn ein Feuchtigkeitsfilm die Zahnoberfläche bedeckt. Diese Fehlerquelle räumt der Mediziner aber schnell aus, wenn er die Zahnoberfläche vor dem Scannen gründlich trocknet. Für eine einfache Zahnersatzbehandlung ist die Behandlung mit digitaler Unterstützung also durchaus empfehlenswert. Die Präzision der digitalen Techniken ist bereits vergleichbar mit denen konventioneller Techniken. Lediglich beim abscannen von großen zahnlosen Bereichen stößt das System derzeit an seine Grenzen. Aber auch diese Problemlösung ist nur eine Frage der - eher kurzen - Zeit.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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