Was macht eine erfolgreiche Wurzelkanalbehandlung aus?

Dr. Albers

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© Dr. Bernhard Albers © Dr. Bernhard Albers Eine Wurzelkanalbehandlung ist notwendig, wenn der Nerv im Zahn durch bakterielle Invasion erkrankt ist, ohne dass der Nerv von selbst gesund werden kann. Es ist dann erforderlich, das gesamte Nervgewebe einschließlich aller Bakterien aus dem Zahn zu entfernen.
In den letzten 20 Jahren wurde auf dem Gebiet der Wurzelkanalbehandlung viel geforscht. Das insbesondere deswegen, weil häufig Misserfolge zu sehen waren, für deren Ursache man keine Erklärung hatte. Heute weiß man sehr gut, was erforderlich ist, um einen nachhaltigen Erfolg zu erzielen:

  • Arbeiten mit Vergrößerungshilfen, bevorzugt mit dem Mikroskop.
  • Isolation des Zahnes, um effektive Spüllösungen verwenden zu können.
  • Das Auffinden und die gründliche Reinigung aller Kanalsysteme im Zahn.
  • Gründliches Spülen der Kanäle mit effizienten Spüllösungen.
  • Bakteriendichter Verschluss des Zahnes nach Abschluss der Wurzelfüllungen.
  • Rechtzeitige Überkronung des Zahnes zur Vermeidung von Zahnbrüchen.

Als Beispiel für ein Hauptproblem - nicht gefundene unbehandelte Kanäle - sei aufgeführt, dass der erste obere Backenzahn in über 90 Prozent der Fälle in der vorderen Wurzel einen zweiten - meistens sehr versteckten - Kanal hat. Dieser kann am sichersten per Mikroskop aufgesucht und behandelt werden. Ein unbehandelter Kanal mit belassenem Gewebe und Bakterien ist regelmäßig ein Hauptgrund für Misserfolg.

Das Foto zeigt den Blick in einen oberen Backenzahn bei einer Revision (erneute Behandlung eines Misserfolgs). Links ist der zusätzliche Kanal noch versteckt, rechts im Bild gefunden, freigelegt und gereinigt.

Jeder Zahn hat im Inneren ein einzigartiges Kanalsystem wie ein Fingerabdruck. Kanäle können sehr komplexe Formen und Abzweigungen haben. Deshalb ist es nach Erweiterung der einzelnen Kanäle wichtig, noch nicht instrumentierte Bereiche im Zahninneren gründlich zu spülen. Nur so gelingt auch in diesen Bereichen eine Reinigung und Desinfektion.

Ist das Zahninnere gründlich gereinigt, kann sich durch einen undichten Verschluss des Eingangs zu den Kanälen der Zahn sehr schnell wieder bakteriell infizieren. Deshalb ist es entscheidend, dass der Zahneingang bakteriendicht verschlossen wird.

Nach abgeschlossener Wurzelkanalbehandlung ist der Zahn in seiner Statik geschwächt. Es können leichter Brüche im Zahn entstehen. Eine rechtzeitige „Deckelung“ durch eine Krone verteilt die Kaukräfte gleichmäßig und verschafft dem Zahn eine bessere Prognose.

Abschließend:
Besonders bei strategisch wichtigen Zähnen, deren Erhalt unbedingt ratsam ist, sollte mit maximalem Aufwand behandelt werden, um eine möglichst gute Prognose zu erzielen.
Nach dem Misserfolg einer Erstbehandlung können heute Zähne sehr gut unter dem Mikroskop von Spezialisten mit statistisch sehr gutem Erfolg erneut behandelt werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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