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Das jameda-Interview: 9 Fragen an Frau Dr. med. dent. M.Sc. Fabienne Oberhansl

Dr. M.Sc. Oberhansl

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© OberhanslFrau Dr. Oberhansl praktiziert als Zahnärztin in Stuttgart. (© Oberhansl)Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Frau Dr. Fabienne Oberhansl interessante Fragen zu ihren Erfahrungen als Zahnärztin.

jameda: Frau Dr. Oberhansl, was hat Sie motiviert, Zahnärztin zu werden?

Frau Dr. Oberhansl: Ich wollte schon immer Medizin studieren, weil mich der menschliche Körper fasziniert. „Normale Chirurgen“ arbeiten aber meist in Kliniken und sehen die jeweiligen Patienten immer nur kurz bei der OP und danach häufig nie wieder. Daher war die Zahnheilkunde ein fantastischer Kompromiss. Denn ich konnte den Fach(zahn-)arzt für Chirurgie machen und trotzdem die Vorteile einer niedergelassenen Praxis und die damit verbundene Patientenbindung und ein stabiles Team um mich haben.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Frau Dr. Oberhansl: Besondere Freude macht es mir, wenn Patienten, nachdem sie einen Eingriff hinter sich haben, sagen, dass sie total erleichtert sind und es ihnen viel besser geht als sie gedacht hätten.

Große Herausforderungen sind Patienten, bei denen man aufgrund von nicht zu ändernden Umständen (z. B. Vorerkrankungen, hohes Alter, finanzielle Situation) nicht das machen kann, was eigentlich das Beste für sie wäre. Stattdessen muss man Kompromisse eingehen und versucht trotzdem, irgendwie das Beste daraus zu machen.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?

Frau Dr. Oberhansl: *lacht* Immer weniger. Vor zehn Jahren haben die Patienten öfters mal gefragt, wann denn „der richtige Arzt“ kommt. Aber das ist mittlerweile nicht mehr so – kommt wohl von den Falten, da wirkt man seriöser.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen? 

Frau Dr. Oberhansl: Nichts überstürzen! In unserem Bereich kann man die Zeit durch eine ordentliche Planung gut einteilen. Der Patient weiß vorher, was auf ihn zukommt und es gibt immer die Möglichkeit, nur in kleinen Schritten weiterzumachen.

Heutzutage sind die Eingriffe aber durch die mikrochirurgischen Verfahren auch nicht mehr so schlimm wie früher. Und wenn etwas länger dauert oder der Patient wegen schlechter Erfahrungen Bedenken hat, gibt es verschiedene Möglichkeiten, es sehr viel angenehmer zu gestalten, z. B. mit Sedierung, Lachgasbehandlung oder einer Vollnarkose.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?

Frau Dr. Oberhansl: Dann müsste man das Gespräch suchen, die Ursache klären und gemeinsam eine Lösung finden.

Eigentlich kommt das aber so gut wie nie vor. Wichtig ist es, dass der Patient vor der Behandlung versteht, warum wir etwas machen und dass wir das ja für den Patienten tun, damit es ihm gut geht. Und wenn man so an eine Therapie geht, dann macht der Patient ja so gut er kann mit, weil er es ja letztendlich für sich selbst macht.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?

Frau Dr. Oberhansl: Zu kompliziertes Thema, ich bin froh dass ich mich damit nicht beschäftigen muss. Ich befürchte, egal was man macht, es wäre nicht genug. Da anzufangen ist ein Fass ohne Boden.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Frau Dr. Oberhansl: Selbstkritisch zu sein und ihre eigenen Grenzen zu kennen.

Ich habe aber das Gefühl, dass das schon viel besser geworden ist, weil wir alle uns immer mehr spezialisieren. Die medizinische Welt ist so komplex geworden, dass kein Arzt alles können kann. Und wir (Ärzte) müssen uns damit abfinden und es zu etwas Gutem nutzen. Indem wir uns mit weniger (kleineren Fachgebieten) zufrieden geben, können wir dann in unserem speziellen Bereich herausragend sein.

© OberhanslDas Team der Praxis Frentz & Kollegen. (© Oberhansl)jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapien oder Geräte, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?

Frau Dr. Oberhansl: Ich kann mit Stolz sagen, dass unsere Praxis absolut auf dem neuesten Stand ist und wir uns ständig weiterentwickeln. Um bei den Therapien auf dem neuesten Stand zu bleiben, gehen wir alle mehrmals im Jahr auf Fortbildungen. Bei den Geräten fällt mir unser Röntgen ein, mit dem man sogar 3-D-Bilder in einem „low-dose“-Modus erstellen kann. Das bedeutet eine extrem geringe Röntgenbelastung. Wir haben auch einen Er:YAG-Laser und ein ZEISS-Mikroskop. Zudem die neuesten auf dem Markt vorhandenen Implantate, sogar asymmetrische, um Knochenabbau zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Ich könnte eine ganze Seite füllen, das ist jetzt nur eine kleine Auswahl.  

jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?

Frau Dr. Oberhansl: Etwa zwei Jahre nach dem Examen hat eine ältere Dame zu mir gesagt, ich hätte das ganz toll gemacht – genauso gut wie ein richtiger Doktor. Darüber muss ich heute noch lachen – und bin ein bisschen schockiert, dass sie sich von mir behandeln lies in dem Glauben, ich wäre gar kein Arzt.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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