Freiliegende Zahnhälse & Zahnhalsdefekte: Ursache & Therapie

Wenn freiliegende Zahnhälse nicht behandelt werden, können Sie ein Risiko für Karieserkrankungen bilden (© fotolia - Christoph Hähnel)

Freiliegende Zahnhälse steigern das Kariesrisiko. Mehr über Symptome, Ursachen und Therapien erfahren Sie in diesem Artikel. 

Welche Symptome und Ursachen haben freiliegende Zahnhälse?

Freiliegende Zahnhälse und Zahnhalsdefekte betreffen in den meisten Fällen die wangenseitig gelegenen, im Übergang zwischen Zahnkrone und Zahnwurzel befindlichen Bereiche des Zahnes unmittelbar über dem Zahnfleisch.

Bei freiliegenden Zahnhälsen werden ohne eigentlichen Zahnsubstanzverlust Wurzelbereiche des Zahnes entblößt, die sonst mit Zahnfleisch bedeckt sind. Der Grund dieser Entwicklung liegt meist in der täglichen Mundhygiene. Übt man mit der Zahnbürste zu viel Druck aus und schrubbt im Zahnhalsbereich minutenlang hin und her, wird das Zahnfleisch massiv gereizt und zieht sich zurück.

Liegen die Zahnhälse und damit das Zahnbein einmal frei und ändert sich die Zahnputztechnik nicht, bewirkt das zu starke Schrubben zusätzlich einen langsam, aber stetigen Verschleiß an Mineralien. Während der hoch mineralhaltige Zahnschmelz zu widerstandsfähig ist, wird das organischere Dentin nach und nach reduziert.

Nach aktuellem Forschungsstand ist nicht nur Substanzabtrag, sondern auch Zähneknirschen für Zahnhalsdefekte verantwortlich. Durch die massiven Kräfte insbesondere beim nächtlichen Zähneknirschen kommt es zu Biegekräften in den Zähnen, durch die die Zähne verspröden und absprengen.


Welche Folgen können entstehen?

Aufgrund der Zahnhalsfreilegung kommt es vermehrt zu Empfindlichkeiten auf Kälte-, Wärme- und Zuckereinwirkungen sowie mechanische Reize. Im Gegensatz zum Zahnschmelz ist das Zahnbein mit kleinen Nervenkanälchen durchzogen, die durch fortschreitenden Substanzabtrag frei gelegt werden.

Auch das Kariesrisiko ist aufgrund des geringeren Mineralanteils des Zahnbeins gesteigert. In extremen Fällen schwindet durch mechanischen Substanzabtrag und gegebenenfalls Karies die schützende Zahnschicht so weit, dass der Zahnnerv direkt in Mitleidenschaft gezogen wird. Dann wird eventuell eine Wurzelkanalbehandlung notwendig.


So werden Zahnhalsdefekte behandelt

Zunächst wird der Patient auf die schädliche Zahnputztechnik aufmerksam gemacht. Die linear schrubbenden Bewegungen werden in kreisende, unterbrochene, von Rot nach Weiß führende Bewegungen umgestellt. Des Weiteren werden die womöglich zu harte Zahnbürste und zu aggressive Zahnpasta gegen schonendere Produkte ausgetauscht.

Stellt der Zahnarzt darüber hinaus Zähneknirschen fest, sollte in jedem Fall eine Knirscherschiene angefertigt werden. Sie unterbindet den direkten Zahnkontakt von Ober- und Unterkiefer.

Ist bereits ein erheblicher Defekt entstanden, wird zusätzlich das verloren gegangene Material mit direkten Kunststofffüllungen oder vor allem im Frontzahnbereich mit indirekten Veneers ersetzt.
Die Restauration mit einer Füllung kann direkt in einer Sitzung erfolgen, wobei eine Veneerversorgung mindestens zwei Termine braucht.

Sie wird besonders dann eingesetzt, wenn mehrere Zähne betroffen sind, der Patient womöglich ohnehin eine kosmetische Korrektur anstrebt und ein harmonischer Frontzahnbereich erreicht werden soll. Mit dem höheren Anspruch hinsichtlich Stabilität, Langlebigkeit und Kosmetik einer Veneerversorgung steigen auch die Kosten.

Die gesetzliche Krankenkasse bezuschusst sowohl hochwertige Kunststofffüllungen als auch keramische Verblendungen. Aufgrund des größeren Aufwandes ist der Eigenanteil bei Veneers allerdings höher.


Fazit

Wie in vielen Bereichen der Medizin gilt auch hier: Prävention durch effektive Aufklärung während der Prophylaxesitzungen und Umsetzung in der häuslichen Routine bieten optimalen Schutz vor vermeidbaren Schäden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (2)

Sigrid T., 03.11.2019 - 13:02 Uhr

Ich habe vor ca, 14 Tagen Zahnschmerzen, da ich meine Amalgamplomben gegen Kunststoff Plomben ausgetauscht habe. Auch habe ich sehr Schmerz empfindliche Zähne. Bin schon ein mal in der Woche beim Zahnarzt. Bekomme Tabletten dagegen Dexibuprofen 400.Leider auch nur mit mäßigen Erfolg. Können sie mir weiterhelfen? Danke

Antwort von Dr. med. dent. Norbert Mannl, verfasst am 08.11.2019

Liebe Frau T., für Ihre Beschwerden kommen mehrere Ursachen in Frage. Zuerst muß man beim Ersatz von Füllungen aus Amalgam gegen Kunststoff bedenken, dass Kunststoffe keine vergleichbare mechanische Festigkeit haben wie ein Metallgemisch, also Amalgam. Besonders bei sehr großen Füllungen wird dann u.U. der Kaudruck auf das Zahninnere, also den Nerv, weitergeleitet. Eine weitere, häufige Ursache für Empfindlichkeiten ist die nicht vollkommene Lichthärtung einer Kunststofffüllung. Dies passiert, wenn zu große Portionen Kunststoff auf einmal eingebracht werden und dann nicht ausreichend langsam und lange mit hochenergetischen Lampen die jeweilige Portion ausgehärtet wird. Eine genauere Diagnose läßt sich naus der FErne und pauschal nicht stellen, aber vielleicht haben Sie jetzt schon mal einen Anhaltspunkt. Generell gilt: wenns schnell geht und alles umsonst ist, sollte man vorsichtig sein.

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