Habits im Mund-Rachenraum: Das sind die Folgen

Falsch angewöhnte Habits können einen großen Einfluss auf den Mund-Rachenraum haben. (© Jani Bryson - iStock)

Unter dem Begriff Habit versteht man schädigende Angewohnheiten vom Kind oder Erwachsenen. Gemeinsam haben alle Habits, dass sie Auswirkungen auf die Zahnstellung sowie auf die Entwicklung von Ober- und Unterkiefer und deren Lagebeziehung zueinander haben. Das Abgewöhnen von Habits ist einer der Schwerpunkte während einer Frühbehandlung, um so spätere kieferorthopädische Maßnahmen zu minimieren.

Werden Habits früh und rechtzeitig erkannt, können die Habits früh abgewöhnt werden, sodass sich die Auswirkungen zurückbilden. Reicht jedoch das Abgewöhnen nicht mehr aus, sollten die Auswirkungen mit frühen Behandlungsmaßnahmen behoben werden, um eine spätere komplizierte und aufwendige Therapie zu vermeiden.

Typische Habits sind das Daumenlutschen, das Nuckeln am Schnuller, Wangenbeißen und -saugen, Lippensaugen, -pressen und -beißen, gewohnheitsbedingte Mundatmung und Kauen an Fingernägeln, Stiften oder ähnliches.

Diese Folgen hat Daumenlutschen

Daumen - aber auch andere Finger - wirken, wenn man ständig an ihnen lutscht, wie ein kieferorthopädisches Gerät im Mund. Durch das Lutschen wird ständig Druck auf die Oberkieferschneidezähne ausgeübt, mit der Folge, dass diese nach vorne gedrückt und dadurch auch der Oberkiefer im gewissen Maße mit nach vorne gezogen wird. Gegensätzlich werden die Unterkieferschneidezähne durch den Daumen nach hinten gedrückt. Dies hat zur Folge, dass sich eine vergrößerte Frontzahnstufe bildet.

Das heißt, dass im Profil ein vergrößerter Abstand zwischen den Oberkiefer- und Unterkieferschneidezähnen vorherrscht. Zudem kann sich ein sogenannter „lutschoffener Biss“ entwickeln, bei dem die oberen und unteren Schneidezähne beim Zusammenbeißen keinen Kontakt mehr zu einander aufweisen.

Das Nuckeln am Schnuller hat ähnliche Wirkungen wie das Daumenlutschen.

So kann sich ein falsches Schluckmuster auswirken

Zu den Habits zählt auch ein falsches Schluckmuster. Kommt die Zunge beim Schlucken an die Schneidezähne anstatt des Gaumens, wirkt eine immer wiederkehrende Kraft auf die Schneidezähne, die diese nach vorne drückt.

Zusätzlich kann die Zunge verhindern, dass die Zähne Ihr gewünschtes Längenwachstum und Ihre Position erreichen. Deshalb ist ein falsches Schluckmuster auch häufig mit einem offenen Biss assoziiert.

Desweitern induziert die Zunge durch das Anlagern an den Gaumen deren Wachstum. Sinkt jedoch die Zunge herab, wie etwa bei der gewohnheitsbedingten Mundatmung, fehlt der formende Effekt der Zunge auf den Kiefer und es kommt so zu einem Schmalkiefer. Neben einem Schmalkiefer sind bei der Mundatmung auch das Kariesrisiko und die Gefahr von Zahnfleischentzündungen stark erhöht, sowie auch Erkrankungen des Mund-, Nasen- und Rachenraums.

Ansaugen oder Beißen der Wangen & Lippen

Durch Wangenbeißen oder -saugen können die Seitenzähne in ihrem Längenwachstum gehemmt werden und durch eine einseitig ausgerichtete Muskelbewegung kann es zu einer seitenungleichen Kieferentwicklung kommen.

Lippensaugen, -pressen und -beißen haben zur Folge, dass die oberen Schneidezähne durch die drückende Lippe nach hinten kippen. Wenn zusätzlich auch noch nicht alle Schneidezähne durchgebrochen sind, kann die Fehlstellung der schon vorhandenen Schneidezähne ein Durchbruchshindernis für die noch kommenden Schneidezähne bedeuten.

Fazit

Falls Sie diese Angewohnheiten bei ihrem Kind oder bei sich selber bemerken sollten, ist es sinnvoll, sich einem Kieferorthopäden vorzustellen, um die Situation im Mund im Auge zu behalten, damit die soeben geschilderten Folgen vermieden werden können. Zudem kann er Ihnen dann auch Tipps und Übungen zum Abgewöhnen solcher Habits geben.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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