Das jameda-Interview: 10 Fragen an Herrn Dr. med. dent. Michael Gomolka

Dr. Gomolka

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© Gomolka© GomolkaÄrzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. Gomolka interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Kieferorthopäde.

jameda: Herr Dr. Gomolka, was hat Sie motiviert, Kieferorthopäde zu werden?

Dr. Gomolka: Arzt zu werden, war schon als Kind mein Wunsch. Während des Zahnmedizin-Studiums habe ich dann gemerkt, dass der Fachbereich der Kieferorthopädie dazu noch mein handwerkliches Geschick fordert und mich reizt. Das Feinjustieren, die Genauigkeit und die Faszination, dass man schon bei der Planung weiß, wo man am Ende hin möchte, hat mir gefallen. Auch wenn es hieß, noch weitere vier Jahre die Schulbank zu drücken, habe ich diesen Schritt nie bereut.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Dr. Gomolka: Freude ist, zu sehen, wenn sich ein Patient traut, wieder ohne Scheu zu lächeln. Oder die Korrektur der Kieferfehlstellung bewirkt, ganz andere Bereiche wieder ins Lot zu bringen. Da kommt so viel Lebensfreude zum Vorschein. Das treibt mich und mein Team täglich an und ist der wertvollste Lohn.

Dabei liegt mir besonders die ganzheitliche Betrachtung der Patienten am Herzen. Das ist auch gleichzeitig die größte Herausforderung. Es gibt Patienten, die laufen mit einem Problem von einem Arzt zum anderen. Jeder schaut auf seinen Fachbereich und häufig fehlt die Zeit für eine ausführliche Betrachtung, die so wichtig und ausschlaggebend für den Erfolg sein kann.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?

Dr. Gomolka: Dass man keinen Retainer – ein dünner Draht, der auf der Zahninnenseite befestigt wird – benötigt und langfristig trotzdem sein Behandlungsergebnis konserviert. Leider ist dieser feine Draht keine Kassenleistung, sondern muss von den Patienten privat gezahlt werden. Viele unserer erwachsenen Patienten hatten bereits als Kind eine kieferorthopädische Behandlung (ohne Retainer), kommen dann einige Jahre später mit schiefen Zähnen zu uns und wir fangen noch einmal von vorne an.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen? 

Dr. Gomolka: Das ist in unserem Bereich zum Glück nicht so häufig, da die Patienten freiwillig zu uns kommen und meist nicht krank sind. So gibt es wenige unangenehme Situationen. Dennoch ist es unser Anliegen, optimal zu informieren und Ängste vorab zu nehmen. Wenn z.B. eine OP notwendig wäre, klären wir den Patienten umfassend auf. Wichtig ist, dass Alternativen aufgezeigt werden. Wir sprechen Empfehlungen aus und können aus der Erfahrung aufzeigen, was Eingriffe bei anderen Patienten bewirkt haben. Aber am Ende entscheidet immer der Patient.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?

Dr. Gomolka: Die eigene Motivation ist immer das Wichtigste. Manchmal kommen Eltern zu uns und hoffen, wir können ihre Kinder zum Mitmachen oder zu besserer Mundhygiene bewegen. Das ist natürlich nicht unsere Aufgabe, obwohl wir auch da mit Aufklärung über Putztechniken oder Informationen über bestimmte Ritualen z.B. beim Tragen der losen Zahnspange versuchen, die Behandlung in den Alltag zu integrieren. Fast alle Kinder wachsen über sich heraus, wenn sie sehen, wie einfach es ist mitzumachen und wie gut es tut, Lob und Anerkennung zu bekommen. Der Erfolg treibt an.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?

Dr. Gomolka: Prozesse und Abläufe so schlank und einheitlich wie möglich gestalten. Ja, das wäre ein ziemlich großes Ziel, das allen zu Gute kommt und Ressourcen spart. Bürokratie nimmt immer mehr Zeit in Anspruch und macht die Abläufe unübersichtlich. Es gibt da viele kleine Dinge, die gar nicht so schwer umzusetzen wären und einiges bewirken können.

Der Kostendruck ist enorm, daher schmerzt es zu sehen, wie Geld für unnötige Dinge verschwendet wird und dann an anderer Stelle eingespart werden muss. Wir haben eine sehr gute Versorgung, aber jeder sollte die Möglichkeit haben, das System zu verbessern und Vorschläge zu unterbreiten.

© GomolkaDer Empfangsbereich in der Praxis Dr. Gomolka (© Gomolka)jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Dr. Gomolka: Diese Frage kann ich eher aus meiner persönlichen Erfahrung und die meiner Familie beantworten. Potential gibt es da sicher im Terminmanagement. Klar kann es mal vorkommen, dass Unvorhergesehenes passiert. In diesem Fall sind längere Wartezeiten auch für mich als Patient total in Ordnung. Bei planbaren Terminen wünsche ich mir jedoch mehr Verständnis für den Wartenden. Ärzte aller Fachrichtungen sind in Stuttgart sehr gefragt und da liegt es wahrscheinlich an der enormen Anfrage, dass sowohl Terminvorläufe als auch Wartezeiten sehr lang sein können.

jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?

Dr. Gomolka: Wir möchten immer auf dem aktuellsten Stand der Technik sein und Verfahren nutzen, die sich etabliert haben. Dort stehe ich im ständigen Austausch mit Fachkollegen und bilde mich und mein Team fort. Die Digitalisierung und das Scannen sind im Moment wichtige Themen. Bei der Herstellung der Apparaturen ist es das Lasern. Dabei geht es darum Zeit und Rohstoffe zu sparen sowie die bestehenden Prozesse ständig zu überdenken. Das motiviert uns und sorgt dafür, dass wir uns technisch unterscheiden.

jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?

Dr. Gomolka: Unsere älteste Patientin, die mit 74 ins Teenageralter zurückversetzt wurde und eine Zahnspange bekommen hat. Erst etwas skeptisch und sehr anspruchsvoll, konnten wir durch das Resultat überzeugen und dazu beitragen, dass sie so richtig aufgeblüht ist.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Dr. Gomolka: Immer auf das (Bauch-)Gefühl und den gesunden Menschenverstand achten. Fragen stellen, wenn einem etwas komisch, unschlüssig oder unverhältnismäßig vorkommt. In unserer hektischen Zeit bleiben einige Sinne verborgen, beeinflussen uns aber trotzdem nachhaltig.

Zur Person

Ich bin in Bayern aufgewachsen und über Jena und das Sauerland in Stuttgart angekommen. Dieser Schmelztopf mit seinen lokalen Besonderheiten ist für mich und meine Familie Zuhause geworden.

Zur Praxis

Hier in Stuttgart Zuffenhausen konnten die Praxis und auch das Team sich langsam entwickeln und ausgebaut werden. Dabei ist mir Vereinbarkeit von Beruf und Familie sehr wichtig und ich möchte, dass sich jeder wohl fühlt.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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