Das jameda-Interview: 8 Fragen an Herrn Dr. Norbert Mannl

Dr. Mannl

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© Dr. MannlDr. Mannl ist Zahnarzt in München (© Dr. Mannl)Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. Norbert Mannl interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Zahnarzt.

jameda: Herr Dr. Mannl, was hat Sie motiviert, Zahnarzt zu werden?
Herr Dr. Mannl: Das war eine Erfahrung aus meiner Kindheit. Ich trug selbst fünf Jahre lang eine feste Spange, damals die neueste Technik aus Amerika – ich war bei jedem meiner Kieferorthopäden-Besuche von der lockeren, freundlichen und kollegialen Atmosphäre beeindruckt. Bei einem Schulfreund, dessen Vater Zahnarzt war, durfte ich dann schon früh einen Blick hinter die Kulissen werfen und fand das einfach toll.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Herr Dr. Mannl: In unserer Praxis decke ich mit meinen Kollegen Dr. Schäfer und Dr. Jurzik das gesamte Spektrum der Zahnmedizin ab. So macht es Freude, jedes noch so komplexe Problem, das ein Patient mitbringt, durch eine professionelle Bestandsaufnahme, individuelle Planung und letztlich dann die Behandlung vorhersagbar und nachhaltig zu lösen und den Patienten und seine Wünsche damit zufrieden stellen zu können. Eine große Herausforderung und gleichzeitig ein großer Vorteil des Berufes „Zahnarzt“ ist außerdem die enge Zusammenarbeit mit vielen Menschen und deren unterschiedlichen Charakteren. Um sowohl die Patienten als auch das Team „unter einen Hut“ zu bringen und glücklich zu machen, bedarf es vieler Arbeit und Geduld. Am Ende zahlt sich dies aber aus und man erhält die Möglichkeit, in einem Umfeld positiver Beziehungen zu arbeiten - eine unerlässliche Voraussetzung für ein erfüllendes Arbeitsleben, das auch nach jetzt 29 Berufsjahren noch viel Freude bereitet - eigentlich noch mehr als früher.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?
Herr Dr. Mannl: Regelmäßig begegnen wir Neupatienten, die durch frühere traumatische, schmerzbehaftete oder erfolglose Zahnarztbesuche vorbelastet sind. Diese Patienten rechnen mit einer Fortsetzung ihrer bisherigen Erfahrung und es bedarf mitunter mehrerer Sitzungen, bis sie erkennen, dass es sehr wohl auch anders, d.h., schmerz- und stressfrei und in einer vertrauensvollen Atmosphäre geht. Wenn solche Patienten sich dann schließlich mit den Worten „War ja gar nicht schlimm“ verabschieden, ist es uns gelungen, entsprechende Vorurteile aufzuräumen und so manch altes Trauma zu heilen.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen? 
Herr Dr. Mannl: Langwierige Behandlungen, wie z.B. die Therapie der Parodontitis, umfangreiche, implantatgetragene Versorgungen zahnloser Kiefer, Kieferorthopädie oder Schienentherapie zur Beseitigung von Fehlfunktionen erfordern von Anfang an eine Konditionierung und vor allem Mitarbeit des Patienten. Beginnen wir eine solche Behandlung, klären wir den Patienten initial realistisch über Behandlungsumfang und -dauer auf, sodass er sich auf die ihm bevorstehende Zeit einstellen kann. 

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?
Herr Dr. Mannl: Selbst wenn ich als zuständiger Behandler natürlich alles für eine erfolgreiche Therapie tue und mir viel an einem positiven Ausgang liegt, ist letzten Endes der Patient selber derjenige, der die Konsequenzen einer Nichtbeachtung meiner ärztlichen Verordnungen sowie meiner Ratschläge zu tragen hat. Wenn ich merke, dass ein Patient Therapiepläne nicht umsetzt, kläre ich über gesundheitliche Folgen und Konsequenzen auf und remotiviere ihn, um sein Bewusstsein für das medizinische Problem zu steigern.

© Dr. Mannl PraxisPraxisimpressionen (© Dr. Mannl Praxis)jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?
Herr Dr. Mannl: Ich würde vor allem die Vorbeugung gezielt fördern und der sprechenden Medizin wieder mehr Platz und vor allem Wertschätzung einräumen. Auch die Eigenverantwortung des Patienten muss wieder mehr in den Vordergrund rücken – nur so kann eine grundlegende Änderung beginnen.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?
Herr Dr. Mannl: Großes Potential sehe ich nach wie vor darin, dass Ärzte verschiedener Fachrichtungen zum Wohle des Patienten synergistisch zusammenarbeiten und sich intensiv über Fortschritte, neue Behandlungsmethoden und -alternativen informieren. Jeder Patient ist individuell, folglich wird es, selbst in ähnlichen Ausgangssituationen, unterschiedliche Therapieabläufe geben. Es ist sehr wichtig, sich viel Zeit zu nehmen und dem Patienten aufmerksam zuzuhören, um optimal auf seine Wünsche und Belange eingehen zu können.

jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?
Herr Dr. Mannl: Dank regelmäßiger Fortbildung auf internationaler Ebene sowie durch fachspezifische Literatur und Seminare bleiben wir immer auf dem neuesten Stand in sämtlichen Gebieten der Zahnmedizin. Aktuelle Neuerungen, die wir in unsere Praxis integriert haben, sind z.B. die Laseranwendung bei einer Vielzahl von Indikationen sowie die inzwischen routinemäßig angewandte 3D-Diagnostik in der Implantologie sowie eine Vielzahl von CAD/CAM und Scan-Techniken in der Zahntechnik. Aber auch Kleinigkeiten wie die neuesten Erkenntnisse in der Prophylaxe sind wichtig und kommen den Patienten zugute.

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