Das jameda-Interview: 10 Fragen an Herrn Christian H.W. Marklstorfer

Herr Marklstorfer

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© MarklstorferHerr Marklstorfer ist Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurg in München (© Marklstorfer)Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Marklstorfer interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Mund-Kiefer-Gesichtschirurg.

jameda: Herr Marklstorfer, was hat Sie motiviert, Mund-Kiefer-Gesichtschirurg zu werden?

Herr Marklstorfer: Als Bub hatte ich ziemlich konstant einmal jährlich mindestens einen kleinen Unfall und musste chirurgisch behandelt werden. Die Ärzte im Krankenhaus erklärten mir dann auf meine Fragen hin bereitwillig den medizinischen Hintergrund ihres Tuns. Trotz allen Schreckens habe ich die Behandlungen immer auch als hochinteressant erlebt und beschloss daher bereits als etwa Achtjähriger, eines Tages selbst Chirurg zu werden. Noch während meines Humanmedizinstudiums entdeckte ich meine besondere Neigung zu der hochspezialisierten chirurgischen Disziplin der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, in der ich später auch meinen ersten Facharzttitel erwarb.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen? 

Herr Marklstorfer: Besonders befriedigend ist es, nach längerer Odyssee eines Patienten endlich seine komplizierte Krankheit zu diagnostizieren und erfolgreich zu behandeln. Jeder Arzt muss sich Zeit für seine Patienten nehmen - besonders bei der Behandlung von Angstpatienten. Eine Herausforderung, denn das ausführliche Arztgespräch wird von den Krankenkassen noch immer unterbewertet und unterbezahlt und bleibt infolgedessen vielerorts auf der Strecke. In meiner Praxis ist es uns aber bisher immer ganz gut gelungen, diesen Spagat zu meistern.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?

Herr Marklstorfer: Es kommen immer wieder Patienten mit einer erfahrungsbedingten negativen Einstellung zu uns. Ein kieferchirurgischer oder zahnmedizinischer Eingriff muss nicht immer langwierig und schmerzhaft sein. Sicherlich sind viele Eingriffe in meinem Fachbereich kein Vergnügen, doch wir versuchen, den Aufenthalt bei uns so angenehm wie möglich zu gestalten und Schmerzen so gering wie möglich zu halten. Die meisten unserer Patienten sind deshalb tatsächlich immer wieder überrascht, deutlich weniger Schmerzen als befürchtet zu haben.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen? 

Herr Marklstorfer: Ich empfehle meinen Patienten, sich immer mehr auf das schöne Ergebnis zu konzentrieren und nicht auf den unangenehmen Augenblick. Im Nachhinein zaubert ein erster Blick in den Spiegel meist sofort ein Lächeln ins Gesicht und macht alle vergangenen Schwierigkeiten im Handumdrehen vergessen.

© MarklstorferDer Empfangsbereich der Praxis Marklstorfer (© Marklstorfer)jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?

Herr Marklstorfer: Zunächst einmal muss ein Therapieplan im Vorfeld immer ausgiebig mit dem Patienten besprochen werden. Erst wenn ein Patient mir vertraut, den Behandlungsplan in allen Punkten versteht und auch damit einverstanden ist, kann mit der Therapie begonnen werden. Dank dieser Vorbereitung geschieht es praktisch nie, dass ein Patient den Therapieplan nicht befolgt. Sollten trotz aller Vorsicht tatsächlich einmal Probleme auftreten, so greift unser Qualitätsmanagement und wir werden nach Kräften die Ursachen herausfinden.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?

Herr Marklstorfer: Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, in unserem Land gibt es vielerorts leider eine Zweiklassenmedizin. Und genau das würde ich sofort abschaffen. Jeder Patient hat prinzipiell einmal gleiche Rechte. Selbstverständlich müssen Kassenpatienten genauso prompt einen Termin bekommen wie Privatpatienten. Unterschiedlich lange Wartezeiten auf Behandlungstermine sind ganz einfach nicht hinnehmbar. So etwas werden Sie in unserer Praxis auch nicht erleben.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Herr Marklstorfer: Das Wort "Patient" leitet sich aus dem lateinischen "patiens" ab, was auf Deutsch so viel bedeutet wie "aushaltend, ertragend, geduldig". Allein die Wortkunde lässt bereits einen gewissen Leidensdruck vermuten. Ein Arzt sollte also nicht davon ausgehen, immer ausgeglichenen und freundlichen Patienten zu begegnen.

Jedoch sind auch Ärzte keine Übermenschen. Auch wir haben unsere Schwächen. Eine angemessene Portion Bescheidenheit und etwas weniger Arroganz stehen jedem Arzt gut zu Gesicht und ermöglichen eine erfolgreiche Begegnung auf Augenhöhe.

jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?

Herr Marklstorfer: Das moderne 3D-Röntgenverfahren, die Computertomografie (DVT), ist in unserer Praxis selbstverständlich. Die Summe der kleinen Dinge macht jedoch den Unterschied. Daher möchten wir Ihnen ebenfalls eine relativ neue Innovation zur Lokalanästhesie vorstellen. Dabei handelt es sich um ein computergesteuertes Injektionssystem aus den USA, genannt „The Wand“. Bei dieser digitalen Injektion wird der Gewebewiderstand kontinuierlich gemessen und das Betäubungsmittel ständig derart vorsichtig abgegeben, dass die Lokalanästhesie mit dem „Zauberstab“ (fast) völlig schmerzfrei ist.

jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?

Herr Marklstorfer: Blicke ich auf das weite Spektrum der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, so nimmt die Zahngesundheit zwar lediglich einen kleinen Teil ein. Sie hat jedoch für das Wohlbefinden der Betroffenen eine vergleichsweise überproportionale medizinische, emotionale und nicht zuletzt auch soziale Bedeutung. Häufig kamen zuvor stark eingeschränkte Patienten schon ein paar Tage nach der prothetischen Versorgung zur routinemäßigen Kontrolle und waren deutlich zufriedener, besser gekleidet und traten wesentlich weltoffener auf als zuvor. Das offenbart eine verbesserte Eigenwahrnehmung und ein zurückgekehrtes Selbstwertgefühl.

© Marklstorfer In der Praxis Marklstorfer kommen moderne 3D-Röntgenmethoden zum Einsatz (© Marklstorfer )jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Herr Marklstorfer: Gesundheit ist durch nichts zu ersetzen. Daher ist ihr Erhalt besonders wichtig. Ich empfehle jedem regelmäßige halbjährliche Untersuchungen und eine regelmäßige individuelle Prophylaxe. Patienten, die z.B. unter Parodontitis leiden, müssen vierteljährlich zur „Unterstützenden Parodotal-Therapie“ (UPT). Auch wenn Sie in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht haben mögen: Es macht keinen Sinn, den Kopf in den Sand zu stecken und ein Problem zu ignorieren. Bitte kommen Sie rechtzeitig, sodass wir gemeinsam einen Weg finden, um Schlimmeres verhindern zu können!

Zur Person

Herr Marklstorfer besitzt sowohl eine ärztliche als auch eine zahnärztliche Approbation, beide Kassenzulassungen und ist sowohl Facharzt für MKG-Chirurgie und Oralchirurgie. Nach 17 Jahren Aus- und Weiterbildung sowie langjähriger Berufserfahrung wurde er Chefarzt (Consultant) an den Royal Gloucestershire Hospitals in England und ließ sich schließlich 2012 in eigener Praxis in München-Haidhausen nieder.
 

Zur Praxis

Die Idee bei Gründung einer fachübergreifenden Praxis war es, ein transparentes, individuell zugeschnittenes und komplettes Behandlungskonzept aus einer Hand anzubieten. Patienten vermeiden so lästige Rundreisen zwischen verschiedenen Praxen und Spezialisten. Das erspart ihnen unangenehme Doppeluntersuchungen, Missverständnisse und überdies noch Zeit und Geld.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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