Im Dämmerschlaf trotz Zahnarztangst zu neuem Zahnersatz

Dr. Lehner

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©vectorass - fotoliaDer Dämmerschlaf ist eine schonende Alternative zur Vollnarkose (©vectorass - fotolia)Neue Zähne im Schlaf - davon träumen viele Menschen. Dabei gibt es für sehr viele Fälle eine Alternative zur Vollnarkose.

In welchen Fachgebieten wird der Dämmerschlaf angewendet?

Die Sedierung, wie der Dämmerschlaf genannt wird, ist bei deutschen Zahnärzten und Oral- oder Kieferchirurgen nur wenig verbreitet. Während die Sedierung in den USA seit Jahrzehnten einen festen Platz in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde hat, setzt sie sich bei uns eher langsam durch. Hinlänglich bekannt ist, dass in den Vereinigten Staaten Lachgas zur Anwendung kommt, wobei sich damit lediglich eine sogenannte „leichte Sedierung“ durchführen lässt.

Bei der stärkeren, sogenannten „moderaten Sedierung“ wird ein Medikament über einen venösen Zugang verabreicht. In den Praxen der deutschen Gastroenterologen ist dieses Verfahren weit verbreitet. So wird eine Magen- oder Darmspiegelung eher selten ohne Dämmerschlaf durchgeführt. Die Akzeptanz dieses Verfahrens ist in diesen Praxen geläufig und bei den Magen- oder Darmspiegelungen nicht wegzudenken.

Wie funktioniert der Dämmerschlaf?

Über die Vene wird in Etappen ein Medikament verabreicht, meistens Midazolam, bis der Dämmerschlaf tief genug ist. Die Atmung ist dabei nicht unterdrückt, im Gegensatz zur „tiefen Sedierung“ oder der Vollnarkose.

Bei der „moderaten Sedierung“ ist der Patient auch noch in der Lage, sich bei starken Reizen, wie z.B. bei Schmerzen, bemerkbar zu machen. Ansonsten findet die Schmerzausschaltung an sich bei der Zahnbehandlung oder der OP am Kiefer durch eine örtliche Betäubung statt, also mit einer Spritze.

Darf der Zahnarzt eine Sedierung durchführen?

Die moderate Sedierung ist ein Verfahren, das Ärzte oder Zahnärzte anwenden dürfen, ohne dass dabei ein Anästhesist hinzugezogen werden muss. So lautet eine aktuelle Empfehlung der Deutschen Gesellschaft der Anästhesisten.

Bedingung dafür ist, dass die Patienten keine Vorerkrankungen aufweisen, die für den Ablauf einer Sedierung ein Risiko bedeuten würden. Der Anwender der Sedierung muss die nötigen Überwachungsmaßnahmen treffen und über eine entsprechende Ausbildung verfügen.

© fotolia-JackFAuch bei Patienten mit Zahnarztangst zeigt sich der Dämmerschlaf sehr effektiv (© fotolia-JackF)Dämmerschlaf bei Zahnarztangst

In der Zahnmedizin oder auch der Kieferchirurgie hat die Sedierung eine besondere Bedeutung, da dort sehr häufig Ängste eine große Rolle spielen. Oft wird es erst durch den Dämmerschlaf möglich, eine Behandlung vorzunehmen. Nicht nur bei Angstpatienten, sondern auch bei ausgeprägtem Würgereiz kann eine Sedierung dabei helfen, die Therapie ohne Probleme durchzuführen.

Weiterhin kann in vielen Fällen eine Vollnarkose vermieden werden, z.B. bei größeren Eingriffen, etwa wenn mehrere Zahnimplantate gesetzt werden müssen oder dem umfangreichen Kieferaufbau. Die Sedierung erleichtert dem Zahnarzt, Oral- und Kieferchirurgen das Arbeiten am Patienten enorm. So lässt sich das Risiko für Zwischenfälle reduzieren, die durch erhöhten Stress der Patienten bedingt sind.

Was sind die Vorteile des Dämmerschlafs?

Bei längeren Operationen wird der Patient nicht unruhig. Um sich von einer Sedierung zu erholen, dauert es bei Weitem nicht so lange wie nach einer Allgemeinnarkose.

Es wird stets versucht, die Anzahl der Vollnarkosen, die grundsätzlich durch den Anästhesisten betreut werden, zu minimieren. Häufig bedarf es aber mehrere Sitzungen, um z.B. Zahnersatz anzufertigen oder eine Wurzelbehandlung durchzuführen. Dementsprechend ist der durchaus häufiger wiederholbare Dämmerschlaf viel besser für solche Behandlungsabläufe geeignet als eine Vollnarkose, wenn eine normale Behandlung in örtlicher Betäubung aus anderen Gründen nicht durchgeführt werden kann.

Für jeden Einzelfall muss entschieden werden, ob eine Behandlung beim Zahnarzt, Oral- oder Kieferchirurgen in örtlicher Betäubung oder zusätzlich in moderater Sedierung durchgeführt werden sollte. Bei entsprechenden Vorerkrankungen muss abgeklärt werden, ob ein Anästhesist hinzugezogen werden sollte.

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