Ist Parodontitis gefährlich? Auslöser, Symptome und Folgen

Dr. Wolf

von
verfasst am

© fotolia-108670438-Andrey PopovParodontose äußert sich beispielsweise durch Mundgeruch. (© fotolia-108670438-Andrey Popov)Eine Entzündung des Zahnhalteapparates (Parodontitis) wird oftmals unterschätzt. Bleibt die Parodontitis unbehandelt, so drohen Zahnverlust und in bestimmten Fällen auch Folgeschäden für den gesamten Organismus.

 

 

Symptome

Parodontitis - im Alltag oft Parodontose genannt - hat unterschiedliche Symptome. Die Entzündung des Zahnhalteapparates kann sich durch Mundgeruch, Zahnfleischbluten oder Empfindlichkeit der Zähne bemerkbar machen. Im Anfangsstadium kann sie sogar schmerzfrei verlaufen.

 

Folgen

Das Gewebe zieht sich zurück und es bilden sich Zahnfleischtaschen. Im schlimmsten Fall baut sich der Kieferknochen nach und nach ab. Bei einer fortgeschrittenen Parodontitis verliert selbst ein gesunder Zahn seinen Halt und fällt aus.


Auslöser einer Parodontitis

Die Entzündung wird durch Bakterien hervorgerufen, die das zahnumgebende Gewebe verändern. Ein zentraler Auslöser ist beispielsweise mangelnde Mundhygiene. Deshalb kann jeder Patient und jede Patientin sehr viel selbst dafür tun, um sein persönliches Risiko zu begrenzen.

Es ist besonders wichtig, schon von frühester Kindheit an die richtige Mundhygiene einzuüben und auch täglich anzuwenden. Der nachhaltige Behandlungserfolg einer Parodontitis hängt sehr von der konstruktiven und engagierten Mitarbeit der Patientin/des Patienten ab.

 

Zusammenhang von Plaque und Parodontitis

Die Mundflora beheimatet hunderte unterschiedlicher Bakterienarten. Lagern sich zu viele Bakterien am Zahnfleisch oder zwischen den Zähnen ab, verbinden sie sich zu einem bakteriellen Zahnbelag (sogenannte Plaque). Werden diese bakteriellen Beläge (Plaque) nicht durch die gründliche Reinigung einer Zahnbürste und durch die Anwendung von Zahnseide entfernt, bilden sie einen harten, höckerigen Belag (Zahnstein).

©fotolia-61596452-absolutimagesWird eine fortgeschrittene Parodontose nicht sofort behandelt, kann sie zum Knochenabbau führen. (©fotolia-61596452-absolutimages)Mit der Zeit kommt es zu Rötungen, Schwellungen sowie zur Blutungsneigung des Zahnfleisches. Unbehandelt kann diese Entzündung die Fasern, die die Zähne mit dem Kieferknochen verbinden, zerstören und im weiteren Verlauf zum Knochenabbau führen.

Ohne Fasern und Knochen beginnen sich die Zähne zu lockern. Manche Krankheiten; aber auch bestimmte Medikamente können den Verlauf einer
Parodontitis negativ beeinflussen. Und umgekehrt: Eine Parodontitis kann negative Folgen für den gesamten Organismus haben.

Die gründliche Aufnahme des allgemeinen Gesundheitszustandes (Anamnese) und die Analyse des Parodontalstatus stehen immer am Anfang jeder Behandlung.


Diagnostik einer Parodontitis

Die Parodontitis ist eine Erkrankung, die insbesondere im Anfangsstadium nicht
immer mit Schmerzen verbunden ist, weshalb sie oftmals über lange Zeit unbemerkt bleibt. Mit zunehmender Schwere der Erkrankung wird jedoch eine Behandlung problematischer.

So setzt die Zahnmedizin auf die Früherkennung einer Parodontitis. Die Behandlung beginnt mit der Analyse des Status der Mundschleimhaut und der Zähne sowie der Erhebung eines Parodontal Screening Index (PSI).

Der PSI ist eine einfache Methode, um den Zustand des Zahnfleischs zu bewerten. Er ermöglicht es, bereits frühe Formen von Zahnbetterkrankungen zu erfassen, um sie dann zielgerichtet zu behandeln.

Bei der Erhebung des Index untersucht der Zahnarzt/die Zahnärztin das Zahnfleisch in jedem einzelnen Bereich mittels einer kleinen zahnärztlichen Spezial-Sonde. Diese hat eine spezielle Längenmarkierung und ein Ende in Form einer winzigen Halbkugel.

Diese soll das Zahnfleisch nicht nur vor Verletzungen schützen, sondern
auch kleine Rauigkeiten aufspüren. Die Sonde wird vorsichtig am Zahn entlang in die Zahnfleischtasche eingeführt. Dies geschieht an zwei bis vier verschiedenen Stellen eines jeden Zahnes. An diesen Stellen wird ein Befund über die Sondierungstiefe, die Blutungsneigung des Zahnfleisches und die Rauigkeiten der Zahnoberfläche erstellt.

Dabei sind patientenbezogenen Faktoren ebenfalls von besonderer Bedeutung. Möglicherweise kann eine röntgenologische oder mikrobiologische Untersuchung zusätzlich erforderlich sein. Ausgehend von den individuellen Werten wird im Anschluss der Behandlungs-/bzw. Therapieplan erstellt.

Behandlung einer Parodontitis

© WavebreakMediaMicro - FotoliaEine professionelle Zahnreinigung bei Ihrem Zahnarzt kann das Risiko einer Parodontose verringern. (© WavebreakMediaMicro - Fotolia)Die Parodontalbehandlung erfolgt in mehreren Schritten: Am Anfang steht die
professionelle Zahnreinigung. Anschließend erfolgt die Säuberung der Zahnfleischtaschen unter lokaler Betäubung.

Den Abschluss bildet die gründliche Desinfektion: Zunächst werden Plaque und Zahnstein sowie harte Ablagerungen unterhalb der Zahnfleischgrenze entfernt. Die Wurzeloberflächen werden dabei nicht nur gereinigt, sondern auch geglättet.

Dies geschieht mit Scalern und Küretten (speziell geformten Handinstrumenten) sowie auch mit ultraschallbetriebenen Geräten. Spülungen mit antibakteriellen Mitteln können bei der Behandlung helfen, das Bakterienwachstum zu kontrollieren.

Ergänzend werden ggf. weitere Verfahren eingesetzt, wie z.B. das Pulverstrahlverfahren. Nach dieser ersten Behandlungsphase überprüft der Zahnarzt bzw. die Zahnärztin das Behandlungsergebnis. Falls sehr tiefe Zahnfleischtaschen von mehr als sechs Millimetern vorhanden sind, kann es ggf. erforderlich werden, die Taschen chirurgisch zu behandeln.

Unter Umständen ist es notwendig, die Behandlung durch die Anwendung von Antibiotika zu ergänzen.

Der zentrale Erfolgsfaktor für die Behandlung ist die Kommunikation und die
Kooperation zwischen dem Arzt/der Ärztin und dem/der Patient/in. Gemeinsam besprechen Sie den Behandlungsplan und vereinbaren Maßnahmen zur täglichen, gründlichen Mundhygiene zuhause. Denn diese sollen den Behandlungserfolg nachhaltig sichern.

Betroffene sind im Anschluss an eine Erstbehandlung gefordert, regelmäßig -
mindestens jedoch 1-2 Mal jährlich - den Parodontalstatus bei ihrem Zahnarzt oder ihrer Zahnärztin kontrollieren zu lassen. Ziel ist es, frühzeitig Gegenmaßnahmen einzuleiten und einen „Rückfall“ zu verhindern.


Genetische Disposition oder Lebensstil

© shironosov - iStockGesunde Zähne sind der Ausdruck einer gründlichen Mundhygiene. (© shironosov - iStock)Neueste Forschungen zeigen, dass die Gene bei der Entstehung einer Parodontitis eine Rolle spielen können.

Im fortgeschrittenen Alter ist die Wahrscheinlichkeit höher, an einer Parodontitis zu erkranken – überwiegend dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Doch die positive Nachricht ist:

Es ist nicht das Schicksal, das über die Entstehung einer Parodontitis entscheidet. Jeder Mensch kann vorbeugen, um das Risiko einer Parodontitis möglichst gering zu halten.
 

 

Im Einzelnen heißt das:

  • Konsequente tägliche Mundhygiene (Zähne, Zahnzwischenräume und Mund)
  • Professionelle Zahnreinigung (vom Zahnarzt, im Idealfall 1-2 Mal jährlich)
  • Regelmäßige zahnärztliche Vor- und Nachsorgeuntersuchungen
  • Gesunde Ernährung
  • Nicht Rauchen

Es gilt, nicht nur etwas für den Erhalt der Zähne und deren Gesundheit zu tun. Das Ganze hat auch einen rein ästhetischen Aspekt: schöne Zähne und gesundes Zahnfleisch sind Ausdruck von Vitalität und beeinflussen so unmittelbar die Attraktivität des Menschen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel?
6
Interessante Artikel zum Thema „Parodontose”

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Ihr Name(wird veröffentlicht)
Ihre E-Mail(wird nicht veröffentlicht)
Ihr Kommentar(wird veröffentlicht)
  

Inhaltssuche

Durchsuchen Sie sämtliche Artikel auf jameda. Wenn Sie auf der Suche nach Ärzten oder Heilberuflern sind, geht es hier zur Arztsuche

Passende Behandlungsgebiete und Lexikon-Inhalte

Über Krankheiten und Symptome informieren

Das jameda Lexikon