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Ist Parodontitis erblich?

Prof. Dr. Hahner, MSc.

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© DDRockstar - fotoliaParodontitis stellt keine klassische Erbkrankheit dar! (© DDRockstar - fotolia)Es gilt seit langem als gesichert, dass die Parodontitis eine Entzündungsreaktion auf die Bakterien darstellt, die sich in Belägen (heute Biofilm genannt) auf der Zahnoberfläche befinden. Im Verlauf der Entzündung kommt es zum Abbau des zahnumgebenden Gewebes, nämlich der Fasern (die den Zahn im Knochen halten), des Zahnfleischs und letztlich des Kieferknochens selbst. Aus der klinischen Erfahrung wissen wir aber auch, dass die Entzündungsreaktion nicht bei allen Patienten gleich abläuft. Es gibt Patienten, bei denen trotz zahlreich vorhandener Zahnbeläge nur eine geringe Entzündungsreaktion zu beobachten ist. Andererseits kennen wir Patienten, die nur sehr wenige oder fast keine Zahnbeläge aufweisen, aber an einer heftigen und rasch fortschreitenden Parodontitis leiden.

Welche Faktoren können eine Parodontitis beeinflussen?

Parodontitis ist immer eine Leistung unseres Immunsystems, die versucht, durch eine Entzündungsantwort das Eindringen der Krankheitserreger in das Körperinnere, also den Kiefer zu verhindern. Die einzelnen Vorgänge, die während der Immunantwort stattfinden, unterliegen einem komplizierten Regelungsmechanismus, der durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird.

Der bekannteste äußere Faktor ist das Rauchen, das zu einer Verschlechterung der Abwehrlage führt. Neben zahlreichen äußeren Faktoren ist auch nachgewiesen, dass unter anderem die Bildung von verschiedenen Botenstoffen, die den Ablauf einer Entzündung steuern, von Erbeinflüssen abhängig ist. So werden etwa verschiedene sogenannte Interleukine nicht bei allen Menschen in der gleichen Menge produziert und ausgeschüttet.

Die Folge hieraus kann ein unterschiedlich schnelles Fortschreiten der Entzündung sein. Weiterhin gibt es genetische Variationen in der Bildung von Enzymen, die eine Rolle für die Gewebezerstörung bei einer aktiven Entzündung oder für die Wundheilung spielen. Insgesamt handelt es sich bei der Suche nach erblichen Grundlagen der Parodontitis um ein sehr spannendes und sich rasch weiter entwickelndes Forschungsgebiet.

Als aktuellen Stand der Wissenschaft kann man zusammenfassen:

  • Parodontitis ist keine klassische Erbkrankheit, weil als Auslöser immer Krankheitserreger vorhanden sein müssen.
  • Der Schweregrad einer Parodontitis wird durch erbliche Faktoren mit beeinflusst.

Welche Konsequenzen ergeben sich hieraus für die Betreuung von Patienten mit Parodontitis?

Für die erfolgreiche Prävention und Behandlung der Parodontitis ist es enorm wichtig, dass für jeden Patienten ein individuelles Risikoprofil erstellt und regelmäßig aktualisiert wird.

Die Professionelle Zahnreinigung

© 80088733-fotoart-wallrafRauchen führt zu einer Verschlechterung der Abwehrkräfte - somit kann sich die Parodontitis leichter ausbreiten. (© 80088733-fotoart-wallraf)Das sollte bei der zahnärztlichen Untersuchung und besonders im Rahmen der sogenannten Professionellen Zahnreinigung geschehen.

Dazu werden Informationen aus dem bisherigen Krankheitsverlauf und aktuelle klinische Befunde zusammentragen und bewertet. Zur Aufbereitung und Veranschaulichung der Einzelheiten sind heute moderne Softwarelösungen verfügbar. Ergänzend ist es möglich, einzelne genetische Faktoren, die das Erkrankungsrisiko erhöhen, durch Labortests zu untersuchen.

Auf dieser Grundlage kann dann erst eine ebenso individuelle Betreuung erfolgen. Da nicht jeder das gleiche Risiko für die Entstehung oder das erneute Auftreten einer aktiven Parodontitis hat, können so zum Beispiel die Abstände für ein professionelles Entfernen der Zahnbeläge in der Praxis individuell angepasst und möglichst erfolgversprechende Behandlungsansätze gewählt werden.

Zur umfassenden Betreuung gehören natürlich auch Anregungen für eine optimale häusliche Mundpflege wie die Auswahl der optimalen Hilfsmittel und das Vermitteln der effektiven Anwendung.

Fazit

So kann auch Patienten geholfen werden, bei denen aufgrund der Reaktionsweise ihres Immunsystems eine heftigere Parodontitis auftritt. Für einen dauerhaften Erfolg ist gerade bei diesen Patienten die Betreuung in einer spezialisierten Praxis sinnvoll, die auf ausreichende Erfahrungen in der Parodontologie zurückgreifen kann.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


09.03.2017 - 16:51 Uhr

Mein Gebiss ist aber sehr gut beim Abbeißen von...

von Manfred W.

... einer Brotkruste. Es blutet nicht und ich lasse immer eine Zahnreinigung machen, wenn es nötig ist. Nicht alle Zähne haben tiefe Taschen, einige haben auch nur ca. 5 bis 7 mm. Meine Zähne fühlen sich trotzdem fest an.

Prof. Dr. Hahner, MSc.

Antwort vom Autor am 10.03.2017
Prof. Dr. med. dent. Peter Hahner, MSc.

Sehr geehrter Herr W., dann ist der Befund ja nicht ganz so dramatisch wie in Ihrem ersten Kommentar geschildert. Trotzdem entnehme ich Ihren Angaben, dass es sich wohl um eine schwere parodontale Erkrankung handelt, bei der eine regelmäßige Kontrolle der Befunde und eine auf Ihr Erkrankungsrisiko abgestimmte Erhaltungstherapie notwendig ist. Mit freundlichen Grüßen, Peter Hahner

08.03.2017 - 20:33 Uhr

Ich habe Parodontose sowie Zahnfleischtaschen, die...

von Manfred W.

... ca.7 bis 10 mm groß sind. Werde ich meine Zähne bald verlieren?

Prof. Dr. Hahner, MSc.

Antwort vom Autor am 09.03.2017
Prof. Dr. med. dent. Peter Hahner, MSc.

Sehr geehrter Herr W., die von Ihnen genannten Sondierungstiefen von 7-10 Millimetern deuten in der Tat auf eine schon weit fortgeschrittene parodontale Erkrankung hin. Dies muss aber nicht automatisch bedeuten, dass alle Zähne bereits hoffnungslos verloren wären. Ich empfehle Ihnen, sich möglichst bald zur eingehenden Untersuchung bei einem im Fachgebiet "Parodontologie" erfahrenen Behandler vorzustellen. Auf der Grundlage aktueller Informationen zu Ihrem Gebisszustand kann dort eine Einschätzung der Prognose der einzelnen Zähne erfolgen und eine entsprechende Therapie, hoffentlich zum Erhalt möglichst vieler Zähne, eingeleitet werden. Viel Erfolg dabei! Mit freundlichen Grüßen, Peter Hahner


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