Kieferorthopädische Frühbehandlung: Wann müssen Kinder erstmals zum Kieferorthopäden?

Je früher eine Zahnfehlstellung behandelt wird, desto besser. Aber ab welchem Alter ist dies sinnvoll? (© KFO Hamburg )

Der Kieferorthopäde kann Fehlstellungen der Zähne bei Kindern erkennen und behandeln. Häufig wird bereits eine Frühbehandlung empfohlen, bevor das Kind zur Schule kommt und während noch ein Milchgebiss hat. Eine solche kieferorthopädische Frühbehandlung ist ratsam, um Fehlstellungen frühzeitig zu behandeln und Langzeitfolgen zu vermeiden.

Empfohlen wird allgemein eine Kontrolluntersuchung mit 6, 9 und 12 Jahren, in Einzelfällen auch schon ab 3 Jahren, wenn der Zahnarzt einen Hinweis gibt.

Es gibt Indikatoren, die dafür sprechen, dass Eltern ihr Kind dem Kieferorthopäden schon vor dem ersten Schultag vorstellen sollten. Etwa bei Anzeichen von schweren Fehlbildungen des Kiefers wie beispielsweise einer angeborenen Kiefer-Gaumen-Spalte oder einem schief wachsenden Milchgebiss.

Die Erfolgsaussichten sind am besten, je früher eine Behandlung erfolgt. Der behandelnde Zahnarzt oder Kinderarzt kann diesbezüglich eine Empfehlung geben.

Ein Besuch beim Kieferorthopäden noch vor dem Schulalter ist auch bei verschiedenen Anzeichen sinnvoll, wie:

  • häufigem Daumenlutschen
  • Lispeln
  • fehlenden Zähnen
  • Zähneknirschen
  • erschwerter Atmung durch Mund oder Nase.

Wachstumsbedingte Fehlstellungen von Kiefer und Zähnen lassen sich bereits im Vorschulalter gut mit einer Zahnspange korrigieren, wenn das Kind kooperativ genug ist. Starke Behinderungen der Nahrungsaufnahme und des Sprechens können frühzeitig behandelt werden. Bei einer solchen Behandlung am Milchgebiss handelt es sich um eine kieferorthopädische Frühbehandlung.

Auch Kinder, die durch Karies oder Unfall Milchzähne verloren haben, sollten einem Kieferorthopäden vorgestellt werden – obwohl sie noch nicht zur Schule gehen. Denn die Milchzähne fehlen dann als Platzhalter für die bleibenden Zähne. Der Kieferorthopäde entscheidet über eine Behandlung und kontrolliert die Entwicklung des Kiefers.


Behandlung in der ersten Phase des Zahnwechsels

Bei den meisten Kindern beginnt die erste Phase des Zahnwechsels im Alter von fünf bis sechs Jahren. Beim Durchbruch der ersten bleibenden Zähne kann der Kieferorthopäde feststellen, ob eine Zahn- oder Kieferfehlstellung vorliegt.

Bereits in diesem Alter kann eine Behandlung mit einer festsitzenden oder losen Zahnspange erfolgen, die von den Kindern zumeist gut angenommen wird. Die Zahnspange wird in der Nacht und wenige Stunden am Tage getragen. Wird in diesem Alter eine kieferorthopädische Behandlung vorgenommen, kann sie mitunter schon nach ein bis zwei Jahren abgeschlossen sein.


Hauptbehandlung in der zweiten Zahnwechselphase

Bei den meisten Kindern tritt diese Phase im Alter von neun oder zehn Jahren ein. Da Zahn- und Kieferfehlstellungen in diesem Alter am häufigsten auftreten und sich noch nicht gefestigt haben, ist es sinnvoll, in diesem Alter einen Beratungstermin beim Kieferorthopäden zu vereinbaren. Der Kieferorthopäde entscheidet anhand verschiedener Faktoren, ob eine Behandlung erforderlich ist.

Unter anderem betrachtet er:

  • Stellung der Zähne,
  • Entwicklung von Ober- und Unterkiefer,
  • Bisslage als Zusammenspiel der beiden Kiefer sowie
  • Bissanomalien.

Bei Fehlstellungen von Zähnen oder Kiefer nimmt er weitere Untersuchungen, beispielsweise Röntgen, vor, um festzustellen, welche Zahnspange oder Apparatur sich für das Kind am besten eignet. Er informiert die Eltern über die geeignete Art der Behandlung sowie die Erfolgsaussichten.


Gründliche kieferorthopädische Untersuchung im zwölften Lebensjahr

Die Erfolgsaussichten einer kieferorthopädischen Behandlung sind am besten, wenn sich der Kiefer noch im Wachstum befindet. Fehlstellungen lassen sich dann in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum korrigieren. Wurden vorher keine Fehlstellungen oder Beschwerden festgestellt, kann eine gründliche kieferorthopädische Untersuchung des Kindes noch im zwölften Lebensjahr erfolgen.

In diesem Alter sind Korrekturen noch erfolgversprechend, doch kann eine Behandlung dann länger dauern. Die Milchzähne sind in diesem Alter in der Regel ausgefallen und haben Platz für die bleibenden Zähne gemacht.

Grundsätzlich sollten Eltern ihr Kind immer einem Kieferorthopäden vorstellen, wenn es Schwierigkeiten beim Sprechen oder Kauen hat.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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