Knochenaufbau am Unterkiefer: Ablauf, Dauer und Komplikationen

Damit das Implantat fest im Knochen sitzt, ist ein stabiles Knochenfundament eine wichtige Voraussetzung. (© Sven Bähren - fotolia)

Damit Zahnimplantate fest im Kiefer sitzen, ist ausreichend Kieferknochen notwendig. Ist der Kieferknochen jedoch bereits zurückgegangen, kann ein Knochenaufbau eine Zahnimplantation möglich machen. Wie der Knochenaufbau im Unterkiefer abläuft, wie lange die Behandlung dauert und welche Komplikationen auftreten können, erfahren Sie hier.

Knochenaufbau mit körpereigenem Knochen

Der Unterkiefer ist im Gegensatz zum Oberkiefer sehr hart und weniger stark durchblutet. Deshalb ist der Knochenaufbau im Unterkiefer meist mit mehr Aufwand verbunden. Um den Knochen wiederaufzubauen, kann Eigenknochen des Patienten verwendet werden. Er kann zusätzlich mit natürlichen oder künstlichen Ersatzmaterialien angereichert werden, damit sich die Knochensubstanz weniger schnell abbaut.

Bei der Knochenblock-Methode wird im Bereich hinter dem letzten Backenzahn im Unterkiefer ein Stück Eigenknochen entnommen. Dieses kann dann im Defektbereich mit Hilfe kleiner Titannägel oder Schrauben fixiert werden.

Bei kleinen Knochendefekten ist es hingegen meist ausreichend, zerkleinerten Knochen einzusetzen. Anschließend wird die Stelle mir einer künstlichen oder aus dem Patientenblut gewonnenen Membran bedeckt. Sie verhindert, dass Bindegewebe den Knochenaufbau behindern.

Fehlt sehr viel Knochenmaterial im Unterkiefer, kann es notwendig sein, Knochen im Bereich des Beckenkamms zu entnehmen. Dieser große Eingriff wird immer in Vollnarkose durchgeführt, wohingegen kleinere Entnahmen unter lokaler Betäubung möglich sind. Der eingesetzte Knochenblock muss im Anschluss mehrere Monate einheilen, bevor der Zahnarzt bzw. Kieferchirurg ein Zahnimplantat einsetzen kann.

Dauer eines Knochenaufbaus

Wie lange ein Knochenaufbau dauert und wann daraufhin Implantate eingesetzt werden können, hängt immer vom Ausgangsbefund ab. Der Eingriff dauert je nach Umfang des Knochenaufbaus zwischen 1-2 Stunden. Bis das Implantat schließlich eingesetzt werden kann, vergeht normalerweise einige Zeit.

Bei leichten Knochendefekten ist ein Aufbau mit gleichzeitiger Implantation möglich. In allen anderen Fällen muss sich der Patient 6-9 Monate gedulden. Dann ist der Knochen erfolgreich aufgebaut und so fest, dass er Implantaten guten Halt bietet.

Mögliche Komplikationen nach einem Knochenaufbau am Unterkiefer

Ein operativer Eingriff bringt immer ein gewisses Risiko mit sich. Hierzu zählen allgemein Wundheilungsstörungen und Infektionen. Bei der Implantation im Unterkiefer spielt der Verlauf des Unterkiefernervs eine entscheidende Rolle – so auch für den Knochenaufbau.

Eine 3D-Röntgenaufnahme kann dem Zahnarzt den genauen Verlauf dieses Nervs vorab zeigen, sodass eine Beschädigung – auch durch die spätere Implantation – möglichst verhindert wird. Außerdem kann man so das Ausmaß des Knochendefekts genauer einschätzen.  

Alternativen zum Knochenaufbau

Leider gibt es keine alternativen, weniger invasiven Behandlungen, um dem Knochen im Kiefer sein altes Volumen zurückzugeben. Allerdings ist mittlerweile eine Vielzahl an Implantatsystemen auf dem Markt, die auch bei wenig Knochenmaterial einen zufriedenstellenden Halt gewährleisten.

Sie als Patient können einen Knochenaufbau vor einer Implantation oft vermeiden, wenn Sie sich direkt nach dem Zahnverlust mit einem Zahnarzt oder Oralchirurgen in Verbindung setzen. Denn je mehr Zeit verstreicht, desto mehr Knochen baut sich ab.

Auf einen Blick

Indikation: Zahnverlust/Knochenverlust 
Behandlungsdauer 6-12 Monate
Schmerzen: möglich, jedoch mit Schmerzmitteln gut behandelbar
Anästhesie: lokal oder Vollnarkose
Krankenhausaufenthalt: abhängig vom Umfang 
Arbeitsunfähigkeit: eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wird nach Bedarf ausgestellt
Verhaltenstipps nach der Behandlung: Kühlen und Ruhe, Sport nach 1-3 Wochen, kein Nikotin oder Alkohol
Risiken: Wundheilungsstörung, Infektion, Reizung oder Beschädigung des Unterkiefernervs
Nachsorge: im Rahmen der vereinbarten Kontrolltermine
Wirksamkeit der Ergebnisse (Dauer): nach 9-12 Monaten ist der transplantierte Knochen ausreichend eingeheilt
Langzeitwirkungen: ausreichendes knöchernes Lager für Implantation
Folgen bei ausbleibender Behandlung: weiterer Knochenrückgang, bestehende Zahnlücke ohne Implantatversorgung
Behandlungsalternativen: Brückenversorgung
Kostendeckung der Krankenkasse: keine Übernahme des Knochenaufbaus

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (7)

Bubu, 06.02.2022 - 01:57 Uhr

Hallo Herr Doktor, eine Bekannte hat Paradontitis, glaube schon etwas fortgeschritten. Eigentlich wollte sie sich Implantate setzen lassen, allerdings wurde ihr gesagt, dass selbst nach einem Knochenaufbau die Implantate abfallen würden? Ist das so korrekt? Kann man da sonst nichts machen? Vielen Dank

Jutta K., 22.08.2021 - 00:42 Uhr

Mir steht eine Kieferknochentransplantation des rechten Unterkiefers bevor, aufgrund einer Kieferradionekrose. Ich habe aber seit Monaten keine Beschwerden und die Wundöffnungen nach zwei Zahnextraktionen beginnen sich zu schließen, bis auf eine winzige Stelle, an der der Knochen sichtbar ist. Darum habe ich beschlossen, die OP abzulehnen. Kann die Entscheidung richtig sein?

Antwort von Prof. Dr. med. dent. Christian Mehl, verfasst am 25.01.2022

Hallo Jutta, aus der Ferne ist das schwer zu beurteilen. Grundsätzlich sollte Ihre Entscheidung auch davon abhängen, wie es mit der entstandenen Zahnlücke weitergehen soll. Denn wenig Kieferknochen macht eine Versorgung etwa mit festsitzendem Zahnersatz schwierig. Gleichzeitig sollte die Zahnlücke jedoch versorgt werden, um eine langfristige Fehlbelastung des Kiefergelenks zu vermeiden. Die Größe der Nekrose und Ihre Wünsche bezüglich des Zahnersatzes sollten Sie hier bei der Entscheidung leiten. Viele Grüße, Dr. Christian Mehl

Weßeling I., 06.05.2021 - 11:10 Uhr

Hallo, bei mir wurde am 21.01.21 ein Knochenaufbau bds. mit gleichzeitigem Einsetzen der Implantate gemacht, wobei rechts der Knochen schon sehr weich war (Äußerung meines Zahnarztes) Jetzt habe ich vor 14 Tagen einen Hörsturz rechts gehabt (bin Rentnerin, also überhaupt kein Stress) und die Backe vor allem rechts ist mal mehr mal weniger geschwollen. Mein Zahnarzt hat daraufhin eine Röntgen Aufnahme gemacht und keine Auffälligkeiten erkannt. Heute ist die Schwellung wieder so, dass ich darauf nicht liegen konnte mit leichtem Kopfschmerz. Ist das normal und gehört zur Einheilung??? Kann mit der Röntgen Aufnahme nichts übersehen werden??? Über eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar. Mit freundlichen Grüßen I. Weßeling

Antwort von Prof. Dr. med. dent. Christian Mehl, verfasst am 25.01.2022

Sehr geehrte Frau Weßeling, Schwellungen nach dem Einsetzen der Implantate sind normal. Nun liegt bei Ihnen zwischen dem Einsetzen und den jetzigen Beschwerden 4 Monate. Man geht davon aus, dass Implantate bis zu 6 Wochen benötigen, um fest einzuheilen. Treten die Schwellungen erst seit dem Hörsturz auf, sind möglicherweise die Implantate selbst nicht das Problem, zumal Ihr Zahnarzt die Implantate überprüft hat. Manchmal geht ein Hörsturz mit Schwellungen einher – wenden Sie sich zur Abklärung darum an Ihre Hausärztin oder den HNO-Arzt. Auch die Zweitmeinung eines anderen Zahnarztes kann hilfreich sein. Beste Grüße und alles Gute, Dr. Christian Mehl

Volker S., 29.07.2020 - 07:21 Uhr

Guten Tag, meiner Mutter (90 Jahre) wurde empfohlen, da ihre Prothese im Unterkiefer etwas locker sitzt und nicht „besser eingepasst werden kann“, diese durch ein Implantat /Implantate (?) ersetzen zu lassen. Soll sie sich darauf einlassen? Danke für eine Rückantwort

Antwort von Prof. Dr. med. dent. Christian Mehl, verfasst am 25.01.2022

Hallo Volker, nun kommt meine Antwort sehr spät. Ich hoffe, ich kann an dieser Stelle noch helfen. Grundsätzlich sollte Ihre Mutter nicht an Lebensqualität einbüßen müssen, weil der Zahnersatz locker sitzt. Eine Alternative zu vielen einzelnen Implantaten können hier Mini-Implantate sein. Dies gilt vor allem dann, wenn es sich um eine Vollprothese handelt. In den meisten Fällen ist eine Umarbeitung der bestehenden Prothese problemlos möglich und der Sitz ist sehr viel komfortabler. Melden Sie sich bei Rückfragen gerne. Ihr Dr. Christian Mehl

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