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Zahnimplantate bei Osteoporose - geht das?

Dr. Wilde

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© contrastwerkstatt - FotoliaOsteoporose Patienten müssen dank Zahnimplantaten nicht auf ein schönes Lächeln verzichten. (© contrastwerkstatt - Fotolia)Dies hängt von dem Schweregrad der Osteoporose und von der ärztlich verordneten Therapie ab. Durch die Krankheit Osteoporose werden die äußeren, harten Knochenschichten von allen Knochen dünner. Zusätzlich verkleinern und verringern sich auch die inneren Knochenbälkchen. Diese sind aber für die Statik und Tragfähigkeit der Knochen besonders wichtig. Als Folge entstehen mehr und größere Knochenmarkräume und die harte Knochensubstanz nimmt insgesamt ab. Diese Veränderung der mineralischen Phase ist auch im Kieferknochen nachweisbar, verläuft dort aber deutlich langsamer und insgesamt geringer als in allen anderen Knochen des Körpers.

Wie verläuft die Behandlung?

Um den Schweregrad einer Osteoporose festzustellen, wird in der Regel eine sogenannte Osteodensitometrie, kurz DEXA genannt, an den Armknochen durchgeführt. Dieser DEXA-Wert erlaubt aber nur sehr unsichere Rückschlüsse auf den Zustand des Kieferknochens.
Ist eine Implantation geplant, sollte im Vorfeld ein dreidimensionaler Röntgen-Scan gemacht werden. Mit einer speziellen Software ist es dann sehr einfach den mineralischen Gehalt des Kieferknochens zu messen und auszuwerten.
Wurde nur ein geringer oder mittlerer Schweregrad der Osteoporose festgestellt, stehen einem erfahrenen Implantologen drei verschiedene Operationsverfahren zur Verfügung, um die Dichte des Knochens, um das einzusetzende Implantat, schonend zu erhöhen.

Untermaßige Aufbereitung

Bei der implantologischen Aufbereitung des Kieferknochens wird zunächst vorsichtig eine exakte Längenbohrung, entsprechend der geplanten Implantatlänge, durchgeführt. Die Erweiterung des Bohrkanals wird aber nicht bis zum passenden Implantatdurchmesser ausgearbeitet, sondern bewusst zu klein belassen. Das anschließend in das zu kleine Bohrloch eingedrehte Implantat arbeitet wie eine selbstschneidende Schraube und verdrängt den überschüssigen Knochen nach außen, wodurch sich die Knochendichte um das Implantat gleichmäßig erhöht.

© Robert Kneschke - FotoliaMit Hilfe eines Knochenersatzmaterials sind Zahnimplantate auch bei Osteoropose möglich. (© Robert Kneschke - Fotolia)Verdrängen durch Osteotome

Vorbereitend wird hier nur ein kleines Loch in der maximalen Implantatlänge gebohrt. Mit leicht konischen Instrumenten, die eine gerundete Spitze haben, wird der Knochen durch Einklopfen der Instrumente in den Bohrkanal nach außen verdrängt. Durch die Verwendung aufsteigender Instrumentendurchmesser entsteht ein zum Implantatdurchmesser exakt passender Implantatstollen im Knochen. Hierbei wird aber keine Knochensubstanz herausgenommen, sondern nur zirkulär nach außen verdrängt. Vergleichbar ist dieser Vorgang mit dem Eindrücken eines Kugelschreibers in einen Hartschaumblock. Zieht man nach dem Einbringen den Stift aus dem Schaumblock wieder heraus, verbleibt ein Loch, ohne das Material entfernt wurde. Es wurde in die Umgebung des Kanals verdrängt und somit die relative Dichte erhöht.

Anreichern mit KEM

In die innere Wandung des Bohrkanals kann ein mineralisches Knochenersatzmaterial eingebracht und mit dem Eindrehen des Implantates nach außen verdrängt werden. Es gibt hierfür verschiedene spezielle, z.B. pastöse Materialien die sogar selbständig erhärten. Auch stehen, je nach Hersteller, unterschiedliche Zusammensetzungen, Partikelformen und Größen zur Verfügung. Seit Jahren werden zur medikamentösen Therapie der Osteoporose sogenannte Bisphosphonate von Orthopäden oder Allgemeinärzten verschrieben. Durch dieses Medikament wird ein übermäßiger Knochenabbau im gesamten Körper verhindert. Leider führen Bisphosphonate aber auch zu einer Reduzierung der Knochenregeneration, welche nach kieferchirurgischen Eingriffen zu massiven Wundheilungsstörungen, mit z.T. drastischen Folgen führen kann. Bei abgeschlossener Bisphosphonat-Therapie entschiedet die Dauer der Einnahme die Dosis und, ob das Medikament als Tablette oder intravenös verabreicht wurde bzw. ob überhaupt implantiert werden kann

Fazit

Die Stoffwechselkrankheit Osteoporose ist in der gering- oder mittelgradigen Ausprägung grundsätzlich keine Kontraindikation zur Zahnimplantation. Sie gehört aber in die Hände eines erfahrenen Implantologen. Sehr wichtig ist auch, ob als Therapie einer Osteoporose der Wirkstoff Bisphosphonat eingesetzt wurde, weil sich aus der Therapie mit Bisphosphonaten eine absolute Kontraindikation zur Zahnimplantation ergeben könnte.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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