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Parodontitis erkennen: Die Behandlung beim Zahnarzt und Vorbeugung

Dr. Ludwig

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© bilderzwerg - fotoliaWann entwickelt sich eine Zahnfleischentzündung zu einer Parodontitis? (© bilderzwerg - fotolia)Die Parodontitis ist eine von Bakterien verursachte entzündliche Erkrankung des Zahnbettes, das vom Zahnfleisch an der Oberfläche bis in den Kieferknochen reicht. Oft fällt hierfür synonym der Begriff Parodontose, der allerdings genau genommen ein zunächst eher ästhetisches Problem durch nicht-entzündlichen Zahnfleischrückgang beschreibt.

Durch die freiliegenden Zahnhälse können hier aber Zahnerkrankungen wie Karies entstehen. Da Zahnfleischrückgang genauso zu den Merkmalen einer Parodontitis zählt, erschwert sich eine Unterscheidung auf den ersten Blick. Erst weitere Merkmale kennzeichnen dann klarer eine Parodontitis.

Parodontitis selbst erkennen

Auch zwischen den üblichen Kontrollterminen beim Zahnarzt ist es sinnvoll, nach Parodontitis-Zeichen Ausschau zu halten. Am Anfang des Krankheitsverlaufes steht eine Gingivitis, eine Zahnfleischentzündung. Die macht sich besonders durch Zahnfleischbluten bemerkbar und das normalerweise rosa gefärbte Zahnfleisch erscheint nun stark gerötet. Zusätzlich schwillt es oft an oder weicht sogar auf. Aufkommender Mundgeruch kann von einer Gingivitis herrühren.

Ursache ist immer Bakterienbefall auf Zahnbelägen am Übergang zwischen Zahn und Zahnfleisch – begünstigt zumeist durch unzureichende Mundhygiene. Die aggressiven Stoffwechselprodukte der Bakterien alarmieren das Immunsystem. Es versucht, die Bakterien zu bekämpfen, löst mit dieser Abwehrreaktion aber schließlich die Zahnfleischentzündung und ein Zurückweichen des Gewebes aus.

Breitet sich die Entzündung jetzt über den Zahnhals in das Zahnbett aus, beginnt die Parodontitis. Die ersten Symptome unterscheiden sich kaum von denen der Gingivitis: Zahnfleischbluten, Rötungen und Schwellungen. Bald kommen aber noch freiliegende Zahnhälse, vermehrte Schmerzempfindlichkeit oder Eiterbildung bis zu Abszessen dazu. Im weiteren Verlauf lockern sich die Zähne und es droht Zahnverlust. Und die Bakterien machen dann noch nicht Halt. Unbehandelt greifen sie zusätzlich den Kieferknochen an oder gelangen sogar in die Blutbahn, wo sie weitere Erkrankungen begünstigen können.


Behandlung bei Parodontitis

Schon bei ersten Anzeichen – Rötungen oder Blutungen – sollte schnell ein Zahnarztbesuch folgen. Denn je früher Parodontitis oder Gingivitis behandelt werden, desto besser stehen die Chancen auf eine schnelle, erfolgreiche, vollständige Heilung. 

Jede Parodontitis-Behandlung beginnt mit einer professionellen Reinigung der Zähne und Zahnzwischenräume von hartnäckigen Belägen (Plaque). Anschließend erhalten die Zähne Politur und Fluoridierung zu ihrem Schutz. Danach schließt sich die eigentliche Parodontitis-Behandlung an – in einem frühen Stadium der Erkrankung als geschlossene Variante.

Dabei werden die Zahnfleischtaschen gereinigt. Solche Taschen entstehen als Begleiterscheinung einer Parodontitis, wenn sich das Zahnfleisch im Bereich einiger Zehntelmillimeter langsam von der Zahnoberfläche löst. Schnell gelangen dann Bakterien in diesen Spalt. 

Sie sammeln sich dort auf einem Biofilm, der jetzt entfernt wird. Dazu nutzen Behandler Handinstrumente (Küretten), aber häufig auch Ultraschall und vermehrt Laser. Diese neueren Mittel in der Parodontitis-Therapie erlauben schonendere Behandlungen und sorgen mit einer hohen bakteriziden Wirkung für verbesserte Reinigungsergebnisse. Eine früh erkannte Parodontitis findet hier in aller Regel ihr Ende. Ungefähr 3-6 Monate danach muss eine Kontrolle aber erst den Erfolg bestätigen.

Bei fortgeschrittener Parodontitis

Bei einer fortgeschrittenen Parodontitis erreicht diese Methode nicht mehr alle Bakterien. Denn dann haben sie sich entlang der Zahnwurzel bereits tiefer in das Zahnbett ausgebreitet. Nun wird eine offene Parodontitis-Behandlung unter lokaler Betäubung notwendig. Dazu öffnen Behandler das Zahnfleisch. Ihr Ziel ist es, auch den Wurzelbereich reinigen zu können oder dort krankes Gewebe zu entfernen. Anschließend verschließen sie es wieder.

© shironosov - iStockEine früh erkannte Parodontits kann in der Regel gut behandelt werden. (© shironosov - iStock)Hier oder bei hartnäckig wiederkehrenden Parodontitis-Entzündungen kommt außerdem eine ergänzende Antibiotika-Therapie in Betracht. Alle diese Parodontitis-Behandlungen werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen. Mit zwei Ausnahmen: Die Professionelle Zahnreinigung – selbst als vorbereitende Maßnahme – ist häufig keine Kassenleistung oder wird nur bezuschusst. Und Kosten für neuartige Laserverfahren übernehmen die Kassen generell noch nicht. Sie müssen voll privat bezahlt werden. Aber soweit muss es nicht kommen, denn Patienten können selbst viel dafür tun, um eine Parodontitis zu verhindern.


Ganz einfach Parodontitis vorbeugen

  • auf tägliche gründliche Zahnpflege und Mundhygiene achten
  • neben zweimaligem Zähneputzen zählt eine tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürsten
  • gegebenenfalls in der Zahnarztpraxis nach Tipps und Techniken zur richtigen Anwendung fragen
  • die beiden jährlichen Vorsorgeuntersuchungen nicht vergessen
  • das Angebot einer Professionellen Zahnreinigung (PZR) wahrnehmen. Denn sie säubert auch solche Stellen von gefährlicher Plaque, die Bürste oder Putztechnik nicht erreichen.

Dazukommen ein paar allgemeinere Tipps, die weitere Risikofaktoren für Parodontitis minimieren oder ausschalten:

  • bewusster und ausgewogener Ernährung mehr Aufmerksamkeit schenken
  • Rauchen einschränken oder ganz aufhören

Ein Fokus auf gesunde Ernährung hilft nicht nur hier, sondern der gesamten Gesundheit und speziell der Vorbeugung von Diabetes. Diese Stoffwechselerkrankung bildet ein weiteres Parodontitis-Risiko, das Betroffene mit optimaler Blutzuckereinstellung aber genauso senken können.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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