Parodontitis - das Antiseptikum als echte Alternative zum Antibiotikum

Dr. Peschel

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© JanMika - iStockParodontitisbehandlung ohne Antibiotikum - diese Alternaitven gibt es. (© JanMika - iStock)Bei jeder Form der Parodontitis werden der Zahnstein und alle Beläge unterhalb des Zahnfleisches in den sogenannten Zahnfleischtaschen entfernt. Bei schweren chronischen und sehr aggressiven Formen der Parodontitis kann eine bakterienabtötende Begleittherapie sehr erfolgsversprechend sein.

Zur Verfügung stehen dafür u.a. Antibiotika oder antiseptische Mittel, die mit Hilfe einer Trägersubstanz direkt in eine Zahnfleischtasche eingebracht werden.

Antibiotika können lokal, also in einzelne Taschen, oder bei schweren oder aggressiven Formen der Parodontitis auch über den Verdauungstrakt verabreicht werden.

Wie sich Antibiotika auf den Körper auswirken können

Der Einsatz eines Antibiotikums kann durchaus eine sehr erfolgreiche Wirkung haben. Dennoch gibt es einige Gründe, die gegen einen routinemäßigen Einsatz von Antibiotika sprechen.

Ein viel diskutiertes und ernstzunehmendes Thema ist die Resistenzbildung nach der Antibiotika-Einnahme. In der Folge kann es passieren, dass das Antibiotikum seine Wirkung verliert, wenn es im späteren Leben bei Infektionen benötigt wird.

Ein weiterer Nachteil ist die Beeinträchtigung der Darmflora, also der natürlichen Darmbakterien. Oft kommt es dann zu Übelkeit und Durchfällen während der Behandlung. Aber auch Allergien auf Antibiotika mit Körperreaktionen wie z.B. Hautausschlägen sind nicht selten.

Welche Alternativen gibt es zur Antibiotikatherapie?

Eine erfolgsversprechenden Alternative zum Antibiotikum ist das Antiseptikum, also ein chemischer Stoff, der eine Infektion bekämpft und verhindert - die Zahnfleischtaschen also „desinfiziert“.

Das am häufigsten in der Zahnmedizin eingesetzte Mittel ist das Chlorhexidin. Es steht in der Konzentration von 0,03 bis 2 % zur Verfügung. Chlorhexidin wird meist als Mundspüllösung oder als Zahnlack eingesetzt. Eine weitere neue Anwendungsart ist Chlorhexidin auf einem Gelchip.

Es wird zur lokalen Behandlung von Zahnfleischtaschen im Rahmen der Parodontosebehandlung eingesetzt. Der Chip ist ein vier mal fünf Millimeter großes Gelantineplättchen, in dem der Wirkstoff Chlorhexidin verarbeitet ist. Mit 36 % Chlorhexidin liegt die Konzentration deutlich höher als bei den üblichen Anwendungsformen als Spülung oder Lack.

So funktioniert die Behandlung mit dem Antiseptikum-Chip

Das Plättchen wird in eine entzündete Zahnfleischtasche bis zum Taschenboden eingebracht.
Über sieben bis zehn Tage gibt der Chip kontinuierlich den antibakteriellen Wirkstoff Chlorhexidin ab.

Im Grunde kann man sich das vorstellen, als würde der Zahnarzt sieben bis zehn Tage rund um die Uhr diese eine Tasche mit Chlohexidin spülen und desinfizieren. Der Chip verklebt mit der Zahnfleischtasche und kann schon 30 Minuten nach dem Einsetzten nicht mehr durch z.B. Zahnreinigungsmaßnahmen entfernt werden. Innerhalb der ca. zehn Tage löst sich der Chip rückstandslos in der Zahnfleischtasche auf.

In wissenschaftlichen Studien konnte eindrucksvoll gezeigt werden, dass so für bis zu zwölf Wochen vermieden werden konnte, dass sich Bakterien neu ansiedeln. Aber das Antiseptikum führt nicht nur zu einer Keimreduktion. Es ist auch belegt, dass sich in der Folge Gewebe neu bildet und die Taschentiefe dadurch reduziert wird.

Da der Chip weder mit Resistenzbildungen und durch sein lokales Wirken auch nicht mit Nebenwirkungen im Magen-Darmbereich verbunden ist, ist er eine echte Alternative zum Einsatz von Antibiotika als Begleittherapie bei einer Zahnfleischbehandlung.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


10.12.2018 - 14:23 Uhr

Und was tun, wenn das Zahnfleisch trotz aller...

von Petra L.

... Prophylaxe und Behandlung sehr schnell zurückgeht? Gibt es Studien über die nachhaltige Wirksamkeit des Zahnfleischliftings? Bis zu welchem Grad ist dies durchführbar? Wie nachhaltig ist so ein Lifting? MfG Petra L.

Dr. Peschel

Antwort vom Autor am 12.12.2018
Dr. med. dent. Anja Peschel

Sehr geehrte Frau Petra L., In unserem Artikel geht es um die Begleitung der Therapie einer bestehenden Parodontitis mit Antiseptika als Alternave zur Gabe von Antibioktika. Wenn ich Ihre Frage richtig verstehe, geht es Ihnen jedoch um einen sichtbaren Zahnfleischrückgang. Die Therapie, welche hier zu ästhetischen Verbesserungen führen kann ist eine sogenannte Deckung der freiliegenden Zahnhälse mit einem Zahnfleischlappen im Rahmen einer sog. parodontalchirungischen Maßnahme bei einem Oralchirungen, welcher auf Parodontalchirurgie spezialisiert ist. Vorraussetzung für den Erfolg einer solchen Zahnfleischdeckung ist jedoch eine stabil therapierte Parodontitis mit inaktiven, entzündungsfreien Zahnfleischtaschen. Diese stabile Situation Ihrer Parodontitis erreichen sie mit der regelmäßigen professionellen Zahnreinigung und der darauf folgenden Parodontitistherapie mit Kürettage der Zahnfleischtaschen evt. begleitet durch lokale Antiseptika oder eine Antibiotikatherapie nach Bestimmung der Bakterienzusammensetzung mittels Parodontose-Keimtest. Ich hoffe sehr, daß ich Ihnen Ihre Frage zu Ihrer Zufriedenheit beantworten konnte und verbleibe mit freundlichen Grüßen Dr. Anja Peschel


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