Besser vorbeugen: Parodontitis ist nicht mehr rückgängig zu machen!

Dr. Bock

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© Maksym Yemelyanov - FotoliaParodontitis wird durch schädliche Bakterien im Mundraum ausgelöst (© Maksym Yemelyanov - Fotolia)Parodontitis ist eine Volkskrankheit, bleibt aber oft unentdeckt. Vorsorge ist besonders wichtig, da sie nicht rückgängig zu machen ist.

Wie häufig kommt Parodontitis vor?

Die meisten Menschen gehen mindestens einmal im Jahr zum Zahnarzt. Die positiven Effekte dieser Entwicklung lassen sich beispielsweise aus der vierten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS IV) ablesen: Immer weniger Patienten leiden an Karies und mehr Zähne bleiben bis ins hohe Alter erhalten.

Aber laut DMS IV haben 20 % der 35- bis 44-Jährigen eine Parodontitis, eine Entzündung des Zahnhalteapparats. In der Gruppe der 65- bis 75-Jährigen liegt die Rate bei fast 40 %. Da die Parodontitis bei vielen Patienten zu spät entdeckt werde, präge sich die Erkrankung mit zunehmendem Alter schwerer aus. Daher empfehlen die Autoren der Studie eine bessere Früherkennung.

Wie wird Parodontitis untersucht?

Generell unterscheidet man zwischen chronischer und akuter Parodontitis. Die akute Form ist durch einen sehr schnellen Krankheitsverlauf oft schon im jugendlichen Alter gekennzeichnet. Häufiger ist die chronische, langsamere Verlaufsform, die allerdings länger unentdeckt bleiben kann.

Bestandteil einer zahnärztlichen Kontrolluntersuchung ist der Parodontale Screening Index (PSI), der einen Überblick über die Gesundheit des Zahnhalteapparates gibt. Der Test wird in der Regel alle zwei Jahre durchgeführt. Fallen hier eine oder mehrere erkrankte Zahnfleischtaschen auf, kann der Zahnarzt eine Therapie einleiten. 

Trotz dieser Kontrollmaßnahmen wird Zahnfleischschwund meist zu spät bemerkt, etwa wenn die Zähne bereits gelockert sind oder sich die vermehrte Zahnfleischblutung nicht mehr ignorieren lässt. Hier liegt die besondere Tücke dieser Erkrankung: Sie wird meist zu spät erkannt und lässt sich nicht wieder rückgängig machen.

Parodontitis kann verschiedene Ursachen haben. Grob zusammengefasst wird das Gleichgewicht der Bakterien im Mund gestört, sodass schädliche Bakterien die Überhand nehmen. Sie siedeln sich unter dem Zahnfleisch an. Die Folge: Der Körper reagiert in den Zahnfleischtaschen mit einer Entzündung.

Was kann ich bei einer Parodontitis tun?

Die Bakterien heften sich an den Zahnhals an. Dort bilden sie mineralisierte Beläge, die man als „Konkremente“ bezeichnet. Die Konkremente dienen ihnen als Basis, um die Zahnfleischtasche zu besiedeln. Innerhalb der Konkremente sind die Bakterien vor chemischen Einflüssen wie z.B. Mundspülungen und dem Immunsystem des Körpers geschützt, weshalb die Entzündung weiter voranschreitet.

Durch die Entzündungsreaktion baut sich der Kieferknochen an den betroffenen Zähnen ab, sodass sie sich schließlich lockerm.

Wenn Ihr Zahnarzt die Parodontitis erkennt, können die schädlichen Bakterien aus den Zahnfleischtaschen entfernt werden. Anschließend kann sich der Zahnhalteapparat regenerieren und die betroffenen Zähne bleiben erhalten.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


20.01.2018 - 15:43 Uhr

In Ihrem Beitrag fehlt neben Reinigung der...

von ParodontitisPatient

... ZF-Taschen die Reinigung der Zahnwurzeln. Zusätzlich lässt sich der bakterielle Befall mit entweder speziellem Laser oder Ozon/Plasma behandeln. Die PZR halte ich für fragwürdig, wenn in diesem Zsh. nicht die konsequente Umstellung unzureichender eigener Pflege eingeleitet/begleitet wird (die eigene Pflege - erlernt von Fachpersonen - halte ich für wichtiger als die PZR - da jeden Tag und nicht nur alle 3 Monate). Solange die Zähne nicht ausgefallen sind, lassen sich Defekte auch mit Knochenaufbau behandeln (das ist eine Frage des Geldbeutels). Ansonsten ist die Forschung wohl noch nicht soweit mit Wissen, wie eine erfolgreich behandelte Parodontitis vollkommen gestoppt werden kann.

Dr. Bock

Antwort vom Autor am 07.02.2018
Dr. med. dent. Moritz Bock

Sehr geehrte Dame/ sehr geehrter Herr, der von mir veröffentlichte Artikel ist bewusst an einigen Stellen vereinfacht, um ihn auch für Personen verständlich zu halten, die sich mit der Parodontitis noch nicht gut auskennen. Zu Ihrem Beitrag: 1. Die "Reinigung der Zahnfleischtaschen" umfasst die Reinigung der Wurzeloberflächen (scaling und root planing). Eine zusätzliche Therapie mit Laser, oder Ozongas ist möglich. 2. Jede PZR in unserer Praxis umfasst eine detaillierte Mundhygieneinstruktion. Schließlich steht und fällt der Therapieerfolg mit der täglichen Mitarbeit der Patienten. 3. Ein Knochenaufbau ist möglich, jedoch nur in besonderen Situationen. Die besten Ergebnisse zeigen sich hier wenn der Defekt dreiwandig ist, und einen steilen Defektwinkel, sowie große Tiefe aufweist. In jedem Fall muss jedoch zunächst die Entzündung therapiert werden. Mit freundlichen Grüßen Dr. M. Bock

16.12.2017 - 15:45 Uhr

Wird durch regelmäßige professionelle...

von Angstpatient

... Zahnreinigung Parodontitis verhindert? Viele Grüße

Dr. Bock

Antwort vom Autor am 22.12.2017
Dr. med. dent. Moritz Bock

Sehr geehrte Dame/ sehr geehrter Herr, mangelhafte Mundhygiene ist ein Faktor der das Entstehen einer Parodontitis begünstigen kann. Zugleich gibt es jedoch auch erbliche Faktoren, sowie die Ernährung, die eine Rolle bei der Entstehung dieser Krankheit spielen. Die regelmäßige Zahnreinigung ist also keine Garantie dass keine Parodontitis entsteht, sie ist aber sehr wohl sinnvoll um den Therapieerfolg über lange Zeit zu erhalten. Nach erfolgter Therapie gehen unsere Patienten in die sogenannte "unterstützende Parodontitistherapie", oder "UPT" über. Diese umfasst neben engmaschigen Kontrollen auch regelmäßige Zahnreinigungen. Mit freundlichen Grüßen Dr. M. Bock


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