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Parodontitis und Diabetes: Erhöhtes Risiko durch Wechselwirkung

Dr. Becher

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© Benicce - Fotolia.com© Benicce - Fotolia.comParodontitis (die bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparats) und Diabetes stehen oft in einem fatalen Zusammenhang: Für Diabetes-Patienten besteht häufig die Gefahr einer chronischen Parodontitis. Parodontitis-Patienten wiederum besitzen ein erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken.

Aktuell wird die Parodontitis außerdem mit Diabetes mellitus, Atherosklerose, Frühgeburten bzw. niedrigem Geburtsgewicht, pulmonalen Erkrankungen, rheumathoider Arthritis und Krebs in Zusammenhang gebracht.

Wie entsteht eine Parodontitis, die weltweit häufigste chronische Erkrankung des Menschen?

Die in der Mundhöhle jedes Menschen siedelnden Bakterien vermehren sich besonders schnell in der sogenannten Plaque, dem Zahnbelag. Durch die Stoffwechselprodukte der Bakterien kann sich dort eine Entzündung bilden und den Zahnhalteapparat erfassen, der aus Zahnfleisch, Zahnzement, Zahnfach und Wurzelhaut besteht. Unbehandelt kann sich der Infektionsherd vergrößern und auch den Kieferknochen befallen. Weil dieser Prozess in der Regel lange schmerzfrei verläuft, wissen viele Betroffene gar nicht, dass sie eine Parodontitis haben.

Laut Deutscher Mundgesundheitsstudie leidet aber bereits jeder Zweite der 35- bis 44-Jährigen unter einer mittelschweren, jeder fünfte dieser Altersgruppe unter einer schweren Form der chronischen Parodontitis. Bis zu zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind an einer Form von Diabetes erkrankt.

Diabetes als Risikofaktor für Parodontitis

Zu den Parodontitis-Risikofaktoren gehören neben den auslösenden Bakterien selbst auch Rauchen und vor allem Diabetes mellitus, wie zahlreiche Studien belegen. So besitzen Patienten mit einem nicht optimal eingestellten Blutzuckerspiegel ein dreifach höheres Risiko, eine Parodontitis zu entwickeln. Eine wirkungsvolle Therapie wird unter anderem durch tiefere Zahnfleischtaschen und schneller fortschreitenden parodontalen Knochenabbau erschwert.

Der Krankheitsverlauf zeigt sich auch insgesamt schneller, und eine Therapie schlägt oft weniger gut an, weil die Hyperglykämie den Entzündungsprozess durch Bildung sogenannter AGEs (Advanced Glycation End Products) intensiviert.

Parodontitis als Risikofaktor für Diabetes

Bei einer chronischen Parodontitis können Bakterien im Blutkreislauf sogenannte Entzündungsmediatoren freisetzen (körpereigene Stoffe, die eine Entzündungsreaktion des Organismus hervorrufen). Diese Entzündungsmediatoren führen zu einer verminderten Insulinwirkung an den Zielzellen und somit zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie). Studien konnten nachweisen, dass Parodontitis-Patienten zweimal häufiger einen Diabetes mellitus aufweisen als parodontal gesunde Patienten.

Möglicherweise kann eine chronische Parodontitis aber einen Diabetes nicht nur verschlimmern, sondern diese Erkrankung auch bei Nicht-Diabetes-Patienten erst hervorrufen. Patienten mit einer moderaten bis schweren Form der Parodontitis weisen nämlich laut neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen ein etwa 3,5-mal höheres Risiko auf, an Diabetes zu erkranken.

Auch das Risiko diabetischer Komplikationen droht bei einer vorliegenden Parodontitis zu steigen: Dazu zählen für Patienten mit Typ II Diabetes unter anderem zu hohe Eiweißausscheidung, Nierenschäden, Verengung der Blutgefäße und erhöhtes Sterberisiko durch Herz-Nierenerkrankungen.

Erfreulicherweise kann im Gegenzug eine wirksame Parodontitis-Therapie zu besseren Blutzuckerwerten führen, wie aktuelle Forschungsergebnisse zeigen.
Umgekehrt führt eine unbehandelte Parodontitis nicht nur zu einer weiteren Verschlechterung des glykämischen Status von Patienten mit Diabetes Typ I und II, sondern kann sogar als Nebeneffekt das Auftreten massiver Folgeerkrankungen begünstigen.

Diabetes-Patienten sollten sich daher an spezialisierte Parodontitis-Praxen wenden, um dem fatalen Zusammenwirken beider Volkskrankheiten durch einen integrierten Behandlungsansatz von Zahnmedizin und Diabetologie erfolgreich zu begegnen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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