Parodontitis: Ursachen, Kosten und Behandlung

Eine Parodontits-Erkrankung bleibt in der Regel lange Zeit unbemerkt. (© Maksym Yemelyanov - fotolia)

Was ist eine Parodontitis?

Unter Parodontitis versteht man eine Entzündung des Zahnhalteapparates, also aller Anteile die für eine feste Verankerung des Zahnes im Kieferknochen sorgen. Die Erkrankung verläuft unterhalb der sichtbaren Oberfläche und schmerzt häufig nicht. Daher wird sie meist erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium erkannt. Deshalb ist es wichtig, Warnsignale zu erkennen und bei den ersten Anzeichen einen Zahnarzt aufzusuchen.

Eine Parodontitis beginnt immer mit einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis), deren Hauptauslöser bakterieller Zahnbelag ist. Wird er nicht gründlich genug entfernt, entsteht eine oberflächliche Zahnfleischentzündung, die mit einer Rötung und Blutung des Zahnfleisches einhergeht. Im Gegensatz zur Parodontitis ist die Gingivitis reversibel, das heißt, sie kann durch ein Entfernen der Beläge komplett zur Ausheilung gebracht werden.

Wird die Zahnfleischentzündung jedoch nicht erkannt und dementsprechend auch nicht behandelt, wandert die Entzündung immer weiter in den Kieferknochen ab und zerstört dort Fasern und Knochen, die den Zahn verankern. Es entstehen Zahnfleischtaschen zwischen Zahnwurzel und Kieferknochen. Unbehandelt geht immer mehr Knochen verloren, die Zähne lockern sich und fallen aus.


Wie wird eine Parodontitis behandelt?

Eine Parodontitis kann durch frühzeitiges Erkennen und eine systematische Therapie zum Stillstand gebracht werden. Dabei kommt der Mitarbeit des Patienten eine besondere Bedeutung zu.

In der ersten Behandlungsphase wird der Zahnarzt zunächst die Mundhygiene des Patienten einschätzen und alle erreichbaren weichen und harten Beläge oberhalb des Zahnfleischrandes entfernen. Diese Vorbehandlung umfasst zudem eine ausführliche Mundhygieneunterweisung für eine optimale häusliche Zahnpflege.

In der darauffolgenden Phase, der „Parodontitisbehandlung“, werden unter lokaler Betäubung bakterielle Beläge von den Wurzeloberflächen im Bereich der vertieften Zahnfleischtaschen entfernt.

Daran schließt sich die "Reevaluationsphase" an. Der Erfolg der Therapie wird einige Monate danach kontrolliert und falls notwendig weiterführende chirurgische Maßnahmen geplant.

Die letzte Behandlungsphase nennt sich "unterstützende Parodontitistherapie" und hat zum Ziel, das erreichte Behandlungsergebnis langfristig aufrechtzuerhalten. Die Häufigkeit der Termine für die lebenslang durchzuführende unterstützende Parodontitistherapie (UPT) richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und ob Risikofaktoren vorliegen (z. B. Tabakkonsum/Diabetes).

Ohne die regelmäßige Nachsorge und eine gute häusliche Mundhygiene besteht die Gefahr, dass die Erkrankung wiederkehrt und sich die Zerstörung des Zahnhalteapparates fortsetzt.


Was bezahlt die Krankenkasse?

Am 1.7.2021 wurde eine Neuregelung der Parodontitisbehandlung durch die gesetzlichen Krankenkassen eingeführt. Hierdurch erhält der Patient zahlreiche Leistungen im Bereich der Vorbehandlung (Hygienephase) und der Nachsorge (UTP) von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet, die er vorher selbst tragen musste.


Wer führt eine Parodontitisbehandlung durch?

Grundsätzlich kann jeder Zahnarzt eine Parodontitisbehandlung durchführen. Jedoch gibt es Zahnärzte, die sich schwerpunktmäßig hierauf spezialisiert haben und die dementsprechend auch über viel Erfahrung und besondere Kenntnisse verfügen, um auch schwierige Fälle erfolgreich behandeln zu können. Diese Zahnärzte erkennen Sie daran, dass sie die Bezeichnung "Tätigkeitsschwerpunkt Parodontologie" oder "Spezialist für Parodontologie" führen dürfen.

Fazit

Gehen Sie zweimal jährlich zu ihrem Zahnarzt zur Kontrolle. Er kann durch geeignete Vorsorgemaßnahmen eine Parodontitis bereits im Frühstadium erkennen und behandeln. Sollten sie bei sich Warnsignale wie Zahnfleischbluten, Zahnlockerungen, Zahnwanderungen oder Mundgeruch bemerken, sollten sie unverzüglich Ihren Zahnarzt aufsuchen.


Auf einen Blick

Das können Patienten tun:

  • Auf Veränderungen am Zahnfleisch und versteckte Warnsignale achten
  • Mithilfe der „Selbsttest-Parodontitis“-App die persönliche Erkrankungswahrscheinlichkeit ermitteln und entsprechend aktiv werden
  • Besondere Sorgfalt auf die tägliche häusliche Mundhygiene verwenden
  • Neben Zahnbürste auch Zahnzwischenraumbürstchen und Zahnseide verwenden
  • Auch ohne Beschwerden regelmäßige zahnärztliche Kontrolluntersuchungen bzw. Nachsorgetermine gewissenhaft wahrnehmen
  • Alle zwei Jahre im Rahmen der „Früherkennungsuntersuchung des Zahnfleischs“ den PSI erheben lassen, um den Gesundheitszustand des Zahnhalteapparates zu kontrollieren
  • Gesundheitsbewusst leben, d. h. auf das Rauchen verzichten, sich ausgewogen und abwechslungsreich ernähren, für ausreichend Bewegung sorgen und psychischen Stress vermeiden

Quellen

  • DG PARO Patientenratgeber für die Praxis; Ratgeber 1 - Parodontitis: Vorbeugung und Therapie.
  • DG PARO Patientenratgeber für die Praxis; Ratgeber 3 - PSI: Der Parodontale Screening Index zur Früherkennung der Parodontitis.
  • DG PARO Patientenratgeber für die Praxis; Ratgeber 6 - Parodontitis & Diabetes.
  • DG PARO PM Fachpresse Europäischer Tag der Parodontologie: DG PARO geht offensiv in die Patientenaufklärung.
  • Einfluss der oralen Gesundheit auf die Allgemeingesundheit. Bundeszahnärztekammer, Statement Prof. Dr. Oesterreich, 10. Februar 2012.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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