Der beste Schutz vor Gingivitis: Professionelle Zahnreinigung

Auch in Corona-Zeiten gibt es zwingend aktuelle Gründe für die Professionelle Zahnreinigung. (© Bärenklau)

Es ist nahezu überall dasselbe Phänomen: Aus Sorge vor einer Corona-Infektion verschieben viele Patientinnen und Patienten vermeintlich weniger "wichtige" zahnärztliche Behandlungen in die Zukunft – wie auch der Deutsche Zahnärzte-Verband bereits beobachtet hat. Ein kardinaler Fehler.

Wie hängen Covid-19 und die Zahngesundheit zusammen?

Wissenschaftler aus Katar haben vor wenigen Tagen festgestellt, dass es einem Zusammenhang zwischen der Zahngesundheit und dem Verlauf von Covid-19 gibt. Ihren Untersuchungsergebnissen zufolge haben, wie ntv.de meldet, Patienten mit Parodontitis, also der bakteriellen Entzündung des Zahnbettes, bei einer Erkrankung an Covid-19 ein höheres Risiko, auf einer Intensivstation aufgenommen und intensivmedizinisch behandelt zu werden, als Patienten, die keine Parodontitis haben.

Auch das Risiko, an Covid-19 zu sterben, erhöht sich durch die Erkrankung im Mund. In einer Studie werteten die Wissenschaftler die medizinischen und zahnmedizinischen Daten von insgesamt 568 Patienten aus. Bei 40 davon kam es im Zusammenhang mit Covid-19 zu Komplikationen, die zur Aufnahme auf der Intensivstation und zur Unterstützung der Atmung zwangen.

Professionelle Zahnreinigung – auch in Corona-Zeiten

Es gibt also zwingend aktuelle Gründe für die Professionelle Zahnreinigung auch in Corona-Zeiten, die, zum Schutz des Zahnfleischs und Kieferknochens, eigentlich alle sechs Monate durchgeführt werden sollte.

Im Gegensatz zu beispielsweise einer Zahnwurzel-Entzündung bereitet eine fortschreitende Gingivitis so gut wie keine Beschwerden. Dies veranlasst viele, in Corona-Zeiten lieber zu Hause zu bleiben und die notwendige Zahnreinigung zu verschieben.

Hier wird leider am falschen Ende gespart. Denn wer glaubt, allein mit der täglichen Zahnhygiene sei alles erledigt, irrt. Zum einen lassen sich eventuell entstandene Verfärbungen, wie etwa durch Rotwein oder Kaffeegenuss, nicht so einfach beseitigen. Zum anderen reicht die Zahnbürste beispielsweise nicht unters Zahnfleisch, um dort festsitzende dunkelfarbige Konkremente oder auch "Serumsteine" zu entfernen.

Vorsicht vor Ablagerungen

Vor allem bei Konkrementen unterhalb des Zahnfleischrands ist Abhilfe geboten. Diese Ablagerungen reizen nicht nur permanent das umgebende Weichgewebe des Zahnhalteapparats. Sie bieten auch Mikroorganismen einen idealen Nährboden; das entsprechende Bakteriengift kann dann eine Parodontitis auslösen. Dabei handelt es sich um die gefürchtete Entzündung des Zahnhalteapparats, an deren Ende der Verlust von Zähnen steht.

Die kalkähnlich wirkenden Ablagerungen z. B. an Zahnzwischenräumen nennt man auch Zahnstein. Er entsteht durch Einlagerung anorganischer Stoffe (vor allem Calcium-und Phosphatverbindungen) aus dem Speichel. Auch Zahnstein lässt sich nur mechanisch entfernen – was alle sechs Monate geschehen sollte, um Bakterien und giftigen Säuren keinen Nährboden zu bieten.

Darum ist die Professionelle Zahnreinigung so wichtig

Hieraus wird ersichtlich, dass die Professionelle Zahnreinigung eine dringend notwendige Prophylaxemaßnahme zum Schutz des Zahnhalteapparats ist. So müssen auch Zahnfleischtaschen dekontaminiert werden, um Entzündungen zu verhindern. Bei älteren Patienten kommt hinzu, dass durch womöglich bereits zurückgegangenes Zahnfleisch die Zahnoberfläche größer geworden ist. Dementsprechend bietet sich mehr Angriffsfläche für gefährlichen Zahnbelag (Plaque) und Bakterien. Zudem steigt im Alter die Anfälligkeit für eine Zahnfleischentzündung durch den geänderten Stoffwechsel.

Wann sollte man trotz Corona-Sorgen zum Zahnarzt?

Wer bereits eine akute oder chronische Gingivitis (Zahnfleischentzündung) attestiert bekommen hat, sollte trotz Corona-Sorgen dennoch unbedingt zur Zahnreinigung gehen. Denn es gibt zahlreiche Fälle, in denen eine solche Entzündung nicht ausheilte, weil sie eben so gut wie keine Beschwerden bereitet.

Kommt es erst einmal zu einer Entzündung des Zahnhalteapparats, etwa über ungereinigte Zahnfleischtaschen, geht das Zahnfleisch Jahr für Jahr irreversibel zurück. Neben Älteren sollte auch Schwangere unbedingt das Angebot der Professionellen Zahnreinigung wahrnehmen. Denn durch hormonelle Umstellungen lockert sich oftmals das Bindegewebe an den Zähnen. Hierdurch haben Bakterien leichtes Spiel, sich am Zahnfleischrand anzusiedeln.

So läuft die Professionelle Zahnreinigung ab

Die Professionelle Zahnreinigung besteht aus drei Schritten: Zuerst werden weiche und harte Zahnbeläge entfernt. Auch schwer zugängliche Stellen zwischen den Zähnen und am Zahnfleischrand werden gereinigt. Nach der Reinigung werden die Zähne glatt poliert, damit Bakterien weniger gut anhaften können. Zum Abschluss werden die Zähne noch mit einem fluoridhaltigen Gel oder Lack bestrichen, um den Zahnschmelz zu schützen und zu härten.

Dabei kann sich ein Zahnarzt ein Bild vom aktuellen Zahnfleischstatus machen und eventuell zu weiteren Maßnahmen wie z. B. Mundspülungen, Gels oder Mundsprays raten. Die Professionelle Zahnreinigung ist leider keine Leistung der Krankenkasse, sondern muss privat bezahlt werden. Übrigens: Ratsam ist es – ob mit oder ohne Zahnfleischentzündung – die Zahnbürste dann und wann zu desinfizieren, etwa durch kochendes Wasser. Um Bakterienbefall vorzubeugen, sollten vor allem einfachere Zahnbürsten ca. alle sechs bis acht Wochen gewechselt werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (1)

Wolfgang V., 18.02.2021 - 09:47 Uhr

Super informativ, vielen Dank!

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