Zahnärztliche Prophylaxe in der Schwangerschaft: Risiken & Auswirkungen

Dr. Ludwig

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© asmedvednikov - freepikDa eine Schwangerschaft eine große Belastung für den gesamten Körper ist, sollte auch die Mundgesundheit nicht vernachlässigt werden. (© asmedvednikov - freepik)In den Monaten einer Schwangerschaft finden im weiblichen Körper gewaltige Anpassungen und Veränderungen statt. Einige davon reichen bis zu den Zähnen und der Zahngesundheit.

Um diese weiterhin zu schützen, benötigen Schwangere jetzt eine besondere Form der Prophylaxe. Sie kommt der Mutter direkt zugute, fördert und schützt aber genauso die Entwicklung des werdenden Kinds.

Erhöhtes Risiko für Karies und Parodontitis

Hormone sind die treibende Kraft vieler körperlicher Umstellungen in einer Schwangerschaft. Leider haben nicht alle nur eine schwangerschaftsunterstützende Wirkung. Einige sorgen beispielsweise für die wichtige Erhöhung des Blutvolumens und erweitern Gefäße für einen besseren Bluttransport.

Schwangere spüren eine Nebenwirkung davon oft schmerzhaft beim Zähneputzen an ihrem Zahnfleisch, weil es nun viel empfindlicher geworden ist. Zusammen mit einer mikrobiologischen Veränderung der Mundflora wird das Gewebe jetzt noch anfälliger für die entzündungsauslösenden Stoffwechselprodukte der Bakterien auf Zahnbelägen.

In Form der Schwangerschaftsgingivitis tritt die Zahnfleischentzündung Gingivitis jetzt deutlich häufiger auf als bei nicht-schwangeren Frauen. Unbehandelt geht sie schnell in eine Parodontitis über, die den gesamten Zahnhalteapparat entzündet.

Daneben erhöhen veränderte Ernährungsgewohnheiten jetzt die Anfälligkeit für die Zahnkrankheit Karies. Die meisten Frauen essen in der Schwangerschaft häufiger etwas zwischendurch. Das ist normal, aber dabei sinkt der pH-Wert jedes Mal in einen zahnschmelzlösenden Bereich. Bis der Speichel den Wert wieder angehoben hat, vergeht einige Zeit. Dadurch sind die Zähne über den Tag oder in der Nacht häufiger als sonst einer Demineralisierung ausgesetzt.

Kommen dann noch Übelkeit mit Erbrechen hinzu, erodieren aggressive Säuren aus dem Magen den Zahnschmelz zusätzlich. Bakterien können dann leichter durch diesen natürlichen Schutzmantel der Zähne schlüpfen und ein Kariesloch in den Zahn fressen.


Auswirkungen auf Schwangerschaftsverlauf und Baby möglich

Es gibt viele Anzeichen, dass die Entzündungsstoffe von Gingivitis oder Parodontitis stark genug sind, um den ganzen Schwangerschaftsverlauf zu beeinflussen – bis hin zu einer Frühgeburt. Eine Karies überträgt sich nicht selten direkt von der Mutter auf ihr Baby über den Speichel bei ersten körperlichen Kontakten.

Um das zu verhindern, sollten Schwangere zunächst immer eine Reihe von allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen gegen Karies und Parodontitis berücksichtigen. Dazu gehören eine möglichst gesunde oder zahngesunde Ernährung, die Aufrechterhaltung einer sorgfältigen Mundhygiene mit zusätzlicher Anwendung von Fluorid und zuletzt zahnärztliche Kontrollen mit Prophylaxe.


Schwangerschaftsprophylaxe

Falls keine regelmäßige Zahnarzthistorie besteht, erfolgt mit Beginn der Schwangerschaft eine allgemeine Untersuchung mit individueller Beurteilung von Karies- oder Parodontitisrisiko. Dabei hilft zum Beispiel ein Speicheltest, der die im Mund vorhandene Bakterienmenge misst. Auf den Ergebnissen der Befundung baut sich dann die weitere Prophylaxe gezielt auf. Zahnbehandlungen finden in dieser frühen Schwangerschaftsphase nur bei Schmerzen statt. Jetzt erhalten die Schwangeren eine umfassende Beratung zur Ernährung oder zu angepasster Mundhygiene in der Schwangerschaft.

Ab der 13. Schwangerschaftswoche und dann noch einmal kurz vor der Entbindung finden für gewöhnlich Termine für eine Professionelle Zahnreinigung statt. Im letzten Schwangerschaftstrimester steht zudem ein weiteres Beratungsgespräch auf dem Programm, das bereits die Zahngesundheit des Babys einbezieht.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die kompletten Kosten für die zusätzlichen Behandlungen der Schwangerschaftsprophylaxe. Damit steht dieser wichtigen Unterstützungsleistung für die Gesundheit von Mutter und Kind zuletzt auch kein finanzielles Hindernis mehr im Weg.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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