Aufbissschmerzen nach der Wurzelbehandlung: Was kann man tun?

Welche Ursachen können sich hinter Schmerzen nach der Wurzelbehandlung verbergen? (© Simka)

Beschwerden nach einer abgelaufenen Wurzelkanalbehandlung können ganz unterschiedliche Ursachen haben. Einige davon sind "normal" und sollten sich nach einiger Zeit wieder legen. Abhängig von der Größe der vorliegenden Entzündung, kann sich der Heilungsprozess einige Zeit hinziehen. Die Beschwerden sollten in diesem Fall von Woche zu Woche abnehmen.

Andere Beschwerden, insbesondere solche, die auch nach langer Zeit noch bestehen, sollten allerdings nochmals abgeklärt werden.

Druckgefühl am Zahn

Dieses Druckgefühl kann zum einen durch die eingelegte Wurzelfüllung selber entstehen. Die Wurzelfüllung besteht aus zwei Komponenten. Zum einen aus einem kautschukartigen Material (Guttapercha) und zum anderen aus einem Zement (Sealer). Dieser Zement soll alle Nischen zwischen der Guttapercha innerhalb des Wurzelkanalsystems ausfüllen, um möglichst alle Hohlräume zu beseitigen. Um solch eine kompakte Wurzelfüllung zu erreichen, wird sie mit (leichtem) Druck in die Wurzelkanäle gepresst.

Dadurch werden kleine Mengen an Luft oder auch an Zement aus dem Wurzelkanal in den umliegenden Knochen gedrückt. Hin und wieder kommt es vor, dass dieser Umstand als Druckgefühl noch für ein oder zwei Tage wahrgenommen wird. Sehr schmerzhaft ist das in der Regel jedoch nicht.


Verletzung vom Zahnfleisch durch die Kofferdam-Klammer

Während der Wurzelkanalbehandlung wird der zu behandelnde Zahn unter einem Gummituch (Kofferdam) isoliert. Dabei werden alle anderen Zähne und die Mundhöhle vom Gummituch abgedeckt. Die Isolierung verhindert, dass die Spülflüssigkeit (Chlor-Lösung) in den Patientenmund läuft.

Eine Metallklammer verhindert, dass das Gummituch vom Zahn rutscht. Dabei kommt es vor, dass die Ecken der Metallklammer ins Zahnfleisch drücken. Auch diese Beschwerden vergehen nach einigen Tagen ganz von alleine.


Deckfüllung ist zu hoch

Nach der Wurzelkanalbehandlung wird der Zugang zu den Wurzelkanälen mit einer Füllung verschlossen. Ist sie auch nur einen Hauch zu hoch, wird der Zahn beim Kauen punktuell zu stark belastet, was wiederum zu Beschwerden führen kann. Auch diese Situation kommt hin und wieder vor, meist wenige Tage nach der Behandlung. Sie lässt sich durch eine kleine Politur der Füllung allerdings schnell beheben.

Ursachen für anhaltende Schmerzen nach der Wurzelbehandlung

Sollten direkt nach der Wurzelfüllung bzw. nach einigen Wochen oder Monaten noch Beschwerden bzw. starke Schmerzen auftreten, können verschiedene Ursachen vorliegen.


Zusätzlicher Wurzelkanal

Wurde ein versteckter Wurzelkanal übersehen, kann der noch lebende Nerv darin zu Schmerzen führen. Häufig reagiert der Zahn noch auf Kälte oder Wärme. Dieser Zustand tritt meist unmittelbar nach der Behandlung auf.


Wurzelfüllung nicht vollständig

Das Wurzelkanalsystem ist äußerst komplex. Häufig gibt es zusätzlich zu den klassischen Haupt-Wurzelkanälen noch Nebenkanäle. Wurden sie während der Wurzelkanalbehandlung nicht mitgereinigt und gefüllt, können sie noch Bakterien beinhalten, die durch ihre Anwesenheit eine Entzündung aufrechterhalten.

Unter Umständen schafft das Immunsystem in diesem Fall nicht, die Entzündung vollständig zu beseitigen. Folglich dauern auch die Beschweden an. Außerdem kommt es auf jeden Millimeter an. Ziel ist es, dass die Wurzelfüllung bis zur Wurzelspitze reicht. Fehlen ein paar Millimeter bis zu diesem Punkt und werden die Wurzelkanäle nicht gereinigt und gefüllt, können die dort verbleibenden Bakterien zu den anhaltenden Beschwerden und zu einer Re-Infektion der gesamten Wurzelfüllung führen.


Wurzelfüllung zu lang

Ragt eine Wurzelfüllung zu weit über die Wurzelspitze hinaus, kann auch das zu Missempfindungen führen.


Abgebrochene Wurzelkanalinstrumente

Die Anwendung feinster, flexibler Wurzelkanalinstrumente hat die Erfolge von Wurzelkanalbehandlungen stark gesteigert. Durch eine zu hohe Belastung können diese Instrumente im Wurzelkanal jedoch auch brechen und stecken bleiben. Das wiederum verhindert eine komplette Desinfektion des gesamten Wurzelkanalsystems.

Das Immunsystem schafft es unter Umständen dadurch nicht, die Entzündung zum Ausheilen zu bringen und somit bleiben die Beschwerden bestehen.


Fraktur der Wurzel

Durch die vorherige Karies und die darauf folgende Wurzelkanalbehandlung muss einiges an Zahnsubstanz geopfert werden. Dadurch wird der Zahn etwas bruchanfälliger. Kommt es im Anschluss an die Behandlung zu einer zu hohen Belastung auf den Zahn, kann die Wurzel brechen.

Dieser Bruchspalt führt zu einer Mikro-Bewegung innerhalb der Wurzel und diese wiederum zu Schmerzen. Um die Gefahr einer Wurzelfraktur zu reduzieren, sollte der Zahn im Anschluss an die Wurzelkanalbehandlung überkront werden.


Gleichzeitiges Vorliegen einer Parodontitis

Kommen zusätzlich zur Entzündung des Zahnnervens eine Entzündung des Zahnhalteapparates hinzu (Parodontitis), kann sie anhaltenden Beschwerden verursachen. Das heißt, dass die Wurzelkanalbehandlung eigentlich erfolgreich war, die Beschwerden allerdings nicht abklingen, weil die gleichzeitig vorliegende Parodontitis nicht behandelt wurde und sie weitere Beschwerden verursacht.


Da die Behandlung stets individuell angepasst werden muss, ist Ihr Zahnarzt bei Problemen der beste Ansprechpartner. (© Igor Mojzes - fotolia)
Mögliche Symptome

Oft berichten Patienten von Schmerzen, die entweder unterschwellig permanent vorhanden sind, oder insbesondere beim Zubeißen auftreten. Dabei ist die Entzündung im Knochen noch aktiv und bei jedem Zubiss drückt der Zahn in diese Entzündung hinein. Gleichzeitig verspüren die Patienten einen leichten Schmerz, wenn sie mit dem Finger auf das Zahnfleisch des betroffenen Zahnes drücken. Auch hier drücken sie auf die Entzündung, vergleichbar mit dem Schmerz, wenn man auf einen blauen Fleck drückt.

Auch wenn sich keine Beschwerden in Form von Schmerzen zeigen, kann eine Entzündung vorliegen. Klassischerweise zeigt sich dann im Bereich des Zahnfleisches entweder eine Schwellung oder eine Art "Pickel". Die Patienten berichten darüber, dass dieser Pickel kommt und wieder geht. Dieser Pickel ist eine Fistel und stellt eine Verbindung zwischen der Entzündung im Knochen und der Mundhöhle dar, wie eine Art Tunnel.

Dadurch kann der Druck unter dem Zahn entweichen und die Schmerzen bleiben vorerst aus. Diese Situation ist allerdings in jedem Fall behandlungsbedürftig, da die Entzündung dadurch nicht ausheilt.

Kann der Druck nicht über eine solche Fistel entweichen und baut sich immer weiter auf, treten Schmerzen auf. Möglicherweise berichten die Patienten gleichzeitig, dass der Zahn "länger" wird. Das liegt daran, dass die Entzündung größer wird und den Zahn dadurch nach oben drückt.

Hat die Entzündung eine kritische Grenze überschritten, nehmen die Beschwerden schlagartig zu. Der Zahn selber wird stark berührungsempfindlich, mitunter tritt eine Lockerung auf. Parallel dazu entsteht eine umfangreiche Schwellung bis hin zur Lymphknotenschwellung und/oder Fieber.


So läuft die Diagnose ab

In vielen Fällen lässt sich alleine durch das Patientengespräch in Verbindung mit einer eingehenden Untersuchung schon eine Verdachtsdiagnose stellen.

Wichtig für die abschließende Diagnose ist jedoch die Anfertigung von Röntgenbildern. Denn der Zahnarzt / die Zahnärztin kann die Qualität der Wurzelfüllung nur mit diesen Bildern beurteilen. Dabei sind Aufnahmen aus verschiedenen Winkeln sehr hilfreich, um z. B. weitere vorhandene Wurzelkanäle zu sehen.

Alternativ kann eine 3-D-Aufnahme (DVT= Digitale Volumentomographie) helfen, zusätzliche Wurzelkanäle oder Entzündungen zu identifizieren. Sehr hilfreich sind auch Vergleichs-Röntgenbilder, die zeigen, wie sich die Entzündung über die Zeit entwickelt hat.


Welche Therapie kommt in Frage?

Gegen die Beschwerden selber hilft die Einnahme von Schmerzmitteln. Handelt es sich um Beschwerden, wie sie nach einer Wurzelkanalbehandlung für gewöhnlich auftreten können, reichen diese Medikamente in der Regel aus. Auch sanftes Kühlen verschafft etwas Linderung.

Die Beschwerden sollten nach 2-3 Tagen langsam abklingen. Halten die Beschwerden lange Zeit an, kann in Phasen starker Beschwerden die Einnahme von Schmerztabletten dabei helfen, sie zu lindern. Sollten sie zunehmen oder Schwellungen bzw. Fieber hinzukommen, hilft kurzfristig der Einsatz von Antibiotika. Die Ursache dieser Beschwerden wird dadurch allerdings nicht beseitigt. Da hilft nur der Gang zum Zahnarzt, der die richtige Diagnose stellt und die Ursache therapiert.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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