Schmerzen nach der Wurzelkanalbehandlung: Ist das normal? Wie lange halten sie maximal an?

Dr. Bengs

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©91437567-Nobilior-fotoliaAuch wenn der Eingriff erfolgreich verlief, können Schmerzen auftreten (©91437567-Nobilior-fotolia)In den meisten Fällen lassen sich Schmerzen nach einer Wurzelkanalbehandlung durch korrektes OP-Vorgehen vermeiden oder auf ein Minimum reduzieren. Voraussetzung ist jedoch, dass wirklich alle Anteile des Wurzelkanalsystems vollständig erfasst und infiziertes Gewebe, Bakterien oder auch altes Füllmaterial im Falle einer Revision komplett entfernt werden.
 


Warum treten häufig Beschwerden nach einer Wurzelkanalbehandlung auf?

Bei der Bearbeitung der Wurzelkanäle können trotz großer Sorgfalt Gewebereste, Füllmaterial oder Spülflüssigkeit über die Wurzelspitze hinaus transportiert werden. Das umliegende Gewebe reagiert dann in Form von Schmerzen auf diesen Reiz.

Durch eine sehr sorgfältige Messung der Länge der Wurzelkanäle und ein abgestuftes Vorgehen bei der Bearbeitung kann ein erfahrener Behandler diesen Reiz jedoch sehr gering halten und so Beschwerden vorbeugen.

Eine dichte Isolierung des behandelten Zahns gegen Speichel und Bakterien mit Kofferdam, also einem Gummispanntuch, und ein fester dauerhaft bakteriendichter Verschluss nach der Behandlung sind deshalb absolute Grundvoraussetzungen, um einer Infektion und Schmerzen entgegenzuwirken.

Dennoch haben Studien gezeigt, dass es auch bei fachgerechtem Vorgehen zu Schmerzen kommen kann. Eine Entzündung an der Wurzelspitze beispielsweise kann Schmerzen nach der Behandlung begünstigen. Die Ursache ist, dass die symptomlose chronische Entzündung akut werden kann, was offenbar im Zusammenhang mit bestimmten Bakterienarten steht.
 

Können auch nach Abschluss der Behandlung noch Schmerzen auftreten?

© Dan Race - fotoliaBei der Wurzelkanalbehandlung werden die Wurzelkanäle erst gereinigt und dann gründlichst versiegelt (© Dan Race - fotolia)Bei der Wurzelfüllung, die wie eine Hohlraumversiegelung die zuvor gereinigten Kanäle verschließt, muss sichergestellt sein, dass keine Anteile ungefüllt bleiben, da sich ansonsten die dort verbliebenen Mikroorganismen erneut vermehren und ausbreiten können.

Damit dies gewährleistet ist, dürfen Füllungen oder Kronen keine Spalten aufweisen, da sonst Bakterien erneuten Zutritt haben.
 

Kann es auch zu Beschwerden nach erfolgreicher Wurzelfüllung kommen?

In manchen Fällen ja. Eine leichte Empfindlichkeit ist für einige Tage durchaus möglich, wenn Patienten auf den behandelten Zahn beißen. Leichte Schmerzmittel helfen hier in der Regel aber zuverlässig.

Studien haben außerdem gezeigt, dass Zähne, die vor einer Wurzelbehandlung über längere Zeit Schmerzen verursacht haben, auch nachher über das übliche Maß hinaus Beschwerden auslösen können - diese sollten allerdings nachlassen und mit der Zeit verschwinden.


Was tun bei anhaltenden Schmerzen nach der Wurzelbehandlung?

Bei über das normale Maß hinausgehenden Beschwerden muss zunächst sichergestellt sein, dass die Behandlung kunstgerecht durchgeführt wurde, also dass alle Kanäle des Zahns vollständig gereinigt und gefüllt werden konnten.

Ist das der Fall, sollten Überlagerungen mit Schmerzen von anderen Zähnen oder aus anderen Bereichen überprüft werden. Das können z.B. Beschwerden sein, die durch Überlastung der Zähne aufgrund von Knirschen oder durch eine Nasennebenhöhlenentzündung verursacht werden. Bei chronischen Schmerzen unklarer Ursache kann es zudem sinnvoll sein, einen Schmerztherapeuten hinzuzuziehen.

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Kommentare zum Artikel (1)


22.09.2017 - 13:47 Uhr

Vor 18 Jahren wurde bei mir eine nicht sauber...

von Böhringer S.

... ausgeführte Wurzelbehandlung durchgeführt. Wurzeln nicht komplett gefüllt. Ich hatte nach der Behandlung sehr starke Schmerzen während langer Zeit. Danach hat sich ein Granulom im Unterkiefer links gebildet. Dieses hat aber keine Beschwerden verursacht, außer bei Erkältungen leicht geschmerzt. Mein Zahnarzt wollte mir jetzt ein Implantat einsetzen. Ich habe in der Unizahnklinik eine second opinion eingeholt. Dort hieß es, Zahnerhalt möglich, erneute Wurzelbehandlung, diesmal korrekt ausgeführt, dann Teilkrone setzen. Diesen Montag erfolgte die erste Behandlung völlig schmerzlose Behandlung mit Anästhesiemittel Mepivacain. Beim Nachlassen der Anästhesie traten höllische Schmerzen auf, ins linke Ohr, in den Kiefer, ins linke Auge und in linke Schulter ausstrahlend. Am Donnerstag wurden die Schmerzen so intensiv, dass ich erneut den Zahnarzt aufsuchte. Dieser öffnete den Zahn nochmals, spülte ihn und verschrieb mir Clindamycin 3 x 600 mg/Tag währen 5 Tagen. Er verglich auch die Röntgenbilder, damit sicher war, dass er keinen Kanal verpasst hat mit Ausfüllen. Die Schmerzmittel nützen wenig bis nichts, an Schlaf in der Nacht ist nicht zu denken, da dann die Schmerzen am intensivsten sind. Kaum hat die Anästhesie ihre Wirkung gestern verloren, kamen die höllischen, stechenden, klopfenden, drückenden Schmerzen zurück. Ich bin verzweifelt. Am Montag nächsten Termin zur nochmaligen Behandlung. Mein Zahnarzt beruhigt mich mit dem Versprechen, dass die Schmerzen dann (irgendwann) ?? nachlassen werden. Rückfrage: Sind derart intensive Schmerzen normal und wenn ja, wie lange können sie andauern?

Dr. Bengs

Antwort vom Autor am 25.09.2017
Dr. med. dent. Bernard Bengs

Nein, das ist zum Glück eher selten. Bei langanhaltender vorangegangener Infektion kann es im Rahmen einer Revision trotz aller Vorsicht zur Reizung der umliegenden Gewebe, im Unterkiefer auch des Nervus mandibularis kommen. In der Regel klingt das rasch wieder ab. Ein anderes Medikament als Einlage, das entzündungshemmend wirkt, hilft zusätzlich (Ledermix). Ein Röntgenbild zur Kontrolle, ob evtl. Material versehentlich überpresst wurde, gibt zusätzliche Sicherheit in der Diagnose. Gute Besserung Ihr Bernard Bengs


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