Trend Ölziehen – wie gut ist das für meine Zähne? Risiken & Studien

Dr. Frey

von
verfasst am

© dashu83 - freepikWie sinnvoll ist Ölziehen bei der Zahnpflege? (© dashu83 - freepik)In dem nachfolgenden Artikel erfahren Sie mehr zu: Ölziehen, Mundhygiene, Zahngesundheit, Ayurvedische Medizin und Lipidpneumonie


Empfehlungen des Autors

Aufgrund der durchgeführten systematischen Übersichtsarbeit des Autors kann festgestellt werden, dass es aktuell geringe Evidenz für den Nutzen des Ölziehens gibt und die Risiken bei adäquater Aufklärung sehr gering sind. Das Ergebnis nach der Untersuchung von ca. 200 Studien lautet: Wahrscheinlich ist Ölziehen gut für meine Zähne.

Nichtsdestotrotz sollte man als Patient über das Risiko einer Lipidpneumonie (Lungenentzündung) bei falscher Anwendung aufgeklärt werden.

Für wen ist Ölziehen nicht geeignet?

Bei Menschen mit motorischen Einschränkungen und bei Kindern ist eine strenge Indikation angebracht. Grundsätzlich sollen Anwender in der Lage sein, das Ölziehen korrekt auszuführen. Das schließt diverse Patientengruppen aus wie z. B.:

  • geistig Eingeschränkte
  • MS-Erkrankte im fortgeschrittenem Stadium
  • Demente
  • Parkinsonpatienten
  • bettlägrige Patienten
  • Patienten mit Zuständen und Erkrankungen, die nicht in der Lage sind, das Ölziehen durchzuführen, ohne das Öl dabei zu verschlucken

Diesbezüglich ist eine zahnärztliche Überwachung der Erstanwendung in der Praxis eine denkbare Lösung, um das Risiko weiter zu minimieren.

Patienten sollten darauf hingewiesen werden, bei Schmerzen und Symptomen wie Husten, Auswurf sowie Bluthusten mit dem Ölziehen aufzuhören, den Hausarzt aufzusuchen und ihre Ärzte bei der Anamnese über das Ölziehen zu informieren.

Was verraten Studien über das Ölziehen?

Für mehr Evidenz sind Studien mit größeren Gruppen und längeren Beobachtungszeiträumen außerhalb Indiens erforderlich. Außerhalb Indiens ist das Ölziehen derzeit noch gänzlich unerforscht, obwohl die Zahl der Anwenderinnen und Anwender zunimmt (vgl. Kapitel 1.2 "Trend Ölziehen" in der Übersichtsarbeit, der Link dazu folgt am Ende des Artikels).

Die Forscher der Universität Oxford, namentlich Herr Gbiginie et al., kamen 2016 in ihrer systematischen Übersichtsarbeit ebenfalls zu dem Schluss, dass es schwache Evidenz für einen positiven Nutzen gibt und weitere Studien mit größeren Studienpopulationen über längere Zeiträume durchgeführt werden sollten. Allerdings bezeichneten die Autoren die Risiken als Spekulation. Da die Indizien dafür sich gerade häufen, sollte die Lipidpneumonie als Erkrankung nicht ignoriert und bei der Aufklärung beachtet werden.

Die vollständige Übersichtsarbeit finden Sie hier kostenfrei auf den wissenschaftlichen Bibliotheken im Freistaat Sachsen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel?
3
Interessante Artikel zum Thema „Zähne & Mund”

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Ihr Name(wird veröffentlicht)
Ihre E-Mail(wird nicht veröffentlicht)
Ihr Kommentar(wird veröffentlicht)
 
Ich akzeptiere die Nutzungsrichtlinien und AGB der jameda GmbH und habe die Datenschutzerklärung gelesen.
  

Inhaltssuche

Durchsuchen Sie sämtliche Artikel auf jameda. Wenn Sie auf der Suche nach Ärzten oder Heilberuflern sind, geht es hier zur Arztsuche

Passende Behandlungsgebiete