Volkskrankheit Parodontose: Mit Prophylaxe vorbeugen!

Dr. Raschke

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© Piotr Marcinski - fotoliaParodontose kann unbehandelt zu Entzündungen und sogar zum Zahnverlust führen. (© Piotr Marcinski - fotolia)Rund 500 Bakterienarten lassen sich in unserem Speichel im Mund nachweisen. Viele werden derzeit als harmlos eingestuft, einige begünstigen jedoch eindeutig die Entstehung von Zahnfleischentzündungen. Diese entwickeln sich im schlimmsten Fall zu einer schwerwiegenden Parodontitis. Sie als Patient erkennen diese Krankheit oft erst, wenn es schon fast zu spät ist. Umgangssprachlich wird die Parodontitis auch Parodontose genannt. Sie verläuft schleichend und bleibt deshalb von den Betroffenen oft unbeachtet. Dabei kann die Zahnbetterkrankung zu Zahnlockerungen und schlussendlich zum Zahnverlust führen. Ein ähnlicher, bakteriell bedingter Entzündungsprozess führt zu Implantatlockerungen, der sogenannten Periimplantitis. 
In diesem Beitrag möchte ich Sie über die Symptome, die Behandlung und vor allem die Vorsorge zur Verhinderung der Krankheit informieren. 

Wie erkenne ich eine Parodontose/ Parodontitis?

Bis zu einem mittleren Schweregrad der Parodontose werden die Symptome von den Patienten oft gar nicht erkannt, denn Parodontalerkrankungen verlaufen gewöhnlich schmerzlos. Im fortgeschrittenen Stadium der Parodontose zerstört die Zahnbettentzündung das Zahnfleisch und den Kieferknochen, was schließlich zum Zahnverlust führt.

Achten Sie daher auf folgende Symptome:

  • Zahnfleischblutungen beim Zähneputzen und beim Gebrauch von Zahnseide
  • Geschwollenes, rotes oder überempfindliches Zahnfleisch (ein gesundes Zahnfleisch sieht wie ein rosa Marzipanschweinchen aus)
  • Freiliegende und empfindliche Zahnhälse
  • Eiterentleerungen oder Sekrete, die aus Zahnfleischtaschen kommen
  • Lockere Zähne, Veränderungen beim Zusammenbeißen der Zähne und Zahnwanderungen
  • Veränderter, schlechterer Sitz von Zahnprothesen
  • Mundgeruch
  • Schlechtere Allgemeingesundheit - die freigesetzten Entzündungsstoffe wirken sich negativ auf den gesamten Organismus aus (systemische Entzündung mit Fernwirkung der sogenannten Herd-Wirkung).

Wie wird Parodontose behandelt?

Wird die Parodontose nicht frühzeitig behandelt, bilden sich mit der Zeit tiefe Zahnfleischtaschen, d.h. Lücken zwischen dem Zahn und dem angrenzenden Zahnfleisch.

Hier können sich Bakterien ansammeln. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt helfen, eine entstehende Parodontitis rechtzeitig zu erkennen und zu therapieren, um schädlichen Bakterienarten keine Möglichkeit zur weiteren Vermehrung zu geben.

Die Behandlung einer Parodontose ist von der Schwere der Erkrankung abhängig. Unser Hauptziel ist jedoch immer, die Bakterienmenge zu reduzieren und damit den Entzündungsreiz zu beseitigen. Die Basis bildet dabei die professionelle Zahnreinigung (PZR).

Ergänzend erfolgen je nach Schweregrad weitere Maßnahmen, wie die Anwendung desinfizierender Einlagen oder der Einsatz eines Low-Level Softlasers zur Sterilisation und Regeneration der Zahnfleischtaschen. Die Durchführung von aggressiven Zahnfleischbehandlungen sowie die Gabe von Antibiotika lehnen weitgehend ab. Ferner können wir genetisch bedingte, überschießende zerstörerische Entzündungsreaktionen feststellen.

In diesem Fall würde jede Stimulation des Immunsystems (vergleichbar wie bei Autoimmunerkrankungen) den entzündlichen Zerstörungsprozess beschleunigen.

Wie wird die Entstehung einer Parodontose verhindert?

© shironosov - iStockLassen Sie regelmäßig eine PZR bei Ihrem Zahnarzt durchführen! (© shironosov - iStock)Regelmäßige und verantwortungsvolle Prophylaxe-Maßnahmen haben bei der Vorbeugung einer Parodontitis einen großen Stellenwert.

So können Zahnfleischentzündungen gar nicht erst entstehen oder weiter voranschreiten.

Gerne motiviere und berate ich meine Patienten hinsichtlich der häuslichen Mundhygiene und gebe ihnen wertvolle Tipps zur Anwendung von zusätzlichen Hilfsmitteln. Die professionelle Zahnreinigung hat im Hinblick auf die Parodontose nicht nur eine prophylaktische, sondern auch eine ausheilende Wirkung.

Der Ablauf einer Professionellen Zahnreinigung

In einer oder mehrerer Sitzungen werden Ihre Zähne, die Zahnzwischenräume, Zahnhälse und Zahnfleischtaschen von Bakterien, festsitzendem Zahnstein, Zahnbelägen (Plaque) und weiteren Ablagerungen befreit.

Dabei kommen verschiedene Hilfsmittel wie spezielle Handinstrumente, Zahnseide, hauchdünne Reinigungsstreifen und ein Wasser-/ Pulverstrahlgemisch zum Einsatz. Zum Abschluss der professionellen Zahnreinigung werden Ihre Zähne gründlich poliert und geglättet, um neue bakterielle Anlagerungen zu verhindern.

Eine gewissenhafte Zahnreinigung ist nach etwa 45 bis 75 Minuten abgeschlossen. Nur dann ist die PZR wirklich professionell, effektiv und ehrlich durchgeführt worden. Rechtzeitig erkannt, können Zahnfleischentzündungen, Parodontitis und Periimplantitis gut therapiert und Zähne sowie Implantate langfristig erhalten werden.

Zudem sorgt die professionelle Zahnreinigung im Rahmen der Prophylaxe nicht nur für gesunde, sondern auch schöne und gepflegte, hellere Zähne.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


16.04.2018 - 10:08 Uhr

Kann sich eine Parodontose in drei Monaten so...

von Rena D.

... entwickeln, dass sie zu Zahnverlust führt? Denn sie kommt ja nicht von heute auf morgen, sondern ist doch im Vorfeld erkennbar, oder nicht?

05.08.2016 - 10:19 Uhr

Nur eine Frage. Was darf eine...

von Heidrun-Elisabeth S.

... Paradontose-Behandlung kosten? Freundliche Grüße, H. H. S.


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