Wann eine Wurzelspitzenresektion wirklich sinnvoll ist

Dr. MSc, MSc, MSc

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©fotolia-120201156-KzenonWurzelspitzenresektion werden heutzutage tatsächlich nur noch sehr selten durchgeführt. (©fotolia-120201156-Kzenon)

Niemand lässt sich gerne operieren. Wir haben zumindest für die Wurzelspitzenresektion eine gute Nachricht, denn mit Hilfe modernster Techniken, Geräte und des aktuellen endodontologischen Wissensstands ist sie eine Seltenheit geworden. 
 

Wie kommt es überhaupt zu einer Entzündung des Zahns?

Die Zahnwurzel besitzt nicht nur große Nervenkanäle, sondern auch ein komplexes System von Seitenkanälen, Verästelungen und Verbindungen. Wird ein Zahn durch Bakterien oder einen Unfall beschädigt, so können Bakterien bis zum Nerv gelangen. Die Folge ist eine Entzündung und das Absterben des Nervs - dies kann zu erheblichen Schmerzen führen.

Eine Verbesserung kann nur die Entfernung des Nervs bringen. Durch die Beseitigung des Nervs entstehen Hohlräume in der Wurzel, diese müssen sorgsam desinfiziert und abgedichtet werden – es handelt sich hierbei um die sogenannte Wurzelkanalbehandlung.

Ist das Wurzelkanalsystem mit Hilfe modernster Behandlungsmethoden maximal desinfiziert und abgedichtet worden, so können extrem gute Langzeiterfolge erreicht werden. Dringen jedoch durch die falsche Technik, Geräte, Materialien oder die unzureichende Ausbildung des Behandlers noch während der Behandlung Bakterien in die Wurzel ein, so können diese inklusive ihrer giftigen Ausscheidungsprodukte durch die Öffnung an der Wurzelspitze in den Knochen gelangen. Der Köper reagiert dann mit einer Entzündung.
 

Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Handelt es sich um eine langsam wachsende, also chronische Entzündung, so können erst nach Jahren Schmerzen auftreten oder die Entzündung wird nur zufällig auf dem Röntgenbild entdeckt. Bei einer schnell wachsenden, aggressiven Entzündung treten schnell Schwellungen und Schmerzen auf. 

Früher wurde bei einem wurzelgefüllten und entzündeten Zahn immer die Wurzelspitzenresektion durchgeführt. Bei dieser chirurgischen Behandlung werden etwa 3 mm von der Wurzelspitze entfernt und meistens noch 3 mm Wurzelfüllung durch ein spezielles Material ersetzt. Heute weiß man jedoch, dass eine alleinige Wurzelspitzenresektion mit einer schlechten Erfolgsprognose behaftet ist.

© Zahnschmerzen-diego cervo - fotoliaSchwellungen und Schmerzen können auf einen entzündeten Zahn hindeuten! (© Zahnschmerzen-diego cervo - fotolia)Sind in der Wurzel noch millionenfach Bakterien vorhanden und kürzt man die Wurzelspitze um 3 mm, so verbleiben immer noch 10-12 mm Wurzel mit extremem Bakterienbefall.

Es gibt momentan keine Materialien, die die abgeschnittene Wurzel so abdichten können, dass keine Bakterien aus der infizierten Wurzel zum Knochen gelangen. Auch das heute verwendete biokompatible MTA zeigt Undichtigkeiten und erlaubt den Bakterien einen schnellen Durchtritt zum Knochen, wie Studien zeigen.

Die richtlinienkonforme Behandlung eines bereits wurzelbehandelten Zahnes mit einer Entzündung ist die Erneuerung der gesamten Wurzelfüllung und die Desinfektion des gesamten Wurzelkanals. 

Experten für Wurzelkanalbehandlungen können diese Behandlung mit einer sehr hohen Erfolgsrate durchführen. In den meisten Fällen heilt die Entzündung schnell aus und nur selten bleibt die Entzündung bestehen –  ist das dennoch der Fall, sollte zusätzlich eine Wurzelspitzenresektion durchgeführt werden. Durch die Behandlungsreihenfolge weiß man, dass die abgeschnittene Wurzel maximal desinfiziert wurde.
 

Gut zu wissen

Falls tatsächlich eine Wurzelspitzenresektion durchgeführt werden muss, gilt: 
Die beste und schonendste Methode ist die mikroskopische Wurzelspitzenresektion. 

Dabei wird mit einem OP-Mikroskop der Zugang zu Wurzelspitze sehr klein gehalten und es ist möglich, durch die Vergrößerung die gesamte Wurzelkanalanatomie zu erblicken und zu versiegeln. Da die Wurzelkanalanatomie sehr komplex ist, sind Sie für diese Therapie bei einem Experten für Wurzelspitzenresektion und Wurzelkanalbehandlung bestens aufgehoben. 

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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