Wann muss ein Zahnimplantat entfernt werden?

Dr. M.Sc. Wirsing

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© Maksym Yemelyanov - FotoliaZahnfleischentzündungen können den Halt des Implantats schädigen, sodass es eventuell entfernt werden muss (© Maksym Yemelyanov - Fotolia)Ein Zahnimplantat zu entfernen, ist dann notwendig, wenn der Zahnarzt eine Entzündung rund um das Implantat feststellt, die nicht mehr behandelbar ist. Hier spricht man von einer sogenannten Periimplantitis.

Was ist eine Periimplantitis?

Eine Periimplantitis ist eine bakterielle Entzündung, die durch Plaque-Ablagerung auf der Oberfläche des Implantates zu Stande kommt.

Durch die Interaktion der Plaque mit dem körpereigenen Abwehrsystem entsteht zunächst eine oberflächliche Zahnfleischentzündung rund um das Zahnimplantat. Das Zahnfleisch ist rot, schwillt an, schmerzt womöglich und blutet leicht bei Berührung. Diese oberflächliche Entzündung kann durch professionelle Reinigung, Nachsorge und eine adäquate Mundhygiene behandelt werden. Die Entzündung selbst ist reversibel.

Durch Pulverstrahlgeräte mit speziellem Glycinpulver ist es den Dentalhygienikerinnen möglich, bis zu einem gewissen Grad auch die kontaminierten Bereiche unterhalb des Zahnfleisches zu reinigen. Mit einem antibakteriellen Schutzlack und Gel wird die Entzündung der Schleimhaut auf chemische Weise angegangen.

Dem Patienten wird in mehreren Prophylaxesitzungen beigebracht, wie der implantatgetragene Zahnersatz mittels Zahnbürste, Zwischenraumbürstchen und Munddusche perfekt gereinigt werden kann. 

©fotolia-Alexandr MitiucViele Zahnfleischentzündungen sind schmerzfrei und werden erst durch den Zahnarzt entdeckt (©fotolia-Alexandr Mitiuc)Besteht die Entzündung weiter fort, greift das Immunsystem die bakterielle Plaque massiv an und zerstört nach und nach das Gewebe um das Implantat. Der Knochen weicht zurück und es entstehen Zahnfleischtaschen, die mit einer Parodontalsonde gemessen werden können.
Im Mund zeigt sich eine Periimplantitis dadurch, dass die Parodontalsonde tief am Implantat in die Zahnfleischtasche sinkt. Es blutet und oft entleert sich auch Eiter.

Dieser Zersetzungsprozess des periimplantären Gewebes muss nicht unbedingt mit Schmerzen einhergehen. Deshalb wird die Periimplantitis fast immer durch den behandelnden Zahnarzt diagnostiziert, ohne dass der Patient etwas von seiner Erkrankung geahnt hätte. Das ist auch der Grund, warum Implantatpatienten regelmäßig an Prophylaxe- und Kontrollterminen teilnehmen sollten.

Wie kann eine Periimplantitis behandelt werden?

Wird eine Periimplantitis frühzeitig erkannt, können die kontaminierten Implantatoberflächen mit Hilfe von Titanbürstchen, Spülungen und Laser behandelt werden. Wirklich effektiv funktioniert die Implantatreinigung nur unter Sicht - das heißt durch ein offenes chirurgisches Vorgehen. In einem zweiten chirurgischen Eingriff kann das Weich- und Hartgewebe um das Implantat herum verbessert und in bestimmten Fällen zumindest teilweise wieder rekonstruiert werden.

Das funktioniert durch Weichgewebstransplantation aus dem Gaumen und Eigenknochen oder Knochenersatzmaterial. Nach heutigem Kenntnisstand liegt die Erfolgsquote der Periimplantitis-Therapie bei ca. 50 %. Deshalb müssen Pro- und Contra-Argumente sehr sorgfältig abgewogen werden. Im Zweifel ist der Patient besser beraten, den Schritt in Richtung Entfernung des Implantates und Neuversorgung zu gehen.

Wann sollte das Implantat entfernt werden?

Ist der Knochen bereits großteils zerstört oder das Implantat gar locker, muss es entfernt werden. Das Implantat wird in der Regel in Lokalanästhesie entfernt. Durch vorsichtige Umfräßung wird es gelockert und herausgenommen. 

Dabei geht zumeist auch viel Knochen und Zahnfleisch verloren. Je früher und atraumatischer ein Implantat entfernt wird, desto geringer ist der Gewebeverlust.

Prinzipiell kann jedes verloren gegangene Implantat ersetzt werden. Allerdings stellt sich die Rekonstruktion verloren gegangener Gewebe vor allem im Front- und Unterkiefer- Seitenzahnbereich als große Herausforderung dar. 

© shironosov - iStockUnter gewissen Voraussetzungen sollte das Implantat entfernt werden um Folgeschäden zu vermeiden (© shironosov - iStock)Knochen kann mit einer Eigenknochenentnahme aus dem Unterkiefer oder auch durch Ersatzmaterialien wiederaufgebaut werden. Sogar ein dreidimensional gefräßter, auf die Patientensituation perfekt angepasster Knochenersatz ist heute möglich. Ein digitaler Volumentomogramm erzeugt ein dreidimensionales Röntgenbild, mit dessen Hilfe ein Knochenblock passgenau hergestellt werden kann. Dieser wird in einem chirurgischen Eingriff in oder auf den Defekt aufgeschraubt und heilt dann in drei bis sechs Monaten ein. Nach zwei Jahren ist diese Art von Knochenersatz vollständig durch eigenen Knochen ersetzt worden.

Weichgewebe wird in der Regel durch Bindegewebsentnahme aus dem Gaumen rekonstruiert. Auch hier kann auf Ersatzmaterialien zurückgegriffen werden, allerdings ist genau wie beim Knochen auch das körpereigene Gewebe der Goldstandard.

Welche Kosten werden von der Krankenkasse übernommen?

Sämtliche Leistungen, die einen Eingriff am oder rund um ein Implantat beinhalten, sowie sämtliche chirurgische Leistungen zur Vor- oder Nachbereitung des Implantatempfängerbettes sind nicht im Behandlungskatalog der gesetzlichen Krankenkasse enthalten und werden deshalb über die Gebührenordnung für Zahnärzte abgerechnet.

Bevor die Leistung erbracht wird, wird der Patient durch einen Kostenvoranschlag über die geplante Behandlung informiert.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


29.06.2018 - 09:31 Uhr

Guten Tag, bei mir ist gestern ein Implantat im...

von Anja L.

... Frontzahnbereich entfernt wurden, nach dem eine Entzündung mit Absonderung von Eiter einherging. Der Eingriff verlief bis jetzt gut, einen gewissen Wundschmerz toleriere ich. Meine Frage nun: wie soll die Entzündung jetzt abheilen ohne Antibiotika oder haben sie Verhaltensregeln für mich als Patient? Ist es überhaupt sinnvoll an diese Stelle nach ein paar Monaten ein erneutes Implantat zu setzen? Vielen Dank für Ihre Auskunft

Dr. M.Sc. Wirsing

Antwort vom Autor am 02.07.2018
Dr. med. dent. M.Sc. Johannes Wirsing

Die Entzündung am Implantatbett entsteht durch Auflagerung von Bakterienbelägen auf der Titanoberfläche, die das körpereigene Abwehrsystem bekämpft. Dabei kommt es zu Schwellung, Blutung und Eiterung. Dies ist eine körpereigener Abwehrmechanismus, um ein Eindringen der Bakterien in den Körper zu verhindern. Wird das kontaminierte Implantat entfernt, hat das Immunsystem keinen Gegner mehr und die Wunde kann auch ohne Antibiotika abheilen. Sofern bei Ihnen die Allgemeingesundheit nicht durch systemische Erkrankungen oder die Wundheilung durch spezielle Medikamente herabgesetzt ist, steht einer erneuten Implantation prinzipiell nichts im Wege. Ob dieser Eingriff auch Sinnvoll ist, lässt sich nur durch die genaue Analyse Ihrer Situation fest stellen. Mit freundlichen Grüßen J. Wirsing

02.11.2017 - 17:32 Uhr

Gibt es eine Sonderputzmetode für Implantate?...

von Helmut S.

... Wie viel Jahre kann ein lmplantat halten? Im voraus Danke

Dr. M.Sc. Wirsing

Antwort vom Autor am 08.11.2017
Dr. med. dent. M.Sc. Johannes Wirsing

Die tägliche Mundhygiene sollte sowohl die Reinigung mittels Zahnbürste ( händisch oder mittels elektrischer Zahnbürste) als auch die Zahnzwischenräume umfassen. Diese können am besten mittels Zahnzwischenraumbürstchen oder spezieller Munddusche gereinigt werden. Zahnseide ist eher nicht zu empfehlen, da die Handhabung Übung und Geschick erfordert und die Reinigungsergebnisse in größeren Zwischenräumen eher mäßig sind . Die Haltbarkeit eines Implantates hängt von vielen Faktoren ab. Der Implantologe muss das Implantat nach wissenschatlich korrekter Weise setzten und versorgen. Bereits hier können viele Fehler entstehen. Des Weiteren hängt die Haltbarkeit sehr von der Pflege durch den Patienten und die Nachsorge und Prophylaxe durch die betreuende Praxis ab. Auch die Allgemeingesundheit spielt eine große Rolle. Faktoren wie Rauchen oder eine nichtbehandelte Parodontitis sind ebenfalls große Risikofaktoren. Implantate können prinzipiell ein Leben lang halten. In der Regel geht man aber von einer Lebensdauer von 12- 15 Jahren aus. Statistiken zufolge sind nach 10 Jahren noch 85-90% aller gesetzten Implantate funktionstüchtig.


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