Welche Zahnfehlstellungen lassen sich mit dem Aligner korrigieren?

Aligner können bei einer Vielzahl von Beschwerden zum gewünschten Ergebnis führen. (© Brigitte Meckle - fotolia)

Welche Folgen können durch Zahnfehlstellungen entstehen?

Gerade Zähne sind nicht allein ein Merkmal von Ästhetik und Attraktivität, sondern viel mehr noch sind sie Lebensqualität. Denn Zähne sind enorm wichtig für viele alltägliche Lebenssituationen wie Essen und Sprechen. Leider haben viele Menschen mit Zahnfehlstellungen zu kämpfen, die einerseits genetisch bedingt (also vererbt) oder im Laufe der Zeit erworben sind. Etwa durch den natürlichen Mesialtrend der Zähne (bedeutet, die Zähne wandern tendenziell nach vorn, weshalb häufig ein frontaler Engstand im Unterkiefer auftritt) sowie durch negative Angewohnheiten wie Daumenlutschen.

Fehlgestellte Zähne, fachsprachlich auch "dentoalveoläre Dysgnathie" genannt, können so schwere gesundheitliche und auch funktionell beeinträchtigende Folgen nach sich ziehen:

Einerseits kann der Kauvorgang durch schiefe Zähne deutlich behindert werden. Das kann dazu führen, dass unzureichend zerkleinerte Nahrung Magen-Darm-Probleme hervorruft. Fehlstellungen der Schneidezähne erschweren das Zu- oder Abbeißen von Lebensmitteln und sind in den meisten Fällen Grund für Sprachfehler.

Die tägliche Reinigung der Zähne ist bei starken Zahnfehlstellungen erschwert, was vereinzelt Parodontose, öfter jedoch Karies oder Zahnwurzel-Entzündungen zur Folge haben kann. Allgemeine Verletzungen im Mund und des Zahnfleischs sind weiterhin typisch, ebenso wie eine Verschiebung der Nachbarzähne bei ausbleibender Zahnfehlstellungskorrektur.

Auch andere Erkrankungen können ihre Ursache in der Zahnfehlstellung finden: Verspannungen im Kieferbereich durch allgemeine funktionelle Beeinträchtigung können unter anderem zu Kopf-, Kiefer- und Nackenschmerzen, aber auch zu Schmerzgefühl in Rücken, Ohren oder gar zu Ohrgeräuschen führen. Auch Wachstumsprobleme des Kiefers und allgemeine Kiefergelenksbeschwerden zählen zu möglichen Auswirkungen.

Zur Begradigung von Zahnfehlstellungen gibt es eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten, die selbstverständlich vorab mit dem behandelnden Zahnarzt abgesprochen werden. Welche Behandlungsmethode letztendlich am erfolgversprechendsten ist, hängt nämlich von vielen Individualfaktoren ab. Dazu gehören beispielsweise die Art der Zahnfehlstellung, das Patientenalter oder auch Alltagsgewohnheiten.

Eine mögliche und zur Zeit sehr beliebte Therapiemethode bei Zahnfehlstellungen bietet die Behandlung mit einem so genannten Aligner, umgangssprachlich auch "unsichtbare Zahnspange" genannt.


Welche Zahnfehlstellungen können mit der unsichtbaren Zahnspange behoben werden?

Aligner können im Gegensatz zu festen Zahnspangen mit Metallstreben nur begrenzt Kraft auf die Zähne ausüben. Daher werden Behandlungen mit der unsichtbaren Zahnspange lediglich bei kleineren bis mittleren Zahnfehlstellungen angewendet.

Ob eine Behandlung mit dem Aligner bei Ihnen erfolgversprechend bzw. sinnvoll ist, muss der Zahnarzt gemeinsam mit Ihnen bei einem intensiven Beratungsgespräch und mittels einer individuellen Analyse in Absprache mit dem Labor entscheiden.

Üblicherweise lassen sich mit der unsichtbaren Zahnspange vorwiegend Engstände und Zahnverschachtelungen erfolgreich therapieren, ebenso wie Fehlpositionierungen in Ober- und Unterkiefer. Häufig verlangt werden außerdem leichte Lückenöffnungen und -schließungen sowie Diastema-Behandlungen (Schließung von schmalen Frontzahnlücken).

Als Engstand wird eine Zahnfehlstellung bezeichnet, bei der es an ausreichend Platz für alle Zähne fehlt. Folge davon sind gedrehte oder schiefe Zähne oder gar solche, die nicht vollständig aus dem Kiefer herauswachsen.

In der Regel kommen Zahnärzte bei solchen Indikationen mit maximal 10 bis 15 Schienen zum erwünschten Korrektur-Ergebnis. Viele Fehlstände lassen sich aber auch mit weniger Schienen lösen. Beispielsweise genügt bei einer sehr geringen Fehlstellung der Frontzähne (Inzisiven) in bestimmten Fällen bereits eine Behandlung mit drei bis fünf Zahnkorrekturschienen. Dies ist jedoch von Patient zu Patient verschieden und muss individuell analysiert werden.

Wenn die oben genannten Indikationen überschritten sind, also bei extremen, sehr komplexen Zahnfehlständen und kieferorthopädischen Problemen, bieten Zahnschienen leider nicht genügend Kraft, um Ihre Zähne ausreichend zu bewegen. Außerdem ist die Korrektur von großen Zahnlücken mittels Aligner nicht optimal möglich, sodass der Zahnarzt in solchen Fällen immer an einen Kieferorthopäden überweist.

Sollten Sie während der Behandlung der Zahnstellungskorrektur zusätzlich ästhetische Arbeiten wie Zahnersatz, Kronen oder Veneers benötigen, so müssen diese bis zum Abschluss der Aligner-Therapie warten. Denn sonst nehmen sie möglicherweise Einfluss auf die Zahnregulierung und behindern diese gar. Sprechen Sie solche Fälle bitte unbedingt immer mit dem behandelnden Zahnarzt ab!


Kleinere Zahnlücken lassen sich in der Regel problemlos mit Alignern korrigieren. (© Obencem - iStock)
Wie funktioniert die Zahnkorrektur mit der unsichtbaren Zahnspange?

Zunächst wird der Behandler bei einer Kontrolluntersuchung feststellen, ob Ihre Zahnfehlstellung mithilfe einer unsichtbaren Zahnspange erfolgreich behandelbar ist. Sollte dies der Fall sein, wird mit Röntgenaufnahmen und anhand eines Modells Ihres Kiefers, eine kieferorthopädische Behandlung im Hinblick auf Ihr gewünschtes Ergebnis geplant. Der erste Schritt zur Erstellung der Zahnschienen ist ein Abdruck Ihrer beiden Mundkiefer in der Zahnarztpraxis.

Für eine erfolgreiche Zahnfehlstellungskorrektur sind in der Regel verschiedene Behandlungsphasen nötig. Dafür erhalten Sie jeweils einen speziell auf die jeweilige Phase abgestimmten und individuell hergestellten Aligner. In Zusammenarbeit mit dem Labor werden mithilfe eines Computerprogramms die Stellungen Ihrer Zähne im Übergang von der Ausgangssituation bis hin zur Wunschposition bzw. zur möglichen Endposition errechnet. Zum Schluss werden die Modelle der einzelnen Behandlungsphasen visualisiert. Für jede Behandlungsphase wird nun eine spezielle Zahnschiene angefertigt.

In der Praxis werden Ihnen die transparenten Schienen dann erstmalig eingesetzt, wobei jeder Aligner je nach Behandlungsphase kontrollierten Druck auf ausgewählte Zähne oder Zahngruppen ausübt. Aus diesem Grund beträgt die Tragedauer des Aligners pro Behandlungsphase etwa 14 Tage. So werden Ihre Zähne Stück für Stück an die richtige Position gerückt.

In regelmäßigen Abständen von ca. zwei Wochen überprüft Ihr Zahnarzt Ihre Zahnstellung und verschafft sich somit immer einen aktuellen Stand des Behandlungsfortschritts. Abhängig vom Schweregrad der Zahnfehlstellung beträgt die Gesamtdauer einer Aligner-Behandlung in der Regel zwischen drei und sechs Monaten.

Der Zahnarzt sollte großen Wert auf die Retentionsphase legen – das ist die Phase nach der Begradigung der Zähne durch die einzelnen Aligner. Dadurch stellt er sicher, dass der Erfolg der Zahnkorrektur möglichst nachhaltig wirkt und das gewünschte Ergebnis langfristig erhalten bleibt.

Nach Behandlungsende erhalten Sie deshalb eine so genannte Retentionsschiene. Sie ist deutlich härter und sollte regelmäßig, vor allem nachts, getragen werden. Wir möchten deutlich darüber informieren, dass sich bei Nichttragen der Retentionsschiene die Zähne wieder zurück in Richtung Ausgangsposition schieben können, was dem Zahnkorrekturergebnis somit wieder entgegenwirkt.

Außerdem ist zusätzlich eine Anbringung von Retainern empfehlenswert, also ein Metallbogen, der an der Innenseite der Zahnreihe eingeklebt wird und Ihre Zähne sicher in Position hält. Damit sich das monetäre sowie zeitliche Investment für Ihre optimale Zahnästhetik und -funktion auch wirklich lohnen!

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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