Das sind die 4 häufigsten Fehler bei einer Wurzelbehandlung

Behandlungen durch qualifizierte Fachärzte können Risiken deutlich verringern. (© Kzenon - fotolia)

Die Risiken einer Wurzelkanalbehandlung sind aufgrund der Komplexität zahlreich.
Dazu gehören auch Fehler durch unzureichende Reinigung und Desinfektion und Übersehen von Wurzelkanälen. Letzteres wird ggf. begünstigt durch unzureichende anatomische Kenntnisse des Behandlers und müssen daher von Behandlungsrisiken unterschieden werden.

Welche Risiken können bei einer Wurzelbehandlung entstehen?

  1. Zu den Behandlungsrisiken gehören beispielsweise das Abbrechen eines Reinigungsinstrumentes. Das Abbrechen der Reinigungsinstrumente und Feilen kann durch stark gekrümmte Wurzelkanäle begünstigt werden. Insbesondere wenn diese zusätzlich auch Verkalkungen aufweisen. Eine Instrumentenfraktur bedeutet nicht automatisch, dass die Behandlung scheitern muss.

    Je nach Lage des Instruments kann eine Entfernung, ein Umgehen oder eine operative Entfernung sinnvoll sein. Die Behandlung mit Vergrößerungshilfen wie Lupenbrille oder Mikroskop erhöht die Chancen.

  2. Auch das Durchbohren des Zahnes im Wurzelbereich (Perforation) stellt ein Risiko dar.
    Verkalkungen können je nach Lage das Reinigungsinstrument vom eigentlichen Verlauf des Wurzelkanals ablenken und somit dazu führen, dass die Wurzelkanalwand durchbohrt wird.

    Auch Entzündungsprozesse innerhalb oder außerhalb des Zahnes können unter Umständen dazu führen, dass sich die Wurzel auflöst und somit eine Perforation fördern. Des Weiteren ist in seltenen Fällen auch eine vom Zahnarzt verursachte Perforation möglich.

    Ebenso wie im Falle der Fraktur eines Instrumentes kann eine Perforation je nach Lage gut beherrscht werden. Eine sogenannte Deckung mit biokeramischen Materialien ist oftmals eine erfolgreiche Korrektur und sichert den langfristigen Zahnerhalt.

  3. Das Überpressen von Spüllösungen oder Wurzelfüllmaterial stellt ebenfalls eine mögliche Komplikation dar. Begünstigt wird das Überpressen vor allem in Fällen von Entzündungsprozessen an der Wurzelspitze, die diese auch teilweise aufgelöst haben.

    Je nach Spül-/Desinfektionslösung kann beim Überpressen über die Wurzelspitze hinaus ein starkes Brennen entstehen. Durch unmittelbares Aus- bzw. Nachspülen mit Kochsalzlösung verbessern sich die Beschwerden in der Regel deutlich oder verschwinden ganz. Unter Umständen ist eine kurzfristige Gabe von Schmerzmitteln oder Antibiotika notwendig. Langfristige Folgen sind glücklicherweise nicht zu erwarten.

    Ein Überpressen von Wurzelfüllmaterial muss hingegen kritischer beurteilt werden. Entscheidend ist neben der Menge des extrudierten Materials auch die Frage, um welches Material es sich handelt. Biokeramische Werkstoffe sind diesbezüglich unbedenklicher, denn sie weisen eine sehr gute Gewebeverträglichkeit auf.

  4. Andere Materialien wie beispielsweise Guttapercha können Gewebereaktionen hervorrufen. Ob diese Gewebereaktionen lediglich eine bindegewebige Ummantelung oder eine Entzündungsreaktion sind, kann bei Kontrollen im Röntgenbild leider nur schwer beurteilt werden. Somit sind entweder Vergleichsaufnahmen oder die spezielle Krankengeschichte des Zahnes heranzuziehen.

    Unter allen Umständen sollte die Schädigung von umliegenden Strukturen (u. a. der Kieferhöhle im Oberkiefer oder der Nerven im Unterkiefer) durch Überinstrumentierung oder Überpressen vermieden werden.

So können Fehler vermieden werden

Unabhängig von möglichen Komplikationen aufgrund der Anatomie des Zahnes oder der Entzündungsreaktion: Die Erfahrung und die Ausbildung des Zahnarztes sind wichtige Komponente für den Erfolg der Behandlung. Die zahlreichen Arbeitsschritte bergen alle für sich betrachtet mögliche Komplikationen. Der Patient sollte bei Schwierigkeiten im Verlauf der Behandlung stets über Gründe und mögliche Lösungen aufgeklärt werden.

Für die Beschwerdefreiheit und den langfristigen Zahnerhalt entscheidend ist letztendlich die vollständige Elimination der Bakterien im Wurzelkanalsystem des Zahnes. Sollte sie nicht gelungen sein, können neue Entzündungen entstehen oder bestehen bleiben. Daraus resultieren nach einiger Zeit häufig neue Beschwerden wie Schmerzen bei Aufbiss oder Schwellungen bis hin zum Abszess.

Auch in diesen Fällen ist der letzte Ausweg nicht unbedingt, dass der Zahn gezogen werden muss. Vielmehr können eine Erneuerung der Behandlung oder die sogenannte Wurzelspitzenresektion helfen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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