Wurzelkanalbehandlung - was ist das?

Dr. Voss

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© Dr. Egle Voss© Dr. Egle VossWenn der Nerv im Inneren eines Zahnes irreversibel beschädigt, entzündet oder schon abgestorben ist, muss eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt werden. Ein weiterer Grund kann eine nicht ausreichende Versorgung sein: Es bestehen noch Mängel der vorhandenen Wurzelfüllung, eine bakterielle Kontamination des Zahninneren oder klinische Symptome, wie bei z. B. bei einer Entzündung.

Behandlungsablauf einer Wurzelkanalbehandlung
Die Behandlung gliedert sich in mehrere Sitzungen auf. Um eine richtige Diagnose zu ermöglichen, sowie auch um die Behandlung zu planen, sind Röntgenbilder notwendig. Die Behandlung kann durch eine Betäubungsspritze weitestgehend schmerzfrei ablaufen. Undichte Kronen müssen abgenommen werden. Insuffiziente Füllungen und durch Karies erweichte Zahnsubstanz werden entfernt. Fehlende Anteile des Zahnes müssen oft durch eine Aufbaufüllung ergänzt werden (präendodontischer Aufbau).

Damit der Zahn während der Behandlung trocken und sauber bleibt, muss dieser isoliert werden, meistens mit einem Gummituch (sog. Kofferdam). Um genau bis zur Wurzelspitze arbeiten zu können, ist die genaue Längenbestimmung jedes Kanals durch ein elektronisches Verfahren (Elektrometrie) sehr wichtig. Im Zahninneren noch befindliches Gewebe, altes Wurzelkanalfüllmaterial und Bakterien werden entfernt und mit speziellen Spüllösungen gereinigt. Die Wurzelkanäle werden von innen erweitert und gereinigt. Dazu werden endodontische Metallfeilen mit unterschiedlichen Durchmessern verwendet, meistens in Verbindung mit einem speziellen Gerät. Die maschinelle Aufbereitung findet mit sehr biegsamen Feilen aus einer speziellen Metalllegierung (Nickel-Titan) statt. Nach abgeschlossener Aufbereitung des Wurzelkanalsystems können nun eine medikamentöse Zwischeneinlage und ein provisorischer Verschluss bis zum nächsten Termin folgen.

Bei völliger Beschwerdefreiheit wird das Wurzelkanalsystem getrocknet und mit Guttapercha und einem Zement gefüllt. Eine Röntgenaufnahme muss anschließend zur Kontrolle der korrekten Wurzelkanalfüllung und für Dokumentationszwecke angefertigt werden.

Alternativen zur Wurzelbehandlung sind die Extraktion des Zahnes sowie in manchen Fällen auch die Wurzelspitzenresektion.

Die Unterlassung der Behandlung kann nachteilige Folgen haben. Die Zähne sind mit Bakterien besiedelt, die einen Entzündungsherd darstellen. Eine Entzündung an der Wurzelspitze, Abszesse sowie auch eine Entzündung des Zahnhalteapparats (Parodontitis) könnten die Folge sein. Diese Bakterien können auch auf andere, lebenswichtige Körperorgane wirken.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Wurzelkanalbehandlungen nur unter bestimmten Voraussetzungen. Sie wurden 2004 in den Richtlinien zur Neufassung des BEMA-Z festgelegt. Für Zähne, die diesen Bestimmungen nicht entsprechen, sind als Kassenbehandlung chirurgische Maßnahmen vorgesehen (Wurzelspitzenresektion oder Extraktion). Soll dennoch eine Wurzelkanalbehandlung zum Versuch des Erhaltes solcher Zähne durchgeführt werden, trägt die Krankenkasse nicht die Kosten. Sie sind deshalb als Privatleistung von der Patientin/vom Patienten selbst zu übernehmen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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