Chirurgischer Zahnerhalt oder Zahnimplantat?

Dr. Dr. Jan Jürgens

von
verfasst am

© matttilda - Fotolia.com© matttilda - Fotolia.comBevor ein Zahn aufgegeben und entfernt werden muss, kann er möglicher Weise durch Kürzung der Wurzelspitze (Wurzelspitzenresektion) viele Jahre erhalten bleiben!

Welche Argumente für eine WSR gibt es?

    1. Der eigene Zahn ist immer noch das beste Implantat!
    2. Die operative Wurzelspitzenresektion (WSR) wird von der Krankenkasse voll übernommen.
    3. Die WSR ist in der Reihe der Zahnerhaltungsmaßnahmen ein weiterer zusätzlicher Schritt.
    4. Das Risiko dieser Behandlung besteht allenfalls in einem Misserfolg, der sich aber auch erst nach längerer Zeit, u. U. nach vielen Jahren, einstellt. In jedem Fall ergibt sich ein Zeitgewinn. (Ein Behandlungsmisserfolg zeigt sich nicht durch wiederkehrende Schmerzen, weil eine WSR keine Schmerztherapie sein kann).

Welche Argumente sprechen gegen eine operative Wurzelspitzenkürzung (WSR)?

    1. Der Patient muss sich einem chirurgischen Eingriff unterziehen.
    2. Der Befund nach der Operation muss regelmäßig kontrolliert werden, da es zu einem Rückfall kommen kann, auch noch nach mehreren Jahren.
    3. Eine WSR ist zur Schmerztherapie ungeeignet.
    4. An bestimmten Zähnen könnte eine WSR wegen hochwertiger Nachbarstrukturen problematisch werden. In diesen Fällen empfiehlt sich eine offene Operationsmethode. Auch wenn diese "aus der Mode gekommen ist", bleibt sie ein seriöses Angebot für den Patienten, der auf diese Weise für viele Jahre einen eigenen Zahn behalten möchte.

Welche Argumente sprechen für ein Implantat im Vergleich zur WSR-Operation?

    1. Implantate stehen als Basis für Zahnersatz vermutlich für eine lange Zeit zur Verfügung.
    2. Die Nachbarzähne der Implantate werden entlastet und geschont, da sie nicht beschliffen werden. Besonders bei Einzelimplantaten kommt die Zahnersatzsituation der originären mit dem eigenen Zahn am nahesten.
    3. Die Belastung für den Patienten durch den chirurgischen Eingriff ist in aller Regel gering.

Welche Argumente sprechen gegen ein Implantat?

    1. Implantate verursachen deutlich höhere Kosten.
    2. Der einmal beschrittene Weg des Zahnersatzes durch Implantate muss häufig weiter beibehalten werden.
    3. Der Implantaterfolg steht und fällt mit der Qualität des Knochens. Vorsicht ist geboten, wenn die eigenen Zähne bereits durch Lockerung verloren gegangen sind. In diesen Fällen wird die Implantate vermutlich das gleiche Schicksal ereilen.
    4. Implantate können neue, bislang unbekannte Beschwerden verursachen. Neben schwer zu lokalisierenden Schmerzen und Entzündungen zählen auch Knochenabbau und Nervschäden dazu.
    5. Die Zeit von der Entfernung eines Zahnes bis hin zum Ersatz durch ein Implantat, das mit einer Zahnkrone versehen wird und danach belastet werden kann beträgt in etwa 1 Jahr. Wer sich nicht entscheiden kann empfindet vielleicht die Feststellung als Entscheidungshilfe, dass ein Ersatz ein Ersatz ist und ein Original ein Original bleibt!

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (3)


02.05.2014 - 15:12 Uhr

Vielen Dank für Ihren Artikel. Bei meinem...

von Melanie

... Kieferchirurgen habe ich die gleichen Informationen bekommen. Manche ZÄ raten im Internet ganz deutlich von WSR ab, aber ich meine man kann doch diesen Erhaltungsversuch durchführen, wenn der behandelnede KC dies vorschlägt. Ich habe 2 WSR und bin bis jetzt beschwerdefrei und total zufrieden. Ich vertrauen denen. Sie arbeiten sehr gewissenhaft und haben mir aus sich heraus noch nie eine Privatleistung angeboten, kein Laser nichts. Wir haben vereinbart, dass ich nach Abschluss meiner Behandlung alle 4 Monate dorthin zur Kontrolle komme

08.02.2013 - 21:57 Uhr

Ich bin männlich und 70 Jahre alt, habe im...

von Helmut Biemann

... Großen und Ganzen gute Zähne. Gehe jährlich zum Zahnarzt. Mir fehlt der 7. Zahn oben rechts, kein Problem damit. Nach 10 Jahren hatte Nr.6 oben rechts eine Wurzelentzündung. Meine Zahnärztin machte eine Wurzelbehandlung. Jetzt, ein Jahr später, habe ich eine starke Wurzelentzündung, mit starker Schwellung des Oberkiefers und leicht geschwollenem Gesicht. Da meine Zahnärztin z.Zt. in Urlaub ist, bin ich heute zum Kieferchirurg gegangen. Der hat eine Rundum-Röntgenaufnahme gemacht und mir direkt einen Termin für eine WSR gegeben. Falls sich das nach dem Eingriff doch mal wieder entzünden sollte, könntet noch mal eine 2. WSR machen. Aber dann müsste der Zahn raus. Dann könnt ernur noch ein Implantat setzen. Eine Rücksprache mit meiner Zahnärztin ist wegen Ihres Urlaubs nicht möglich. Meine Frage: Kann ich mir nicht direkt den Zahn ziehen lassen und direkt ein Implantat einsetzen lassen? Und dann gleich den schon fehlenden 7. daneben gleich mit? Ich habe nämlich sehr große Angst vor dem chirurgischem Eingriff. Der gleiche Chirurg hatte mir vor 3 Jahren schon mal eine Kiefer-Vereiterung im vorderen Oberkiefer entfernt. Es war grausam. Gruß Helmut

19.12.2012 - 10:11 Uhr

Ist es möglich, nach einer Wurzelspitzenresektion...

von margit hatzl

... noch eine Implanatation (an diesem Zahn) durchzuführen?


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