Angst oder Phobie? So entsteht die Furcht vor dem Zahnarzt

Herr Milicevic

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© stokkete - fotoliaZahnarztangst oder Phobie kann unangenehme Folgen für die Mundgesundheit haben (© stokkete - fotolia)Vielleicht kommt Ihnen das bekannt vor: Trotz erheblicher Schmerzen haben Sie sich erst nach Tagen, Wochen oder eventuell auch erst nach Jahren dazu durchgerungen, zu Ihrem Telefon zu greifen und einen Zahnarzttermin zu vereinbaren. Mit jeder Sekunde, die dieser Termin näher rückt, wächst bei Ihnen dieses unangenehme und doch allzu bekannte flaue Gefühl in der Magengegend. Der bloße Gedanke an das Bevorstehende sorgt dafür, dass Ihre Hände zittrig, kalt und verschwitzt werden. So ergeht es vielen. 


Angst vor dem Zahnarzt ist nicht nur ein Thema, das Sie betrifft. Siebzig Prozent unserer Mitmenschen in Deutschland teilen diese Angst mit Ihnen, obwohl sie sich regelmäßig untersuchen lassen. Aber zehn Prozent haben so große Panik, dass sie trotz jahrelanger Schmerzen jeglichen Zahnarztbesuch zu umgehen versuchen.

 

Wie entsteht Zahnarztangst?

Es liegt nicht an Ihnen, dass Sie eine Behandlungsphobie haben. Oft ist die Angst vor dem Zahnarzt durch traumatische Erfahrungen entstanden, die man eventuell schon in der frühen Kindheit gemacht hat. Als Kind war man dem Zahnarzt, zum Teil auch seinen Eltern, ausgeliefert, von den Schmerzen ganz zu schweigen. So ein Erlebnis kann Sie für das ganze Leben prägen.

Die Phobie kann auch durch so genanntes „Modelllernen“ entstanden sein. Nicht Sie selbst, sondern eine nahe stehende Bezugsperson, wie zum Beispiel Ihre Eltern oder Freunde haben von den oben beschriebenen traumatischen Erfahrungen berichtet. In diesem Fall werden die Ängste stellvertretend gelernt, was für den Betroffenen nicht weniger schlimm ist.

Als Beispiel dient die folgende Metapher. Sie handelt von drei Haselmäusen:

Die erste Haselmaus sieht jenseits ihres Baus in einiger Entfernung eine wunderschöne Nuss. Sie verlässt den Bau und macht sich auf den Weg, bis sie plötzlich den Schrei eines Baumfalken hört. Während sich die kleine Haselmaus umsieht, huscht der Schatten jenes Baumfalken über ihren Kopf hinweg. Die Haselmaus blickt empor und erkennt mit großen Augen, dass der Baumfalke mit ausgestreckten Klauen auf sie zugeschossen kommt. Ihr Herz mag in diesem Augenblick aus der Brust springen, die Atmung beschleunigt sich und sie ergreift die Flucht. Diese Haselmaus hat Furcht, die in dieser Situation durchaus berechtigt ist.

Die zweite Haselmaus erkennt aus ihrem Bau in einiger Entfernung eine schmackhafte Beere. Sie verlässt geschwind den Bau, um an diese Köstlichkeit zu gelangen. Auf ihrem Weg glaubt sie, einen Schrei des Baumfalken vernommen zu haben. Kurz darauf täuscht ihr Auge vor, seinen Schatten gesehen zu haben. Die Haselmaus glaubt, es ist um ihr Leben geschehen. Ihr kleines Herz schlägt bis zur Brust, sie hechelt nur noch und erstarrt. Diese Haselmaus ist starr vor Angst.

Die dritte Haselmaus sieht aus ihrem Bau heraus ihre Lieblingsmahlzeit. Während sie vor ihrem Bau steht, stellt sie sich vor, dass sie auf dem Weg dorthin von einem Baumfalken erblickt wurde und er mit ausgestreckten Klauen direkt auf sie zugeflogen kommt. Ihr kleines Herz rast wie wild, sie bekommt kaum Luft, weil sie so schnell hechelt, dreht sich um und kehrt in ihren Bau zurück. Diese Haselmaus hat eine Phobie.

© diego cervo - fotoliaWer den Zahnarztbesuch vermeidet, riskiert Schmerzen (© diego cervo - fotolia)Welche Folgen hat die Zahnarztangst?

Nur um einige Konsequenzen zu nennen:

1. durch Karies verfärbte oder zum Teil zerstörte Zähne
2. entzündetes Zahnfleisch mit Mundgeruch
3. regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln, um die Beschwerden zu unterdrücken
4. Scham
5. Einschränkung von Lebensqualität bis hin zur sozialen Isolation

Diesen Kreislauf kann man durchbrechen. Es erfordert Mut und auch das Erkennen der eigenen Situation. Doch vor allem benötigt man Vertrauen, sich in einfühlsame Hände zu begeben. 

Was passiert in der Praxis?

In auf Zahnbehandlungsphobien spezialisierten Praxen findet beim ersten Termin kein Eingriff statt. Sie legen großen Wert auf das Kennenlernen. In ausführlichen Gesprächen gehen die Zahnärzte auf Ihre Bedenken und Ängste sowie Wünsche und Ziele ein.

Wenn Sie sich bei dem Zahnarzt Ihrer Wahl wohlfühlen und ein gutes Gefühl haben, kann auf Ihren Wunsch hin das Kennenlernen auch mehrere Termine dauern. Nur gemeinsam, auf gleicher Augenhöhe mit Ihnen, können wir Zahnärzte Vertrauen aufbauen und ganz allmählich Ihre Ziele verwirklichen.

Vor dem Behandlungsbeginn sollte Ihr Zahnarzt Ihre Wünsche und eventuellen Bedenken berücksichtigen und sein Vorgehen ausführlich mit Ihnen besprechen, damit Sie sich während der gesamten Behandlung sicher fühlen. Selbstverständlich sollten Sie die Behandlung zu jeder Zeit mit einem vorher abgesprochenen Signal unterbrechen können. Somit bleibt die Kontrolle in Ihren eigenen Händen.

Mit Entspannungstechniken, medizinischer Hypnose, Analogsedierung mit Lachgas, Vollnarkose oder gar mit speziellen Medikamenten können Behandlungen weitgehend angenehm und nahezu schmerzfrei verlaufen. 

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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