Zahnfüllungen: Welche Arten gibt es und wer trägt die Kosten?

Claudia Galler

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© yanlev - fotoliaNach einer Karies-Behandlung folgt oft eine Zahnfüllung - doch welche ist die Richtige? (© yanlev - fotolia)Liegt Karies vor oder ist ein Stück vom Zahn abgebrochen, ersetzt der Zahnarzt die fehlende Zahnmasse mit Füllmaterial. Dabei kann Initialkaries mit Fluoridlack und kleine Karies ohne Bohren mittels Kariesinfiltration aufgehalten werden. Bei größeren Schäden entfernt der Zahnarzt, meist unter lokaler Betäubung, das zerstörte Zahnmaterial, präpariert den gesunden Zahn und füllt das Loch auf. Welche Arten von Zahnfüllungen kommen dafür in Frage? Was sollten Patienten über den Ablauf der Behandlung wissen?

Amalgam: Preiswert, aber umstritten

Amalgam ist eine silberfarbene Legierung aus Quecksilber und den Metallen Silber, Kupfer, Zink, Zinn und Indium. Viele Zahnärzte schätzen den Werkstoff als preiswertes stabiles Material, das sich gut verarbeiten lässt und im Schnitt sieben bis acht Jahre hält. Es eignet sich für Füllungen der Seitenzähne. Hier übernimmt die Krankenkasse die gesamten Kosten.

Um die Füllung einzubringen, wird die Zahnhöhle zugeschliffen und mit einer stabilen Unterfüllung versehen. Das frisch gemischte Amalgam wird eingefüllt und unter Druck verdichtet.

Amalgam wird kontrovers diskutiert, da Quecksilber in Reinform giftig ist. Berichte zu gesundheitlichen Schäden durch Amalgamfüllungen werden unterschiedlich bewertet. In einigen europäischen Ländern sind Amalgamfüllungen bereits verboten. Aufgrund der EU-Quecksilberverordnung könnte die Verwendung von Amalgam auch in Deutschland auf lange Sicht auslaufen. Zu den Komplikationen gehören

  • allergische Reaktionen auf Amalgam
  • das Auswandern von Metallbestandteilen in die Mundschleimhaut
  • Bruch bei zu früher Belastung

Amalgamfüllungen dürfen nicht bei Schwangeren, Stillenden und Jugendlichen unter 15 Jahren eingesetzt werden. Nierenfunktionsstörungen, Amalgamallergie sowie die direkte Nachbarschaft zu Goldfüllungen sind Kontraindikationen für Amalgam.

Glasisomerzement für provisorische Füllungen

Glasisomerzement ist eine Mischung aus einem Gelbildner, z.B. Polyacrylsäure, Wasser und Calcium-Aluminium-Silikat-Glas. Das Material ist zahnähnlich gefärbt, lässt sich rasch einsetzen und haftet gut an der Zahnsubstanz. Es hat eine mittlere Haltbarkeit von ein bis zwei Jahren und eignet sich für

Durch den Zusatz von Fluoriden wirkt das Material schmelzhärtend und keimreduzierend. Unverträglichkeiten gegenüber dem Werkstoff sind sehr selten. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für Füllungen aus Glasisomerzement vollständig.

© contrastwerkstatt - FotoliaIhr Zahnarzt berät Sie über die verschiedenen Arten von Zahnfüllungen und was Sie bei Problemen tun sollten. (© contrastwerkstatt - Fotolia)Komposit: Geringe Mehrkosten

Komposit besteht aus etwa 20 % Kunststoff und 80 % Glas-, Keramik- und Quarzteilchen. Der zahnfarbene Füllstoff wird für Front- und Seitenzähne verwendet. Bei kleinen Zahnschäden kann der Zahnarzt das Material in einer Schicht einbringen. Anschließend wird es mit speziellem Blaulicht gehärtet.

Größere Defekte werden im aufwändigeren Mehrschichtverfahren repariert, um zu verhindern, dass die Füllung schrumpft.

Komposit ist stabil und haftet nach Vorbereitung der Zahnfläche sehr gut. Anschließend halten die Füllungen durchschnittlich vier bis sechs Jahre. Von den Krankenkassen werden die Kosten für eine Einschicht-Komposit-Füllung im Frontzahnbereich übernommen. Bei den Seitenzähnen zahlt sie nur in Höhe einer Amalgamfüllung, die Mehrkosten trägt der Patient.

Kompomer: Kassenleistung

Eine Kombination aus Glasisomerzement und Komposit wird Kompomer genannt. Das zahnfarbene Material wird für Milchzähne, provisorische Füllungen an Front- und Seitenzähnen und Zahnhalsfüllungen eingesetzt. Der Zahnarzt präpariert den Zahn mit Spezialklebstoff und fügt dann das Kompomermaterial ein. Es wird mittels blauem Licht gehärtet und in der Form an die Zahnumgebung angepasst. Seine Haltbarkeit beträgt im Schnitt 4-6 Jahre. Die Kosten werden von der Krankenkasse ganz übernommen.

Goldinlay: Edel, aber auffällig

Zahnfüllungen aus Gold sind sehr stabil und halten zehn bis fünfzehn Jahre und länger. Da reines Gold zu weich ist, werden in der Zahntechnik Goldlegierungen verwendet, die auch andere Metalle wie Silber, Titan und Kupfer enthalten.

Die Goldfüllung wird als Inlay eingesetzt. Dieses passgenaue Einlegestück wird im Dentallabor hergestellt und dann mit Zement im Zahn befestigt. Aufgrund der Farbe werden nur Seitenzähne mit Gold gefüllt.

Allergien auf Gold sind äußerst selten. Da Gold als Edelmetall Wärme und Kälte weiterleitet, kann das am Zahn unangenehm zu spüren sein.

Die Kosten für ein Goldinlay sind hoch: Da die Kasse lediglich den Betrag einer vergleichbaren Amalgamfüllung bezahlt, kommen auf den Patienten Mehrkosten von bis zu 700 Euro zu.

Keramikinlay: Zahnfarben und langlebig

Dentalkeramiken sind Mischungen verschiedener Mineralien wie Feldspat, Quarz, weißem Ton und Oxiden wie Aluminium- und Zirkonoxid. Damit werden beschädigte Seitenzähne gefüllt. Das Inlay wird nach einem Abdruck im Zahnlabor oder mittels eines computergestütztem 3D-Modells teilweise auch in der Zahnarztpraxis gefertigt und in den vorbereiteten Zahn einzementiert.

Keramikinlays sind zahnfarben, sehr gut verträglich und stark belastbar. Mit einer Haltbarkeit von acht bis zehn Jahren sind sie sehr langlebig. Wie bei Goldfüllungen entstehen für den Patienten hohe Mehrkosten von bis zu 600 Euro, da die Krankenkassen sich nur mit dem Betrag einer vergleichbaren Amalgamfüllung beteiligen.

Was tun, wenn Probleme mit der Zahnfüllung auftreten?

Die Haltbarkeit von Zahnfüllungen hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Größe des Schadens, dem verwendeten Material, der allgemeinen Mundgesundheit und der Zahnpflege. Über kurz oder lang ist ein Zahnarzttermin erforderlich, wenn

  • die Zahnfüllung herausgefallen oder abgebrochen ist, zum Beispiel beim Essen
  • die Zahnfüllung wackelt
  • die Füllung einen Riss bekommen hat
  • Zahnschmerzen und starke Überempfindlichkeit auftreten
  • das Zahnfleisch im Bereich des gefüllten Zahns entzündet ist

Verlorene oder abgebrochene Füllungen muss der Zahnarzt zeitnah ersetzen. Hat man starke Schmerzen, weil Nervenenden freiliegen, sollte man den Notdienst einer Zahnklinik in Anspruch nehmen. Andernfalls geht man in den nächsten Tagen zu seinem behandelnden Zahnarzt.

Herausgefallene Gold- und Keramikinlays können unter Umständen wieder eingesetzt werden. Wackelt eine Füllung, ist sie eventuell geschrumpft oder der Zahn hat sich über längere Zeit durch Karies verändert. Risse in der Füllung können durch zu frühe Belastung oder durch Materialermüdung nach langer Lebensdauer entstehen.

Ändert sich die Farbe einer Füllung z.B. an den Rändern, kann das ein Zeichen für eine undichte Stelle am Übergang zum Zahn sein, wo sich Partikel sammeln und Zahnfäule entsteht. Die Ursache für Zahnschmerzen, hohe Kälte- und Wärmempfindlichkeit und für entzündetes Zahnfleisch wird ebenfalls vom Zahnarzt überprüft. Oft liegt ein versteckter Kariesbefall oder freiliegende Nervenenden vor.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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