So lange müssen Zahnimplantate einheilen

Priv.-Doz. Dr. Harder

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©goodluz - fotoliaVon der Dauer der Einheilzeit eines Zahnimplantats hängen mehrere Faktoren ab (©goodluz - fotolia)Viele Patienten wünschen sich, dass ihr Zahnimplantat möglichst schnell einheilt und sie es sofort belasten können. Wie lange die Einheilzeit tatsächlich dauert, hängt jedoch vom Implantatsystem und der Anatomie des Patienten ab. Eine Übersicht. 

Einheilzeiten verschiedener Implantatsysteme

Das Implantat ist erst dann vollständig eingeheilt, wenn es fest mit dem Knochen verwachsen und die sogenannte Osseointegration abgeschlossen ist. Bei normalem Knochenwachstum hängt die Einheilzeit vor allem von der Knochenqualität, dem betroffenen Kiefer und der Implantatart ab. Oft kann der Zahnarzt erst während der OP beurteilen, wie die Knochenqualität beschaffen, wie stabil das Implantat ist und wann es belastet werden kann. Trotzdem gibt es Richtwerte für die Einheilzeiten:

Implantationsart

                Einheilzeit in Monaten

Oberkiefer (ohne Augmentation)           

3-4

Unterkiefer (ohne Augmentation)

2-3

Oberkiefer mit Augmentation (Sinuslift)

4-6

Unterkiefer mit Augmentation (Anlagerungsplastik)

3-6

 
Generell gilt: Je unkomplizierter die Operation, desto schneller die Wundheilung.

Im Oberkiefer brauchen die Implantate häufig länger, um mit dem Kochen zu verwachsen, da der Oberkieferknochen weicher ist.

Längere Einheilzeiten ergeben sich, wenn Knochen aufgebaut werden muss, sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer. Auch hier gilt, je aufwändiger der Knochenaufbau, desto länger die Einheilzeit.

Moderne Implantate verwachsen schneller mit dem Knochen

Die Oberfläche moderner Implantate wird so bearbeitet, dass die künstliche Zahnwurzel schneller einheilen kann. Studien haben gezeigt, dass die ideale Oberfläche angeraut ist, weil der Knochen dann besser anwachsen kann. Inzwischen werden die Oberflächen darüber hinaus auch chemisch vorbehandelt, um eine verbesserte Anlagerung von Knochenzellen zu erreichen.

Einheilzeit nicht mit Sofortbelastung verwechseln

Die Möglichkeit der Sofortbelastung von Implantaten bedeutet, dass die Implantate so stabil in den Knochen eingeschraubt werden, dass eine sofortige Belastung möglich ist, obwohl die Einheilung noch nicht abgeschlossen ist. Dieses Verfahren macht man sich zum Beispiel bei dem Verfahren feste Zähne an einem Tag zu Nutze. Voraussetzung hierfür ist ein geeignetes Implantatsystem und die genaue Diagnostik vor dem Eingriff mittels 3D-Röntgen. Wichtig ist hierbei, dass der Patient sich genau an die Anweisungen des Implantologen hält, um eine Überbelastung des Implantats zu vermeiden.

Bei Standardimplantaten ist eine Sofortbelastung in der Regel keine Option. Bei unkomplizierten Operationen kann der Patient zwar nach Abklingen der Betäubung wieder weiche Speisen zu sich nehmen, kauen sollte im OP-Bereich jedoch vermieden werden.

Bei Bedarf erhalten die Patienten nach der Operation ein herausnehmbares Provisorium. Häufig muss dieses nach ca. 14 Tagen postoperativ nochmals unterfüttert werden, da das Zahnfleisch dann wieder auf seine normale Form abgeschwollen ist.

Warum die Einheilzeit so lange dauert

Direkt nach der Operation beginnt der Körper mit der Wundheilung. Nach den ersten zehn Tagen heften sich knochenbildende Zellen an die künstliche Zahnwurzel an und lassen immer mehr Gewebe wachsen. Anfangs ist es noch weich, aber nach einigen Monaten ist stabiler Knochen entstanden.

Knochentraining nach der Einheilzeit

Kaubelastungen unterstützen nach Ende der Einheilzeit das Knochengewebe um das Implantat herum zu stabilisieren und zu festigen. Der Knochen verdichtet sich immer mehr und das Risiko einer unerwünschten Lockerung sinkt.

Röntgenbilder und sogenannte Festigkeitstests helfen dem Zahnarzt, den Fortschritt der Einheilung zu erkennen. Je nach Implantationsart erhält der Patient erst nach abgeschlossener Einheilzeit seinen neuen Zahnersatz.

Probleme bei der Einheilung

Vorzeitiger Implantatverlust ist selten (ca. 5%). Doch wenn es dazu kommt, treten die Probleme meist schon in der Einheilphase auf. In manchen Fällen verliert die künstliche Zahnwurzel ihren Halt im Knochen oder entzündungsbedingte Knochenabbauprozesse führen zu einer Lockerung. Suchen Sie bei Problemen umgehend Ihren Implantologen auf, damit er eine Lösung finden kann.  

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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