Zahnimplantate im Ausland - eine gute Idee?

Dr. Dreißig

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© bilderstoeckchen - fotolia© bilderstoeckchen - fotoliaWer schön sein will, muss leiden - und im Normalfall mit hohen Kosten für das gute Aussehen rechnen. Besonders für ein strahlendes Lächeln greift man in Deutschland üblicherweise tief in die Tasche, weshalb auch immer mehr Zahnarztpatienten ins Ausland fahren, um sich beispielsweise beim ungarischen Fogorvos (= Zahnarzt) das Gebiss sanieren zu lassen. Heimische Experten raten bei den Billigprodukten im Ausland allerdings zur Vorsicht.

Man hört von den angeblichen Vorteilen an jeder Ecke. Doch sind sie tatsächlich so reizvoll, wie sie klingen? Braucht man ein Zahnimplantat, fährt man beispielsweise nach Ungarn, Polen oder Tschechien und bekommt es dort zum halben Preis oder gar noch billiger und das bei scheinbar gleicher Leistung. Einige Reiseunternehmen bieten mittlerweile sogar Urlaubsreisen inklusive Gebisssanierung an.

Man darf dabei natürlich nicht vergessen, dass der Patient diese effektive Werbung mitbezahlt. Die ausländischen Ärzte besitzen deutschsprachige Internetauftritte und werben mit "topmodernen Praxen", "innovativen Methoden" und "höchster Profession". Das Implantat wird im fremden Land gefertigt und auch eingesetzt. Einen Teil der Kosten, den Festzuschuss, erhält man später von der Krankenkasse rückerstattet. 

Aber warum sind Zahnärzte im Ausland billiger?

Der Grund für den niedrigen Preis ist rasch erklärt: In den östlichen Nachbarländern sowie beispielsweise auch auf Mallorca sind die Mieten für die Praxisräume niedriger als in Deutschland, außerdem wird an den Löhnen für die Mitarbeiter sowie an Materialkosten gespart. 

Die Risiken einer Behandlung im Ausland

Der zu behandelnde Arzt ist im Notfall - etwa bei Schmerzen nicht in Reichweite (was für viele Menschen auch ein psychisches Problem darstellt).

Man darf nicht vergessen, dass es sich beim Einsetzen des Implantats um einen Vorgang mit denselben Risiken wie bei einer Schönheits-OP handelt und der Kiefer fachmännisch nachversorgt werden muss. Manche Zahnärzte lassen sich dann häufig nur ein Handy-Foto von der entzündeten oder schmerzenden Stelle im Mund schicken und versuchen sich an einer Ferndiagnose, was für den Patienten ein weiteres Risiko darstellt.

Darüber hinaus könnte es beim Zahnarzt in den östlichen Nachbarländern Probleme mit der Garantie für bestimmte Leistungen geben, da in den meisten der erwähnten Staaten nicht dieselbe Gewährleistungspflicht besteht wie in Deutschland. 

Der Qualitätsfaktor

© Dan Race - fotoliaSchützen Sie sich vor Pfusch im Ausland! Vertrauen Sie Ihre Zähne einem heimischen Zahnarzt an! (© Dan Race - fotolia)Das im Ausland dieselbe Qualität geboten wird wie in Deutschland, ist jedoch höchst unwahrscheinlich. 

Eine Umfrage des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung Rheinland-Pfalz ergab, dass nur rund einem Viertel aller Patienten, die sich beispielsweise in Ungarn, Polen oder Tschechien für eine Behandlung interessierten, eine qualitativ akzeptable Leistung geboten wurde. 

Der Zeitfaktor

Als besonders problematisch werden die dort langen Wartezeiten auf Zahnersatz empfunden, ebenso die mehrmalige Anreise, wenn der ausländische Zahnarzt nachgebessert werden muss, es zu Komplikationen kommt oder Korrekturen durchgeführt werden müssen.

Insgesamt kann so eine Prozedur durchaus viele Wochen dauern, in der Zwischenzeit ist die Wunde offen und es sammeln sich möglicherweise Keime an, was unter Umständen zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führt.

Nachteile einer zahnärztlichen Behandlung im Ausland

Häufig lassen die Mediziner aus dem Ausland die Implantate in China oder Thailand anfertigen, um selbst Kosten zu sparen. Natürlich existiert dafür keine Nachkaufgarantie.

Es kommt vor, dass die ausländischen Zahnärzte diese Ersparnis nicht weitergeben und immer noch viel zu teuer sind, was das Preis-Leistungs-Verhältnis betrifft.

Das Vertrauen in heimische studierte Mediziner ist letztlich immer größer, weshalb viele Patienten dazu neigen, die Behandlung im Ausland beim ersten Problem abzubrechen. Der Wechsel zum heimischen Zahnarzt fällt vielen Menschen dann schwer, weil sie Kritik an der ursprünglichen Entscheidung fürchten. Reparaturen am "Auslandspfusch" müssen Patienten übrigens vollständig selbst bezahlen. 

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


15.08.2016 - 00:22 Uhr

Hört sich ja alles sehr gut an, was einem hier...

von Roland.W

... geraten wird. War jetzt in Bulgarien zur Voruntersuchung. Was die da in dieser Klinik alles untersuchen - es wird komplett geröntgt und CT-Aufnahmen sowie 3D-Aufnahmen werden gemacht - nicht wie hier in Deutschland, hier wird gespart an der Ausrüstung. Vor allem sprechen die Ärzte (fast) alle deutsch oder haben in Deutschland studiert. Also warum soll ich hier den Zahnärzten das doppelte bezahlen, wenn ich in Bulgarien oder auch in Ungarn die Hälfte für die gleiche Arbeit und das gleiche Wissen bezahlen kann. Aber die Deutschen denken nun mal, alles in Deutschland ist am besten, aber das ist absolut nicht richtig. Ihr Ärzte und Prüfer solltet euch mal die Kliniken im Ausland ansehen, da würdet ihr aber staunen. Ich werde jedenfalls nicht mehr in Deutschland meine Zähne machen lassen. Garantie gibt es auch 5 Jahre lang sowie Partnerzahnärzte in Deutschland, zu denen man gehen kann. Bernhard K. hat genau das geschrieben, was ich meine - danke dir.

Dr. Dreißig

Antwort vom Autor am 19.08.2016
Dr. Jens Dreißig

...schön, dass Sie dort Vertrauen fassen konnten. Eine schlechte Klinik würde ja auch nicht werben.Interessant, dass es dort günstiger ist und die Kliniken trotzdem moderner als hier sind. Wer zahlt die dann wohl? Der Aufruf dient dazu, sich das dortige Angebot in Deutschland erklären und/oder prüfen zu lassen, niemand behauptet, das im Ausland schlechte oder schlecht ausgebildete Ärzte arbeiten. Viele Grüße

11.06.2016 - 12:50 Uhr

Wenn sich der Schreiber erst einmal selbst Zähne...

von Bernhard K.

... oder Kronen im Ausland, wie z.B. in China, herstellen lassen hat, wird er feststellen, das die Kronen zu 100 % passen, während dies bei deutschen Laboren nicht der Fall ist. Der ZA muss meistens noch-nacharbeiten. Übrigens die Garantie für chinesischen Kronen beträgt 5 Jahre, in Deutschland nur 2 Jahre - und wenn ein Schaden eintritt, ist der Patient Schuld und nicht das Labor. Selbst bei einfachen Implantaten sind viele Labore nicht fähig diese passend anzubringen. Viele ZA wandern ins östliche Ausland, weil sie dort mehr verdienen als in Deutschland - also werde ich zu einem deutschen ZA ins Ausland gehen. Soll mir einer sagen, wer besser ist.

Dr. Dreißig

Antwort vom Autor am 09.03.2017
Dr. Jens Dreißig

das habe ich erst zu spät gelesen: Ein Unsinn, unsere Technikerin fertigt Kronen, wo wir weder die Höhe noch die Kontaktpunkte nacharbeiten, einfach einkleben: 99 von 100 OHNE Korrektur. Wer was einspart kann nur am Material oder am Gehalt des Technikers sparen- im Ausland. Die Techniker verdienen inzwischen auch ähnliche Gehälter, also wird am Material gespart, da der Flug ja auch bezahlt werden muss.


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