Zahnimplantate trotzt Parodontitis? Was Patienten wissen sollten

Dr. Becherer

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© Dr. BechererParodontitis kann zu Implantatverlust führen (© Dr. Becherer)Parodontitis ist eine bakterielle Infektion des Zahnhalteapparates. Wenn sich aufgrund ungenügender Zahnputztechnik Bakterienbeläge für längere Zeit am Zahnfleischrand ablagern, führen diese Beläge zu einer Entzündung des Zahnfleisches.

Das Zahnfleisch löst sich von der Zahnwurzel ab und die Bakterien wandern entlang der Zahnwurzel immer tiefer unter das Zahnfleisch. Dadurch entzündet sich der Knochen, der Zähne fest im Kiefer verankern soll, und wird mit der Zeit abgebaut.

Anfangs sehen die Patienten diesen Knochenabbau leider nicht, da die Zahnfleischentzündung eine starke Schwellung erzeugt und das Zahnfleisch von außen noch normal aussieht.

Erst wenn der Knochenabbau weit fortgeschritten ist und die Zähne anfangen zu wackeln, bemerken die Patienten, dass etwas nicht stimmt. Oft treten erst in diesem Endstadium der Parodontitis stärkere Schmerzen und eitrige Schwellungen auf. Dann ist der betreffende Zahn aber oft noch nur sehr schwer zu erhalten. 

Warum bekommen Zahnimplantate schneller Parodontitis?

Das Zahnfleisch des natürlichen Zahns ist durch die Fasern des Zahnhalteapparates (Parodont) fest mit der Zahnoberfläche verwachsen. Außerdem gib es im Parodont viele Abwehrzellen, die die Bakterien bekämpfen. Bei Zahnimplantaten ist das Zahnfleisch rund um das Implantat nicht mit der Implantatoberfläche verwachsen, sondern liegt nur auf der Titanoberfläche auf.

Außerdem fehlt bei Implantaten die zahnwurzelbedeckende Faserhaut mit ihren Abwehrmechanismen als Schutzhülle zum Knochen.

Dadurch kommt es bei einer Infektion sehr viel leichter zu einem Abbau des Kieferknochens um die Implantate herum. Der Abbau des Kieferknochens schreitet deshalb im Vergleich zu den natürlichen Zähnen auch sehr viel schneller fort.

Wann können Implantate bei Parodontitis-Patienten eingesetzt werden?

Grundsätzlich lassen sich Implantate auch bei Parodontitis-Patienten einsetzen. Aber es ist entscheidend, dass folgende Gesichtspunkte beachtet werden:

  1. Die Parodontitis muss unbedingt vor dem Einbringen der Implantate behandelt werden, da die Infektion sonst auf die neuen Implantate übergreift. Da Implantate weniger resistent gegen die Parodontitis sind, gehen sie viel schneller wieder verloren als bei natürlichen Zähnen.
  2. Die Mundhygiene des Patienten muss sich deutlich verbessern, damit die Implantate keine Parodontitis bekommen.
  3. Bei Patienten, die früher eine Parodontitis hatten und jetzt Zahnimplantate bekommen, soll die unterstützende Parodontitis-Therapie (UPT = Nachsorgebehandlung) öfter und intensiver durchgeführt werden, um einer Infektion der Implantate vorzubeugen.

Wo finde ich Parodontologie-Spezialisten?

Für die Behandlung starker Parodontitis vor der Implantation und für die intensive parodontale Nachbehandlung gibt es Parodontologie-Spezialisten. Die Spezialisten der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie haben eine mehrjährige Fachzahnarzt-Ausbildung mit Abschlussprüfung absolviert, um besonders bei fortgeschrittenem Knochenabbau um die Zähne herum zu helfen und das Auftreten von Infektionen bei Zahnimplantaten zu verhindern. Die Absolventen des Masterstudiengangs „Parodontologie“ haben eine mehrmonatige Zusatzausbildung für Zahnfleischbehandlungen durchlaufen.

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Kommentare zum Artikel (2)


03.01.2017 - 19:20 Uhr

Ich suche im Raum Böblingen oder Herrenberg einen...

von Ursula H.

... Spezialisten. Kann mir jemand helfen?

19.10.2016 - 13:00 Uhr

Ist bei vorliegender minimaler Parontitis eine...

von A. Bauder

... Ozonbehandlung sinnvoll? Was bewirkt diese? Kann diese Behandlung für immer die Spiralbakterien, die Parodontose entstehen lassen, entfernen? Muss dies im Zusammenhang mit oraler Antibiothika-Einnahme gemacht werden?


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