Zahnprothesen in jungen Jahren: Welche Methode ergibt Sinn?

Zahnersatz kann auch für jüngere Patienten ein relevantes Thema sein. (© Dan Race - fotolia)

Immer wieder sind es gerade die jungen Patienten (unter 40 Jahren), die den Zahnarzt vor große Herausforderungen in der Beratung und Therapiewahl stellen. Nicht selten sind Jahre des Nicht-Kümmerns und der Vernachlässigung vorausgegangen.

Erst wenn die Frontzähne verloren gehen, wird der Leidensdruck so hoch, dass gehandelt werden muss. Die nun folgende Therapieentscheidung hat einen gravierenden Einfluss auf das persönliche Wohlbefinden und oft auch auf die gesamte berufliche und persönliche Entwicklung eines Menschen. Daher sollte sorgfältig beraten und entschieden werden.


Welche Faktoren spielen eine entscheidende Rolle?

Soll der zukünftige Zahnersatz festsitzend sein, d. h. soll er dauerhaft im Mund verbleiben?

Dazu benötigen wir entweder strategisch sinnvoll verteilte und qualitativ gute Pfeilerzähne, damit Kronen oder Brücken gefertigt werden können. Qualitativ gut heißt, sie müssen fähig sein, wenigstens noch 10 Jahre ihren Dienst im Mund zu tun. Oder benötigen wir zusätzlich zu den eigenen Zähnen noch Implantate? Oder bauen wir den Zahnersatz ganz auf Implantaten?

Heute können wir bei entsprechendem zahnärztlichen Können im zahnlosen Kiefer belastbare festsitzende Brücken an einem Tag fertigen. Das stellt für viele Berufstätige eine große Erleichterung dar, da sie nur kurze Zeit aus dem Arbeitsalltag aussteigen müssen. Die Langfristprognose von festsitzendem Zahnersatz ist wesentlich besser als von herausnehmbaren Versorgungen. Deshalb können sich die Mehrkosten gegenüber abnehmbaren Konstruktionen lohnen.


Darf der zukünftige Zahnersatz herausnehmbar sein?

Wir nutzen einige qualitativ wertvolle Restzähne, um an ihnen den Zahnersatz zu befestigen und einen guten Prothesenhalt zu erzielen.

Dafür gibt es eine Reihe von Konstruktionselementen. Sie machen den Zahnersatz je nach finanziellem Einsatz mehr oder weniger komfortabel. Die einfachste Variante ist die Metallklammer, die deutlich sichtbar an den natürlichen Zähnen anliegt. Die eleganteste ist die Teleskopkrone, die den Zahnersatz nahezu unsichtbar macht.

Und natürlich gibt es noch die klassische Totalprothese. Sie stellt für alle diejenigen eine Alternative dar, die möglichst wenig für ihren Zahnersatz ausgeben möchten und nie wieder Probleme mit Zähnen haben wollen. Ihnen sei gesagt, dass in den meisten Fällen die Kauleistung auf 7-10 % absinkt (eigene Untersuchungen) und beim Essen und Sprechen eine ständige Unsicherheit auftreten wird.

Ein junger Patient wird sich möglicherweise daran gewöhnen, mit diesen Prothesen umzugehen, ältere Patienten verzweifeln jedoch immer wieder und meiden konsequent die Öffentlichkeit. Während dem Tragen von Totalprothesen baut sich der Kiefer konsequent ab. Das führt dazu, dass ihr Halt im Laufe der Jahre immer schlechter wird.

Die persönlichen Ansprüche und Erwartungen an einen Zahnersatz spielen bei der Wahl der Versorgung eine große Rolle. Dabei gilt die kurze Empfehlung: Was billig ist, ist selten bequem und nachhaltig.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel? 8

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Kommentare (2)

Clara, 02.04.2022 - 16:36 Uhr

"Nicht selten sind Jahre des Nicht-Kümmerns und der Vernachlässigung vorausgegangen." Ich habe eine lange Leidensgeschichte mit meinen Zähnen. Im Alter von 8 Jahren hatte ich einen schweren Unfall, bei dem ich mir den Großteil eines Frontzahnes ausgeschlagen habe. Drei meiner Frontzähne wurden in Folge des Unfalls wurzelbehandelt. Zumindest zwei davon verfärbten sich deutlich sichtbar, in der Schule wurde ich immer wieder darauf angesprochen/gehänselt. Ich schämte mich für meine Zähne. In Folge der Wurzelbehandlungen verschoben sich manche Zähne auch. Trotz unzähliger Behandlungen wurde die Funktion meiner Frontzähne nicht vollständig wiederhergestellt, abbeißen konnte ich nur leicht seitlich. Von meinem Zahnarzt, den ich für weitestgehend kompetent und einfühlsam halte, fühlte ich mich dann irgendwann im Stich gelassen: Meine Zähne waren schief, aber da könnte er nichts machen, denn sie waren nicht schief genug. Meine Zähne waren verfärbt und alles, was er anbot war Bleaching mit einer Schiene, das natürlich nichts brachte da die Verfärbung ja nicht äußerlich war, außer meinen ohnehin schon vor geschädigten Zahn weiter zu strapazieren. Dass ich nicht richtig Essen konnte ließ sich nicht ändern, da meine Eltern nicht das Geld für Zahnkronen hatten. Mit 17 war ich dann das letzte Mal beim Zahnarzt, mit einer Zahnfleischentzündung, die so schmerzhaft war, dass ich kaum Zähne putzen konnte. Aber mein Zahnarzt sagte nur gerade jetzt wäre gründliches Putzen wichtig und sonst könnte man nichts machen. Auf meine Mundhygiene habe ich immer penibel geachtet. Mindestens 2x täglich geputzt und jeden Abend Zahnseide. Gelegentlich niedrig dosierte CHX-Mundspülung, 1x die Woche Elmex Gel usw. usf. Dennoch stellten sich nach 15 Jahren ohne Zahnarzt schließlich diverse Zahnprobleme ein. Nachdem ein kleines Stück eines Backenzahns ausgebrochen ist, folgten immer wieder schwere Entzündungen. Viele Nächte lag ich vor Schmerzen wach, trotz Schmerzmittel. Durch die Schmerzen wurde es immer schwieriger, die Zähne weiterhin so gut zu pflegen. Gleichzeitig wurde meine Angst vor dem Zahnarzt und auch meine Scham immer größer. Beim Gedanken daran wurde mir sofort schwindlig, schlecht, Ohnmachtsgefühle, Herzrasen und Suizidgedanken. Das ist leider keine Übertreibung, jahrelang zog ich Selbstmord als ernsthafte Alternative zum Zahnarztbesuch in Betracht(!) - dabei finde ich, dass das Leben ein wertvolles Geschenk ist. Aufgrund meiner Zahnarztphobie lebe ich nun schon sehr lange vollständig isoliert, mit täglichen Schmerzen und Ängsten und meine Gedanken drehen sich fast nur um meine Zähne. Normal essen kann ich schon lange nicht mehr und ich schäme und ekle mich vor mir selbst. Dentalphobie ist eine ernsthafte und mitunter sehr schwerwiegende Erkrankung. 1,5 Jahre habe ich in einer Psychotherapie daran gearbeitet, habe es aber trotzdem nicht geschafft, einen Zahnarzt aufzusuchen. Ihre Formulierung: "Nicht selten sind Jahre des Nicht-Kümmerns und der Vernachlässigung vorausgegangen“ finde ich sehr unglücklich gewählt. Sicher gibt es Menschen, die vielleicht "einfach nur faul" sind und "die sich nicht kümmern". Aber hinter den meisten Menschen mit Dentalphobie steckt eine lange Geschichte, die sehr oft mit traumatischen Kindheitserlebnissen beim Zahnarzt zu tun haben. Nun ist mir vor kurzem besagter Backenzahn ausgefallen und ich bin am Boden zerstört, aber auch gewillt, endlich meine Zahnarztphobie zu überwinden, so dass ich endlich wieder am Leben teilnehmen kann. Endlich wieder lachen kann. Die vielen positiven und ausführlichen Erfahrungsberichte von jungen Menschen mit Vollprothesen (teils Druckknopf-Prothesen, aber überwiegend die 'klassische' Prothese mit Gaumenplatte) auf YouTube geben mir erstmals endlich Hoffnung, dass auch ich meine Phobie überwinden kann und dass ich das alles irgendwie überstehen kann - selbst falls meine Zähne nach über 20 Jahren ohne Zahnarzt nicht mehr gerettet werden können.

Antwort von Dr. med. dent. M.Sc. Rainer Ernst Roos, verfasst am 04.04.2022

Guten Tag, wenn ich "Nicht- Kümmern" formuliert habe, so ist das nicht in der Absicht geschehen, einen Betroffenen zu verletzen, sondern lediglich eine Zustandsbeschreibung. Ich sehe jedoch aus Ihren Ausführungen, dass Sie jetzt initiativ werden wollen und den Zustand aktiv ändern möchten. Tatsächlich ist die Totalprothese eine sehr bewährte Möglichkeit, eine ästhetisch ansprechende und funktionell ausreichende Versorgung zu erhalten, die zu alledem schnell geht und relativ wenig kostet. Je jünger der Patient ist, desto schneller gewöhnt er sich meistens und kann dann nach kurzer Eingewöhnungsphase ohne Einschränkungen wieder am Leben teilnehmen. Ich wünsche Ihnen auf Ihrem Weg viel Erfolg! Rainer Roos

Interessante Artikel zum Thema

Sie suchen einen passenden Arzt für Ihre Symptome?