Zusätzliche Leistungen in der Kieferorthopädie: Wozu sind sie gut?

Können zusätzliche Leistungen einen Mehrwert bieten? (© WhitneyLewisPhotography - iStock)

Der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen wurde im Laufe von mehreren Gesundheitsreformen eingeschränkt auf eine „ausreichend, zweckmäßige und wirtschaftliche“ kieferorthopädische Behandlung – also eine Grundversorgung. Die moderne Kieferorthopädie hat sich in den letzten Jahren aufgrund neuartiger Materialien und Technologien jedoch stetig weiterentwickelt und neue Behandlungen sind daher schonender, verträglicher, effizienter oder auch ästhetischer. Diese neuen Materialien und Methoden können jedoch nur als außervertragliche Leistung angeboten werden.

Sie sind daher eine direkte Vereinbarung zwischen dem Patienten bzw. den Eltern und dem behandelnden Kieferorthopäden. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Investition für diese Leistungen nicht.

Mehr Leistung entspricht mehr Komfort

In den meisten kieferorthopädischen Praxen werden außervertraglichen Leistungen angeboten. Diese verbessern den Behandlungsstandard und ermöglichen ein breites, modernes und komfortables Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten. Und immer mehr Patienten hätten gerne eine zeitgemäße Behandlung und nicht die gleiche Zahnspange, wie sie bereits die Eltern trugen.

Selbstligierende Brackets

Selbstligierende Damon-Brackets werden aus biologischen Gründen verwendet. Sie arbeiten mit sehr geringen, physiologischen Kräften und bewegen dadurch die Zähne sehr sanft und gleichzeitig rasch. Das macht die Behandlung besonders angenehm und ermöglicht gleichzeitig, nach dem neuesten Technikstand zu behandeln und erleichtert die Mundhygiene.

Da uns diese schonende Art, Zähne zu bewegen, sehr wichtig ist, unterscheiden wir bei den Zuzahlungen nicht zwischen Metall- oder zahnfarbenen Keramikbrackets. Hier haben unsere Patienten freie Wahl.

Elastische/Thermo-Bögen

Elastische Bögen sind Drähte aus einer Nickel-Titan-Legierung, die eine gleichbleibend niedrige Kraft ausüben und dadurch die Zähne sanft in die gewünschte Position schieben. Zusätzlich kann die Spannkraft durch Abkühlung, z. B. durch Eisessen, weiter verringert werden. Starre Stahlbögen (Kassenleistung) hingegen zwingen die Zähne regelrecht in die neue Position und können dadurch den Zahnhalteapparat überanstrengen und Schmerzen verursachen.

Klasse-II-Mechanik

Bei Kindern und Jugendlichen, die sich gerade in der Wachstumsphase befinden, ist die Einstellung eines zurückliegenden Unterkiefers in einen Regelbiss oft nur mit speziellen Apparaturen möglich. Dazu nutzt man das Wachstum und fördert eine Entwicklung des Kiefers nach vorne, wodurch langfristig die Atemwege verbessert und das Gesicht harmonischer werden.

Diese mechanischen Geräte werden in die festsitzende Zahnspange eingebaut. Die Investition für diese Spezialapparaturen werden zum Teil nicht von den Krankenkassen übernommen.

Prophylaxe statt Karies

Parallel zu den Prophylaxe-Maßnahmen des Zahnarztes ist eine spezielle kieferorthopädische Prophylaxe sinnvoll. Sie beinhaltet das Reinigen der festsitzenden Zahnspange und einen anschließenden Kariesschutz rund um das Bracket. Dadurch beugen wir bleibenden Schmelzschäden vor und können Entkalkungen wirksam entgegenwirken.

Versiegelung

Zum Schutz vor unerwünschten Entkalkungen bzw. Karies wird auf die Zahnoberflächen ein Schutzlack aufgetragen. Dieser Lack wird beim Einsetzen der Zahnspange aufgebracht und versiegelt den Zahnschmelz mit einer hauchdünnen Schutzschicht. Beim Essen und Kauen kann sich der Lack abnutzen und muss während der Behandlung gegebenenfalls erneuert werden. Nach Abschluss der festsitzenden Behandlung mit Brackets wird er wieder schonend, rückstandslos entfernt.

Diagnostische Maßnahmen

Im Verlauf der Behandlung ist eine Verlaufskontrolle der Behandlung sinnvoll. Sie dient dazu, ein regelrechtes Vorankommen zu ermöglichen und rechtzeitig einzugreifen, sollte dies nicht der Fall sein. Die Krankenkassen übernehmen diese zusätzliche Auswertung nicht. Es hilft jedoch, die Behandlungszeit mit der festen Zahnspange kurzzuhalten und das Endergebnis deutlich zu verbessern.

Langzeitstabilisierung

Damit das Behandlungsergebnis langfristig erhalten bleibt und es nicht zu einem Rückfall kommt, stabilisiert man die Zahnstellung dauerhaft. Dies geschieht mit einem festsitzenden, innenliegenden Lingual-Retainer, der im Alltag nicht sichtbar ist. Er wird auf der Rückseite der Zähne befestigt und bleibt meist problemlos über Jahre im Mund. So sichert er das schöne Endergebnis einer kieferorthopädischen Behandlung.

Jede kieferorthopädische Behandlung ist anders und entsprechend werden die Leistungen individuell angepasst und ausgewählt.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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