Gibt es einen Zusammenhang zwischen Zahnfleischentzündungen und Diabetes?

Dr. Jasper

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© fotolia-118026812-Andrey PopovAlleine in Deutschland leiden mehr als 5 Millionen Menschen an Diabetes (© fotolia-118026812-Andrey Popov)Das Wort "Diabetes" beschreibt das Hauptsymptom, nämlich die Ausscheidung von Zucker im Urin. Im Blutserum eines Menschen befindet sich eine bestimmte Menge Glucose, die von großer Bedeutung für die schnelle Energiegewinnung ist. Mehrere Hormone regulieren den Glucosegehalt. Die zwei Hormone, die den Blutzucker steigern, heißen Glucagon und Adrenalin. Insulin, das in der Bauspeicheldrüse gebildet wird, senkt den Blutzucker. Diabetiker leiden folglich unter Insulinmangel. Sie müssen sich das fehlende Hormon deshalb ständig zuführen. In Deutschland gibt es über 5 Millionen Betroffene.
 

 

Welche Symptome zeigt Diabetes?

Oft werden die Anzeichen gar nicht oder erst sehr spät erkannt. Symptome, die auf Diabetes hinweisen können, sind z.B.:

  • starker Durst
  • Harndrang
  • trockene Haut
  • Müdigkeit
  • Gewichtsverlust
  • schlecht heilende Wunden
  • erhöhte Anfälligkeit für Infektionen
  • Mundgeruch

Man kann dabei verschiedene Diabetestypen unterscheiden.

Eine erfolgreiche Diabetesbehandlung setzt sich aus mehreren Säulen zusammen. Was viele nicht wissen - auch die sorgfältige Zahnreinigung, also die Zahnprophylaxe, gehört dazu.


Zusammenhang Blutzuckerwerte und Zahnfleischentzündungen

Bei Diabetikern ist das Risiko, an Parodontitis zu erkranken, deutlich erhöht. Sie sollten deshalb ganz besonders auf eine gute Mundhygiene achten!

Denn wenn die bakteriellen Beläge nicht täglich sorgfältig entfernt werden, kann sich sehr schnell eine Zahnfleischentzündung entwickeln, Bleibt diese unbehandelt, breitet sie sich im schlimmsten Fall auf das gesamte Zahnbett aus. Wir sprechen dann von einer "Parodontitis" oder "Parodontose".


Was ist Parodontitis?

Bereits 24 Stunden, nachdem ein Zahn gründlich gereinigt wurde, bildet sich wieder ein Biofilm aus Bakterien, der den Zahn umhüllt. Wird dieser Biofilm nicht rechtzeitig und regelmäßig entfernt, © diego cervo - fotoliaGeschwollenes Zahnfleisch kann ein Anzeichen für Parodontitis sein (© diego cervo - fotolia)dringen die Giftstoffe einiger Bakterienarten in das Zahnfleischgewebe ein.

Das führt dazu, dass die körpereigene Abwehr mit Entzündungen reagiert. Zunächst einmal ist sie auf das Zahnfleisch beschränkt; Fachleute sprechen dann von einer "Gingivitis". Typische äußere Anzeichen sind z.B. Rötungen oder Schwellungen sowie Blutungen beim Zähneputzen.

Werden die Bakterien immer noch nicht entfernt, dringen sie weiter und tiefer ins Gewebe ein und gehen in den Knochen über. Der wiederum reagiert mit Knochenabbau – in der Zahnmedizin spricht man dann von einer "Parodontitis".

Es kann aber auch vorkommen, dass die Blutung wegbleibt, weil die Entzündung tiefer gewandert ist oder weil die Durchblutung des Gewebes reduziert ist - das ist zum Beispiel bei Rauchern und Diabetikern der Fall.


Welchen Einfluss hat Parodontitis auf Diabetes?

Bei der Parodontitis handelt es sich also um eine Erkrankung des Zahnbettes. Sie geht immer mit entzündungsbedingtem Knochenabbau einher.

Infolge dieser chronischen Infektion, die zudem auch noch schubweise erfolgt, schüttet das Immunsystem bestimmte Entzündungsstoffe aus, die spezielle Abwehrzellen aktivieren. Leider mindern diese Botenstoffe jedoch die Wirkung des Hormons Insulin. Da das Insulin die Aufnahme des Blutzuckers in die Zellen fördert, bleibt mehr Zucker im Blut - somit steigt der Zuckerspiegel.

Das bedeutet: Eine fortgeschrittene Parodontitis erschwert die Einstellung des Blutzuckers und begünstigt Schwankungen des Blutzuckerspiegels. Die professionelle Zahnreinigung verbessert dabei – vorausgesetzt sie wird mit einer guten häuslichen Mund- und Zahnpflege kombiniert – die Einstellung des Blutzuckers.


Was ist eine „gute häusliche Mund- und Zahnpflege“?

Bei einer guten häuslichen Mund- und Zahnpflege werden alle Zahnflächen gründlich gereinigt. Jeder sollte mindestens morgens nach dem Frühstück und abends vor dem Schlafengehen Zähne putzen, am besten auch mittags.

Zusätzlich sollten einmal am Tag die Zahnzwischenräume gründlich gereinigt werden, am besten mit Zahnseide. Alternativ können Sie auch Zwischenraumbürstchen oder -sticks verwenden.

Auch die Zunge sollte gesäubert werden, zum Beispiel mit einem Zungenschaber. Besser ist jedoch die Verwendung eines sanften Reinigungsmittels für die Zunge.

Viele Menschen denken, dass die Zahnreinigung viel Zeit in Anspruch nimmt, doch in Wahrheit sind es nur ca. 8 Minuten am Tag. Diese Zeit ist sehr gut investiert, denn es ist eine Investition in die Gesamtgesundheit!


Was bringt die professionelle Zahnreinigung?

© Robert Kneschke - FotoliaLassen Sie zur Vorbeugung von Bakterien in regelmäßigen Abständen eine professionelle Zahnreinigung durchführen (© Robert Kneschke - Fotolia)Die professionelle Zahnreinigung ist notwendig, da es kaum einer schafft, alle Ecken und Nischen in seiner Mundhöhle gründlich zu reinigen. Bei Zahnersatz, Kronen und Brücken, aber auch bei Füllungen, ist dies noch schwieriger.

Die Zähne werden bei der professionellen Zahnreinigung von allen Ablagerungen und äußerlichen Verfärbungen befreit. Der Zahnarzt prüft die Zahnfleischtaschen außerdem auf ihre Tiefe und säubert sie bis zu einem gewissen Grad. Am Ende werden den Zähnen noch Mineralien zugeführt und sie werden fluoridiert.


Wie oft sollte die PZR durchgeführt werden?

24 Stunden nach einer Reinigung ist ein Zahn bereits mit einem Biofilm aus Bakterien überdeckt. Nach 3 bis 4 Monaten wird der Biofilm pathogen, das bedeutet, dass sich die Bakterien soweit verändert und vermehrt haben, dass sie das Gewebe schädigen.

Zur Prophylaxe sollte die PZR deshalb alle 3 bis 4 Monate durchgeführt werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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