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Zweitmeinung beim Zahnarzt: Wann kann ich sie einholen?

Dr. Ludwig

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©AndreyPopovBesonders vor aufwendigen Eingriffen kann es sinnvoll sein, die Zweitmeinung eines anderen Arztes einzuholen. (©AndreyPopov)Das alte Sprichwort „vier Augen sehen mehr als zwei“ gilt auch für die Zahnmedizin. So haben Patienten gesetzlicher Krankenkassen heute den Anspruch auf eine zahnärztliche Zweitmeinung. Viele Privatversicherer unterstützen die Initiative ebenfalls.

Darf ich eine Zweitmeinung einholen?

Der Anspruch geht auf das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz zurück und bekräftigt das Recht auf eine kostenlose Zweitmeinung für eine Vielzahl planbarer Eingriffe. Akute Eingriffe oder medikamentöse Behandlungen sind davon nicht erfasst. Auch die Zweitmeinung zu Zahnarztbehandlungen fällt eigentlich nicht in den Regelungsumfang. Gesetzliche oder private Versicherer tragen die Kosten aber dennoch oft ganz oder zumindest teilweise.


Vorteile einer zahnärztlichen Zweitmeinung

Anstehende größere operative Eingriffe oder eine umfangreiche Zahnbehandlung wie die Versorgung mit Zahnersatz sorgen bei Patienten häufig für Verunsicherung. Im ersten Fall bewegen sie vor allem die medizinische Notwendigkeit, Risiken oder die Frage nach Alternativen. Auch der Kostenaspekt kommt hinzu, da die Patienten einen größeren Teil des Zahnarzthonorars selbst zahlen müssen. Die Meinung eines zweiten Mediziners kann ihnen dazu Gewissheit geben oder  eine alternative günstigere Therapie aufzeigen.


Die Zweitmeinung ist wertvoll

Einige Besonderheiten im zahnmedizinischen Bereich machen die zahnärztliche Zweitmeinung für Patienten im wahrsten Sinne des Wortes wertvoll.

Seit 2005 erhalten alle gesetzlich Versicherten nur noch Regelsätze für zahnärztliche Behandlungen von ihrer Krankenkasse. Die Regelversorgung ist für die unterschiedlichsten Befunde definiert und sieht jeweils eine als ausreichend erachtete Behandlungslösung vor. Für deren Kosten zahlen die Kassen Festzuschüsse. Versicherten bleibt damit ein Eigenanteil. Die Wahl einer höherwertigen Versorgung vergrößert die Zahnarztkosten, die aus eigener Tasche gezahlt werden müssen.


Stimmt das Verhältnis von Ergebnis und Kosten?

Es stellt sich für Patienten also immer die Frage, ob bei der geplanten Behandlung Ergebnis und Kosten im optimalen Verhältnis stehen. Zudem unterscheiden sich die Preise bei den Zahnärzten in Deutschland deutlich. Dabei spielen regionale Faktoren genauso eine Rolle wie unterschiedliche Labor- und Materialkosten oder abweichende Honorare.

Jeder einzelne Punkt kann die Zahnarztrechnung erheblich beeinflussen. Ein Beispiel dafür sind die Laborkosten bei Zahnersatz. Zahnärzte mit eigenem Praxislabor arbeiten in aller Regel effizienter und kostengünstiger als solche mit einem externen Dentallabor.

Der Vergleich einzelner Zahnärzte und ihrer Angebote bietet also viel Potenzial zum Sparen. Bei einem Vergleich sollten Patienten aber auch immer bedenken: Die günstigste Behandlungslösung ist wahrscheinlich nicht die hochwertigste Option.

Das gilt besonders für Dumping-Preise von Zahnärzten oder -kliniken im Ausland. Hier gibt es oft erhebliche qualitative Abstriche in einzelnen Behandlungsbereichen oder bei der Vor- und Nachsorge. Genauso muss gute Qualität aber nicht immer sehr viel kosten.


Zum Ablauf einer zahnärztlichen Zweitmeinung

Besprechen Sie Ihr Vorgehen am besten zunächst mit Ihrer Krankenkasse. So haben Sie Gewissheit über die Kostenübernahme oder bekommen bereits erste Adressen von spezialisierten Zahnärzten oder Patientenberatungsstellen in Ihrer Nähe. Dort vereinbaren Sie einen Termin und bringen dann den vom ersten Zahnarzt ausgestellten Heil- und Kostenplan sowie weitere Unterlagen - zum Beispiel Röntgenbilder - mit.

Sie haben immer ein Recht, Einsicht in Ihre Patientenakte zu nehmen und dürfen auch kostenlose Kopien der Befunde verlangen. Das erspart unnötige Doppeluntersuchungen. 

Dem zweiten Zahnarzt dienen die Unterlagen zunächst als Orientierung. Zusammen mit einem eigenen Befund bespricht er dann mit Ihnen die geplante Behandlung, klärt Fragen, informiert, zeigt Alternativen und erstellt für Sie auf Wunsch seinen eigenen unverbindlichen Heil- und Kostenplan. Dann können Sie sich entscheiden.

Eine zweite zahnärztliche Meinung erhalten Sie in vielen Fällen heute übrigens auch schon online und kostenlos auf spezialisierten Serviceportalen. Nutzen Sie ruhig eine dieser vielen Möglichkeiten für eine zahnärztliche Zweitmeinung. Das gibt Ihnen mehr Sicherheit und spart Kosten bei vielen Zahnbehandlungen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


16.05.2019 - 21:34 Uhr

Vor der geplanten Setzung zweier Implantate holte...

von Alfred A.

... ich die Meinung eines Kieferchirurgen wegen des schmalen UK-Knochenkamms ein. Als ich meinen Zahnarzt - ich bei ihm 30 Jahre lang ziemlich lukrativer und pflegeleichter loyaler Patient - davon unterrichtete, um das weitere Vorgehen zu besprechen, lies er mich deutlichst wissen, dass ER mich NICHT behandeln werde. Er warf mich quasi aus der Praxis. (Privatpatient, er behandelt nur Privatpatienten). So weit meine jüngste Erfahrung mit einem Arzt! Und soweit meine Erfahrung zum Thema Zweitmeinung!


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